<rdf:RDF xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:rdfs="http://www.w3.org/2000/01/rdf-schema#" xmlns:owl="http://www.w3.org/2002/07/owl#" xmlns:skos="https://gams.uni-graz.at/skos/scheme/o:oth/#" xmlns:t="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:dcterms="http://purl.org/dc/terms/" xmlns:gams="https://gams.uni-graz.at/o:gams-ontology#" xmlns:qhod="https://gams.uni-graz.at/o:qhod.ontology#"><qhod:Source rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423"><gams:isMemberOfCollection rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/context:owip" /><qhod:subProject xml:lang="de">Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701)</qhod:subProject><qhod:title xml:lang="de">Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein an Kaiser Leopold I., Pera, 23. April 1700</qhod:title><qhod:title xml:lang="en">Wolfgang IV zu Oettingen-Wallerstein to emperor Leopold I, Pera, April 23, 1700</qhod:title><qhod:title xml:lang="tr" /><qhod:creator>Wolfgang IV. Oettingen-Wallerstein</qhod:creator><qhod:language>de</qhod:language><qhod:date>1700-04-23</qhod:date><qhod:type xml:lang="de">Brief</qhod:type><qhod:type xml:lang="en">letter</qhod:type></qhod:Source><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423#p.1"><gams:text>Den gefolgten tag, nachdeme den 6. April von hier abge- fertigten courrier Bittard (welchen auch eodem die erst, weillen er von denen Türckhen biß dahin auffgehalten worden, abgereyßet) habe ich dem reis effendi die von euer kay. May. demselben in Wienn außgesezte praesenten durch den Lakowiz überschickhet, mit der anzeig, daß, weillen ich biß dahin so glückhselig nicht seyn khönnen, nach meinen großen verlangen mit ihme zusammen zu khommen, undt alßo selbe ihme selbsten zu überbringen, sich auch damahlß noch dar- zu kheine verläßliche gelegenheit erzeiget, ich ihme selbe länger nicht zuruckh halten, sondern nahmens euer kay. May. durch denselben überschickhen wollen, negst recom- mendation ein- undt anderer euer kay. May. angelegenheiten, wie ich bey übrigen persöhnlich ge- than. Gleicher gestallten habe ich des gros vesier chihaia (welcher aller beschreibung nach ein hochtragendt ambitioser mann, mit welchem wegen seiner hoffahrt undt grobheit nicht allein die frembdte, sondern auch die die mei- vor ste Türckhen selbst nicht zu friden, weillen sie alles durch ihme bey dem vesier richten müeßen) negst entschuldtigung, daß ich es wegen des ramesan, undt bajeram nicht eher gethan, ein glatt verguldtes handt beckh mit der kandten, zwey der silbernen schüssel, undt einer stockh uhr, oben mit einer kugel, welche den monaths tag zeiget, dann den 8. darauff dem teffterdar, oder cammer praesidenten, ein go- dronirtes handtbeckh, sambt der kandten, undt auch zwey silberne schüssel, nebens einer mit silber überzogener stockhuhr, welche die gantze- undt viertel stundt schlaget, überschickhet, welche alle darüber ein großes gefallen ge- zeiget, sich höfflichst darfür bedanckhet, undt zu secun- dirung euer kay. May. ihnen recommendirtes inter- ehse offeriret, welches nuhn zu erwarthen stehet.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423#p.2"><gams:text>Jezt bin ich noch willens, dem chiaus bahsa, welcher mir von hier bey meinem einzug entgegen gekhommen, mich mich durch die stadt in mein quartier, undt zu- auch von der kay. audienz, undt deß vesier visita gefüh- ret, eines der noch übrigen handtbeckhen, dann auch 2 schüssel, sambt einer einem vesier vermeinten, undt erspahrten scheiben uhr, überliefern zu lassen, welche uhr aber gahr alt, undt das rings herumb vergolte, gantz abgestossen (so doch der uhrmacher wider etwas er- frischen will) das uhrwerckh auch, wie der mehrere theill der übrigen stockhuhren, die ich fast alle probiret, wohl schlecht, wie dann einige darunder, welche, wan sie einen tag gegangen, gleich müedt werdten, zu spath khom- men, undt nicht mehr gefolgen khönnen, so forth auch gahr stehen bleiben. Alßo daß ich mich in der wahrheit schähmen müeste, selbe in meinem particular, will ge- schweigen in euer kay. May. allerhöchsten nahmen, einem conditionirten mann zu verehren, indeme ich mehr ohn- alß ehre damit auffheben würdte. Dahehro ich auch darfür halte, euer kay. May. seyen nicht schuldtig, selbe dem, den sie verkhauffet, oder eingeschoben, zu be- zahlen, sondern sie khönnen solche, wan ich sie wider zu- ruckh bringe, sicher zuruckh geben.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423#p.3"><gams:text>Den 9. habe ich, in hoffnung, die zeith besser anzuwendten, alß noch länger derentwegen allhier müssig zu sitzen, weillen ich nicht selbsten zu dem reis effendi khommen khönnen, demselben durch den Lakowiz in euer kay. May. nahmen, deß mit mir allhehro gekhommenen undt annoch sambt seinen leuthen verpflegenden patriar- chen angelegenheit schrifftlich zustellen lassen, undt ihme selbe de meliori recommendiret, es hatt aber gleich er- schinen, daß diese sach große difficultäten haben werdte (weillen dieser ehrliche mann, denen türckhen sehr schlecht beschrieben, undt ihnen die wider ihn habende böse imprehsiones schwährlich werdten khönnen benohmen werdten) zumahlen er so vill geldt nicht, alß sein gegentheill, ob- schon schon ein größeres recht haben mag, weillen der reis effendi dem Lakowiz gleich geandtworthet, daß er ihme bekhanndt, undt ein unruhiger mann seye: große herrn wollen, undt müeßen ruhe in ihrem landt haben. Undt alß er Lakowiz seine ohnschuldt, undt wie ihme ohngleich geschehen, dargegen vorgestellet, so hatt selber zwahr geandtworthet, ehe er mein anbringen dem vesier vor- trage, er sich in sachen weither informiren undt wan möglich seye, ihme zu helffen, es thuen. Wo aber nicht, mir es sagen lassen wolle, dann sich nicht ge- bühren wolle, von mir etwas anzunehmen, undt höherer orthen vorzubringen, wan man darmit nicht gratificiren khönne, undt mir eine abschlägige andt- worth gegeben werdten sollte, hatt auch alßo gleich dasselbe seinem vice cantzler nahmens beghlikdschi efendi zu geschickhet, mit befelch, darüber einen funda- mental bericht zu erstatten. Den 13. dieses, nachdeme mehr ersagter Lakowiz, die sach dem vice cantzler gleich auch eodem die in euer kay. May. undt meinem nahmen recommendiret, undt ich ihn wider zu dem reis effendi geschickhet, eine resolution zu sollicitiren, hatt er reis effendi ihme meine schrifft, undt documenta wider zugestellet, undt mit vorigen terminis: anbey auch geandtworthet, daß die sach wohl undersuchet, undt befundten wordten, daß darinn nicht wohl zu helffen, er alßo nicht rathsamb be- findte, selbe dem vesier vorzutragen, verhoffe aber mit mir selbst weither ehist aus der sachen reden zu khönnen, bey deme es bishehro verblieben. Daß ich alßo wahrhafftig schlechte hoffnung habe, dießfalls etwas fruchtbahres zu erhalten.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423#p.4"><gams:text>Negst deme underlassen nicht, euer kay. May. allerunderthänigst hiermit zu berichten, daß allhier der brauch, daß man einen, der die osterfest mit einer absonderlichen punctualität wie in der christenheit das neue jahr, zu wuntschen pfleget, gestallten gestallten mir selbe auch nicht allein hiesige pottschaffer, das ist der engelländische, Venetianer, Holländer, Raguseer, undt andere (welches dem Moscowiter auch: dato aber noch nicht selbsten zu mir khommen, von denen türckhen er- laubt wordten) durch ihre bediente, sondern gleicher ge- stallten alle geistliche, undt nationes per deputatos ge- than, undt daß mit dieser occasion am Charsambstag ein pater Jesuiter zu mir gekhommen, der sich under andern seinen bey mir gethanen anbringen erkhundtiget, ob ich dem fran- zösischen pottschaffter selbe auch wuntschen lassen wolte, wan er damit zu mir schickhen thette. Ich habe ihme an- fänglich, weillen mir diese question gleich verdächtig vor- khommen, kheine andtworth darauff gegeben, sondern da- von abstrahiret, undt bin auff einen anderen discurs ge- fallen, nach widerhohlten in mich tringen aber endtlichen, den- selben gefraget, was es helffen solle, wan wir nicht zusammen khommen khönnen, er wendete vor, es khönnte daraus noch wohl die zusammenkhunfft erfolgen, undt dieses darzu einen anlass geben, oder wenigst so vill helffen, daß er mir etliche verborgene sclaven auff denen frantzösischen schiffen, oder galeren aushelffen würdte (welches daß der pottschaffter vorhehro schon von selbsten zu thuen offeriret, und er pater mir ein oder zwey tag zuvor schon gesagt, der gutte pater allen ansehen nach studio vergessen haben mues). Auff widerhohlung seiner vorigen frag, gabe ich ihme leztlich zur andtworth, daß ich khein bedenckhen findte, warumben nicht wider zu ihm sollte schickhen, undt zu den feyertägen gratuliren khönnen, weillen eine höfflichkheit die andere erfordere, darauff der bey ihme pater verborge- ne gast außbrache, indeme er mir erzehlete, daß ersagter frantzösischer pottschaffter in der gleichen occasionen mit dem englischen jeder zeith den tag, undt die stundt zu adiustiren pflegen, wan sie zusammen schickhen wollen, stelleten es auch dergestallt ahn, daß die geschickhte zu einer einer zeith auß ihren häußern gingen, damit sie einander mitten under dem weeg begegneten, welches ich auch thuen khunnte, deme ich, wan ich einß mahl ein englischer ge- sandter wurdte seyn, es alßdann auch thuen wolle, es hetten euer kay. May. mit dem könig in franckh- reich, weder dieser mit euer kay. May. einige compe- tenz, oder differenz nicht, wie sie beyde. Er wollte mich bere- den, daß dieses euer kay. May. khein praeiudiz gebe, undt alß ich es besser zu wissen anzeigte, vermeinte er mich dahin zu induciren, daß ich es wenigst alßo einrich- tete, einen der meinigen parat under meinen thor stehen zu lassen, undt wan der frantzösische geschickhte zu meinem hauß annahete, oder aber auch in dasselbe eintrette, ersagter meiniger gleich dargegen zu dem frantzösischen gehen, undt die gratulation ablegen sollte. Ich wiese hier- auff den guetten pater mit seiner commihsion, undt guetten intention ab, undt bathe ihn, mich darmit zu verschohnen, mues aber bekhennen, daß mir dieser vor- trag etwas zu gemüth gangen, undt wan er khein jesuit gewesen währe, ich geglaubet hette, es währe aus maliz geschehen, mir einen fall strickh zu legen, mich zu verführen, undt dardurch bey euer kay. May. in eine ohngnadt, oder gleich in dem discredit zu setzen, alß wan ich nicht verstundte, was praeiudicirlich, oder ohnpraeindicirlich. Bey der beschaffenheit aber, daß er von einem solchen ordten ist, dessen geistliche ihnen ein gewissen nehmen sollten, einen ehrlichen mann auff das eyß zu führen, oder in ein solchen standt zu setzen, dardurch er umb seine zeitliche fortun ge- bracht, oder darinnen zuruckh gesezet werdten khunnte, auff was weis es auch geschehe, so will ich glauben, er habe es auß einfallt undt daß er es nicht lassen ver- standten, oder doch auß dem respect gethan, daß diese pa- tres allhier der frantzösischen faction, undt selbes brodt essen, wiewohlen er sonsten einen guetten nahmen hatt, undt undt in religionswesen vill guettes thuet.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423#p.5"><gams:text>Nicht weniger berichte euer kay. May. ich auch hiermit al- lerunderthänigst, daß ich dieser tagen große hoffnung bekhommen, al- le gefangene auß dem bagno, welche euer kay. May. under- thanen, oder soldaten gewesen, undt über 180 seyn sollen, negsten wochen los zu erhalten, welche ich darauff fundire, weillen, nachdeme ich in erfahrung gebracht, daß einige derselben, so auff gewissen schiffen gewesen, die auff der abrayß gestandten, undt nur auff guetten windt gewarthet, undt bey dem effendi ansuchen lassen, selbe in das bagno zu schickhen, damit sie nicht weggeführet wer- den, sondern allhier verbleiben mögen, mir darinnen deferiret, selbe auß denen schiffen genohmen, undt begehrter massen dahin ge- bracht wordten. Welches nicht geschehen währe, wan sie mir nicht wurdten wollen abgefolget werdten. Was ich nuhn mit selben ma- chen, wie sie forthbringen, besonders aber wohehr die mittel neh- men solle, nachdeme ich über die bereith allerunderthänigst über- schriebene auff drey monath auffgenohmene 3.000 thaler noch andere 4.000 thaler zu derienigen armen sclaven erledigung accreditiret, welche da undt dorth auff privat herrn galeren sich befindten, undt auff einige andere weiß nicht, alß durch geldt erlöset werdten khönnen, das weiß Gott, der das beste vermittelst euer kay. May. thuen wirdt, wan in ermanglung der bezahlung ihre stelle ich nicht vertretten solle.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423#p.6"><gams:text>Ausser deme, allergnädigster herr, fallet dermahlen nichts anderst be- richtwürdtiges vor, alß das täglich erwarthet wirdt, daß die khünff- tige sulthanin ihrer tragenden leibs bürdte erlediget werdten solle, weche, wan es ein prinz seyn wirdt, deren ohne dem von ihr drey, undt zwey töchter vorhandten, große fest angestellet, sie zur sulthanin erklähret, gekröhnet, undt der eltere sohn darauff, welcher obschon erst 5 1/2 jahr alt, auch beschnitten werdten solle, will alßo deroselben mit diesem meinem schreiben länger nicht be- schwährlich fallen, bitte allein allerunderthanigst, wan es inmit- telst wider besser verhoffen nicht geschehen, euer kay. May. wollen allergnädigst befehlen, daß meiner gemahlin die mit seith meiner abrayß von Wienn verfallene 2 quartalia, zu ihr undt meiner khinder subsistenz ohne längeres auffhalten mögen bezahlet werdten, weillen ich ihr von hier nichts darzu überschikhen, noch von hauß etwas anweißen khan, alldieweillen ich selbe ge- fälle zu abzahlung der zu meiner allhehro rayß entlehnten undt mit mir genohmenen gelder, welche sich auff 8.000 f. belauffen, angewisen, mich anbey zu kay. huldten undt gnaden aller- underthänigst gehorsambst empfehlendt.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17000423" /></qhod:Text></rdf:RDF>