[117r]
Gr. von Ottingen× die 14. relation vom 23. April 1700. praes. uber Wallachey×, den 24. Maii. [118r]

Allerdurchleuchtigst großmächtigst
undt unüberwindtlichster römischer kayßer×, auch
zu Hungarn× undt Böheimb× könig.
Allergnädigster herr herr!

1
Den gefolgten tag, nachdeme den 6. April von hier abge-
fertigten courrier Bittard× (welchen auch eodem die erst,
weillen er von denen Türckhen biß dahin auffgehalten worden,
abgereyßet) habe ich dem reis effendi× die von euer kay.
May.×
demselben in Wienn× außgesezte praesenten durch den
Lakowiz× überschickhet, mit der anzeig, daß, weillen ich biß
dahin so glückhselig nicht seyn khönnen, nach meinen großen
verlangen mit ihme zusammen zu khommen, undt alßo selbe
ihme selbsten zu überbringen, sich auch damahlß noch dar-
zu kheine verläßliche gelegenheit erzeiget, ich ihme selbe
länger nicht zuruckh halten, sondern nahmens euer kay.
May.×
durch denselben überschickhen wollen, negst recom-
mendation ein- undt anderer euer kay. May.×
angelegenheiten, wie ich bey übrigen persöhnlich ge-
than. Gleicher gestallten habe ich des gros vesier×
chihaia (welcher aller beschreibung nach ein hochtragendt
ambitioser mann, mit welchem wegen seiner hoffahrt [118v]
undt grobheit nicht allein die frembdte, sondern auch die die mei- vor
ste Türckhen selbst nicht zu friden, weillen sie alles durch
ihme bey dem vesier× richten müeßen) negst entschuldtigung,
daß ich es wegen des ramesan, undt bajeram nicht eher
gethan, ein glatt verguldtes handt beckh mit der kandten,
zwey der silbernen schüssel, undt einer stockh uhr, oben mit
einer kugel, welche den monaths tag zeiget, dann den 8.
darauff
dem teffterdar, oder cammer praesidenten, ein go-
dronirtes handtbeckh, sambt der kandten, undt auch zwey
silberne schüssel, nebens einer mit silber überzogener
stockhuhr, welche die gantze- undt viertel stundt schlaget,
überschickhet, welche alle darüber ein großes gefallen ge-
zeiget, sich höfflichst darfür bedanckhet, undt zu secun-
dirung euer kay. May.× ihnen recommendirtes inter-
ehse offeriret, welches nuhn zu erwarthen stehet.

2
Jezt bin ich noch willens, dem chiaus bahsa, welcher mir
von hier bey meinem einzug entgegen gekhommen,
mich
[119r]
mich durch die stadt in mein quartier, undt zu- auch
von der kay. audienz, undt deß vesier× visita gefüh-
ret, eines der noch übrigen handtbeckhen, dann auch 2
schüssel, sambt einer einem vesier vermeinten, undt
erspahrten scheiben uhr, überliefern zu lassen, welche
uhr aber gahr alt, undt das rings herumb vergolte,
gantz abgestossen (so doch der uhrmacher wider etwas er-
frischen will) das uhrwerckh auch, wie der mehrere theill
der übrigen stockhuhren, die ich fast alle probiret, wohl
schlecht, wie dann einige darunder, welche, wan sie einen
tag gegangen, gleich müedt werdten, zu spath khom-
men, undt nicht mehr gefolgen khönnen, so forth auch
gahr stehen bleiben. Alßo daß ich mich in der wahrheit
schähmen müeste, selbe in meinem particular, will ge-
schweigen in euer kay. May.× allerhöchsten nahmen,
einem conditionirten mann zu verehren, indeme ich mehr
ohn- alß ehre damit auffheben würdte. Dahehro ich auch [119v]
darfür halte, euer kay. May.× seyen nicht schuldtig,
selbe dem, den sie verkhauffet, oder eingeschoben, zu be-
zahlen, sondern sie khönnen solche, wan ich sie wider zu-
ruckh bringe, sicher zuruckh geben.

3
Den 9. habe ich, in hoffnung, die zeith besser anzuwendten,
alß noch länger derentwegen allhier müssig zu sitzen,
weillen ich nicht selbsten zu dem reis effendi× khommen
khönnen, demselben durch den Lakowiz× in euer kay.
May.×
nahmen, deß mit mir allhehro gekhommenen
undt annoch sambt seinen leuthen verpflegenden patriar-
chen angelegenheit schrifftlich zustellen lassen, undt ihme
selbe de meliori recommendiret, es hatt aber gleich er-
schinen, daß diese sach große difficultäten haben werdte
(weillen dieser ehrliche mann, denen türckhen sehr
schlecht beschrieben, undt ihnen die wider ihn habende böse
imprehsiones schwährlich werdten khönnen benohmen werdten)
zumahlen er so vill geldt nicht, alß sein gegentheill, ob-
schon
[120r]
schon ein größeres recht haben mag, weillen der reis
effendi×
dem Lakowiz× gleich geandtworthet, daß er ihme
bekhanndt, undt ein unruhiger mann seye: große herrn
wollen, undt müeßen ruhe in ihrem landt haben. Undt
alß er Lakowiz× seine ohnschuldt, undt wie ihme ohngleich
geschehen, dargegen vorgestellet, so hatt selber zwahr
geandtworthet, ehe er mein anbringen dem vesier× vor-
trage, er sich in sachen weither informiren undt wan
möglich seye, ihme zu helffen, es thuen. Wo aber
nicht, mir es sagen lassen wolle, dann sich nicht ge-
bühren wolle, von mir etwas anzunehmen, undt
höherer orthen vorzubringen, wan man darmit nicht
gratificiren khönne, undt mir eine abschlägige andt-
worth gegeben werdten sollte, hatt auch alßo gleich
dasselbe seinem vice cantzler nahmens beghlikdschi
efendi zu geschickhet, mit befelch, darüber einen funda-
mental bericht zu erstatten. Den 13. dieses, nachdeme [120v]
mehr ersagter Lakowiz×, die sach dem vice cantzler gleich
auch eodem die in euer kay. May.× undt meinem
nahmen recommendiret, undt ich ihn wider zu dem reis effendi×
geschickhet, eine resolution zu sollicitiren, hatt er reis
effendi×
ihme meine schrifft, undt documenta wider zugestellet,
undt mit vorigen terminis: anbey auch geandtworthet,
daß die sach wohl undersuchet, undt befundten wordten, daß
darinn nicht wohl zu helffen, er alßo nicht rathsamb be-
findte, selbe dem vesier× vorzutragen, verhoffe aber
mit mir selbst weither ehist aus der sachen reden zu khönnen,
bey deme es bishehro verblieben. Daß ich alßo wahrhafftig
schlechte hoffnung habe, dießfalls etwas fruchtbahres zu
erhalten.

4
Negst deme underlassen nicht, euer kay. May.× allerunderthänigst
hiermit zu berichten, daß allhier der brauch, daß man einen,
der die osterfest mit einer absonderlichen punctualität
wie in der christenheit das neue jahr, zu wuntschen pfleget,
gestallten
[121r]
gestallten mir selbe auch nicht allein hiesige pottschaffer,
das ist der engelländische×, Venetianer×, Holländer×, Raguseer,
undt andere (welches dem Moscowiter× auch: dato aber noch
nicht selbsten zu mir khommen, von denen türckhen er-
laubt wordten) durch ihre bediente, sondern gleicher ge-
stallten alle geistliche, undt nationes per deputatos ge-
than, undt daß mit dieser occasion am Charsambstag ein
pater Jesuiter zu mir gekhommen, der sich under andern seinen
bey mir gethanen anbringen erkhundtiget, ob ich dem fran-
zösischen pottschaffter×
selbe auch wuntschen lassen wolte,
wan er damit zu mir schickhen thette. Ich habe ihme an-
fänglich, weillen mir diese question gleich verdächtig vor-
khommen, kheine andtworth darauff gegeben, sondern da-
von abstrahiret, undt bin auff einen anderen discurs ge-
fallen, nach widerhohlten in mich tringen aber endtlichen, den-
selben gefraget, was es helffen solle, wan wir nicht
zusammen khommen khönnen, er wendete vor, es khönnte [121v]
daraus noch wohl die zusammenkhunfft erfolgen, undt dieses
darzu einen anlass geben, oder wenigst so vill helffen,
daß er mir etliche verborgene sclaven auff denen frantzösischen
schiffen, oder galeren aushelffen würdte (welches daß der
pottschaffter× vorhehro schon von selbsten zu thuen offeriret,
und er pater mir ein oder zwey tag zuvor schon gesagt, der
gutte pater allen ansehen nach studio vergessen haben
mues). Auff widerhohlung seiner vorigen frag, gabe ich ihme
leztlich zur andtworth, daß ich khein bedenckhen findte,
warumben nicht wider zu ihm sollte schickhen, undt zu den
feyertägen gratuliren khönnen, weillen eine höfflichkheit
die andere erfordere, darauff der bey ihme pater verborge-
ne gast außbrache, indeme er mir erzehlete, daß
ersagter frantzösischer pottschaffter× in der gleichen occasionen
mit dem englischen× jeder zeith den tag, undt die stundt zu
adiustiren pflegen, wan sie zusammen schickhen wollen,
stelleten es auch dergestallt ahn, daß die geschickhte zu
einer
[122r]
einer zeith auß ihren häußern gingen, damit sie einander
mitten under dem weeg begegneten, welches ich auch thuen
khunnte, deme ich, wan ich einß mahl ein englischer ge-
sandter wurdte seyn, es alßdann auch thuen wolle, es
hetten euer kay. May.× mit dem könig× in franckh-
reich×
, weder dieser mit euer kay. May.× einige compe-
tenz, oder differenz nicht, wie sie beyde. Er wollte mich bere-
den, daß dieses euer kay. May.× khein praeiudiz gebe,
undt alß ich es besser zu wissen anzeigte, vermeinte
er mich dahin zu induciren, daß ich es wenigst alßo einrich-
tete, einen der meinigen parat under meinen thor stehen
zu lassen, undt wan der frantzösische geschickhte zu meinem
hauß annahete, oder aber auch in dasselbe eintrette,
ersagter meiniger gleich dargegen zu dem frantzösischen×
gehen, undt die gratulation ablegen sollte. Ich wiese hier-
auff den guetten pater mit seiner commihsion, undt
guetten intention ab, undt bathe ihn, mich darmit zu [122v]
verschohnen, mues aber bekhennen, daß mir dieser vor-
trag etwas zu gemüth gangen, undt wan er khein
jesuit gewesen währe, ich geglaubet hette, es währe aus
maliz geschehen, mir einen fall strickh zu legen, mich zu
verführen, undt dardurch bey euer kay. May.× in eine
ohngnadt, oder gleich in dem discredit zu setzen, alß wan ich nicht
verstundte, was praeiudicirlich, oder ohnpraeindicirlich. Bey
der beschaffenheit aber, daß er von einem solchen ordten
ist, dessen geistliche ihnen ein gewissen nehmen sollten,
einen ehrlichen mann auff das eyß zu führen, oder in ein solchen
standt zu setzen, dardurch er umb seine zeitliche fortun ge-
bracht, oder darinnen zuruckh gesezet werdten khunnte, auff
was weis es auch geschehe, so will ich glauben, er habe
es auß einfallt undt daß er es nicht lassen ver-
standten, oder doch auß dem respect gethan, daß diese pa-
tres allhier der frantzösischen faction, undt selbes brodt essen,
wiewohlen er sonsten einen guetten nahmen hatt,
undt
[123r]
undt in religionswesen vill guettes thuet.

5
Nicht weniger berichte euer kay. May.× ich auch hiermit al-
lerunderthänigst, daß ich dieser tagen große hoffnung bekhommen, al-
le gefangene auß dem bagno, welche euer kay. May.× under-
thanen, oder soldaten gewesen, undt über 180 seyn sollen, negsten
wochen los zu erhalten, welche ich darauff fundire, weillen, nachdeme
ich in erfahrung gebracht, daß einige derselben, so auff gewissen
schiffen gewesen, die auff der abrayß gestandten, undt nur auff
guetten windt gewarthet, undt bey dem effendi ansuchen lassen,
selbe in das bagno zu schickhen, damit sie nicht weggeführet wer-
den, sondern allhier verbleiben mögen, mir darinnen deferiret,
selbe auß denen schiffen genohmen, undt begehrter massen dahin ge-
bracht wordten. Welches nicht geschehen währe, wan sie mir nicht
wurdten wollen abgefolget werdten. Was ich nuhn mit selben ma-
chen, wie sie forthbringen, besonders aber wohehr die mittel neh-
men solle, nachdeme ich über die bereith allerunderthänigst über-
schriebene auff drey monath auffgenohmene 3.000 thaler noch andere 4.000
thaler zu derienigen armen sclaven erledigung accreditiret, welche
da undt dorth auff privat herrn galeren sich befindten, undt auff
einige andere weiß nicht, alß durch geldt erlöset werdten khönnen, [123v]
das weiß Gott, der das beste vermittelst euer kay. May.× thuen
wirdt, wan in ermanglung der bezahlung ihre stelle ich nicht vertretten
solle.

6
Ausser deme, allergnädigster herr, fallet dermahlen nichts anderst be-
richtwürdtiges vor, alß das täglich erwarthet wirdt, daß die khünff-
tige sulthanin× ihrer tragenden leibs bürdte erlediget werdten
solle, weche, wan es ein prinz seyn wirdt, deren ohne dem von ihr
drey, undt zwey töchter vorhandten, große fest angestellet, sie
zur sulthanin erklähret, gekröhnet, undt der eltere sohn× darauff,
welcher obschon erst 5 1/2 jahr alt, auch beschnitten werdten solle,
will alßo deroselben mit diesem meinem schreiben länger nicht be-
schwährlich fallen, bitte allein allerunderthanigst, wan es inmit-
telst wider besser verhoffen nicht geschehen, euer kay. May.×
wollen allergnädigst befehlen, daß meiner gemahlin× die mit seith
meiner abrayß von Wienn× verfallene 2 quartalia, zu ihr
undt meiner khinder subsistenz ohne längeres auffhalten mögen
bezahlet werdten, weillen ich ihr von hier nichts darzu überschikhen,
noch von hauß etwas anweißen khan, alldieweillen ich selbe ge-
fälle zu abzahlung der zu meiner allhehro rayß entlehnten
undt mit mir genohmenen gelder, welche sich auff 8.000 f. belauffen,
angewisen, mich anbey zu kay. huldten undt gnaden aller-
underthänigst gehorsambst empfehlendt.


Eure rom. kay. may.×
undterthanigst gehorsambster


Wollf g. z. Öttingen× m. p.
.
Nachweis und Zitiervorschlag zu diesem Dokument: Siehe hier.