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Auch allergnädigster kayßer
undt herr, solle euer kay. May.


Hiermit in aller underthänigkheit nicht ohnberichtet las-
sen, daß, nachdeme ich den 8. dieses lauffenden mo-
nath sehr spath undt bey allschon finsterer nacht allhier
in meinem quartier angelanget, mich noch selben abendt
der englische undt holländtische, den anderen vormittag aber
der venedische pottschaffter, wie auch der moscowitische
undt ragusische gesandten beneventiren, undt ich sie
gleich darauff wider complimentiren lassen, undt daß ich,
weillen der frantzösische gesandte nicht gleicher massen zu
mir geschickhet, angestandten, ob zu erwartten habe, biß
auch derselbe zu mir jemandten abgesendet, oder ob ich ihme
vorhehro von meiner ankhunfft, wie es sonsten wohl zu ge-
schehen pfleget, parte geben solle. Undt daß ich solchem
nach resolviret, ohnerwarttet seiner beneventierung
ihme parte zu geben, (umb welche zeithen jedoch eben auch
zu mir zu schickhen, meiner ohnwissendt, die anstallt
gemachet haben mues, weillen sie beyde
unsere geschikte

einander under-
weegs begegnet) dabey es auch geblieben, biß Don-
nerstag, den 18. darauff, da sich dann ergeben, daß,
nach dem ich Erchtag zuvor bey dem gros sultan
audienz gehabt, der englische gesandte bey mir auff
den Mittwochen noch selben abendt sich ansagen lassen
undt auch selben tag mir die erste visita gegeben,
ohne daß ich derentwegen einen anstandt besorget, er-
sagten
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sagten Donnerstag aber hatt der frantzösische gesandte
mit einem compliment zu mir geschickhet, mir we-
gen der gehabten audienz gratuliret, undt insinniret,
daß er mir den 20. eine visita geben wolle, mit dem
verlangen, ihme darzu eine mir gelegene stundt
zu ahsignieren. Dargegen ich mich bedanckhet, mit ver-
melden, daß es seiner gelegenheit anheimb gestellet
lasse, alß er aber noch näher auff die stundt ge-
trungen, ihme die viertte nachmittag benennet, worauff
er gemeldet, daß er verhoffe (so er doch wohl anderst
gewist haben mues, weillen die englische visita ohnweith
seines hauß vorbey publice, undt gahr solenniter
geschehen) es werdte inmittelst niemandt anderer bey
mir audienz genohmen haben oder bekhommen (welches
ich einmahl nicht recht verstandten, indeme er etwas
still geredet). Weillen nuhn gemelter massen der
englische gesandte den tag zuvor schon bey mir
gewesen wahr, so andtworttete ich, daß solches derent-
wegen schon zu spath seye, undt nicht mehr geendert
werdten khönne, auff welches er, daß solcher ge-
stallten es seinem herrn schmertzen werdte, nicht
zu mir khommen zu khönnen, weillen allhier der ge-
brauch, jeder zeith von deme, welcher dem andern vor-
gehe, die erste visita abzunehmen, undt sein kö-
nig ohndisputierlich vor Engellandt die praecedenz
habe
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habe, worauff ich, daß es mir leydt seyn wurdte,
allein seye sein herr selbste schuldt darahn,
dieweill er sich nicht eher angemeldet, so er thuen
khönnen. Ich wisse nichts von solchen gebrauch, be-
gehrte mich auch nicht anzunehmen, wehme die prae-
cedenz vor dem andern gebühre, sondern halte
mich deß jenigen, was an dem orth herkhommens,
wo ich hergekhommen, allwo man deme die erste
visita gestatte, der sich am ersten darumben angebe,
wie geschehen, bathe ihn, mir zu sagen, was er
vermeine, daß der englische von mir glauben khön-
nen, oder geglaubet, undt wie er es auffgenohmen haben
wurdte, wan ich demselben seinetwegen, da er sich
vor ihme nicht anmelden lassen, die visita abge-
schlagen hette. Ich wußte es also nicht mehr zu en-
deren, worauff er nach repetierung dessen, so all-
schon oben berühret, abschiedt genohmen, mit ver-
melden, er müßte alles seinem gesandten re-
feriren, deme ich weithers, daß er gahr wohl thuen
undt derselbe selbst erkhennen werdte, daß es
eine geschehene sach, die nicht mehr zu enderen, undt
ich ausser schuldt seye. So alles ich gleich nach
seinem abschiedt mr. milord Paget hinderbringen
lassen, mit ersuchen, mich zu berichten, was
er vermeine, das ich diesfalls zu thuen habe, der
mir gerathen, wider mit einem compliment dahin
zu
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zu schickhen, undt zu vermeldten, daß ich von
seinem geschickhten zwahr anfänglich berichtet
wordten, daß er den Sambstag darauff zu mir zu
khommen verlanget, endtlichen aber dieses inci-
dens halber mich dessen nicht gäntzlichen versi-
cheret, weillen ich nuhn solches aigentlich zu wissen
nöthig, damit, wan sich inmittelst ein anderer von
denen übrigen herren pottschafftern auff selben
tag anmelden lassen würdte, ich mich darnach
regulieren möge, alßo bath ich umb selbe nach-
richt, mit versicherung, daß, wan es ihme ge-
fällig, zu mir zu khommen, ich mir es für eine
ehr halten, undt ihme mit aller gebühr begegnen,
auch die freundtschafft mit ihme zu pflegen, undt
zu conserviren suchen werdte, wie mit allen an-
dern pottschafftern, insonderheith aber, welche unsere
hohe herrn principalen durch die neue verbündt-
nus mit einander gemachet. Deme ich dann alßo nach-
khommen, er pottschaffter aber hatt sich pure in
negativis gehalten, undt daß er bey berührter be-
schaffenheit zu nachtheill seines könig nicht zu mir
khommen khönne, mit widerhohlung deß obigen, daß
namblichen allhier der vormahl allegirte ge-
brauch, undt seinem könig die praecedenz vor Engel-
landt gebühre, ich alßo den engelländer vor ihme
nicht vorlassen sollen. Undt alß ihme mein
dahin
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dahin geschickhter (wie ich vorgemeltermassen
in discurs mit seinem geschickhten gethan) gefraget,
was ich dann mehr berührten englischen gesandten
andtwortten, undt wie selben ohne die höchste offension
ab- oder zuruckh weißen sollen, hatt er ihme geandt-
worttet, ich hette zu erhaltung seines königs ho-
heit sagen sollen, ich befündte mich nicht wohl, undt
währe übl auff, wie dergleichen entschuldtigung wohl
öffters auch anderwerths geschehen, ist alßo dato nicht
zu mir gekhommen, hatt auch biß dahehro ebenso-
wenig zu mir geschickhet, welches alles euer kay.
May. zu wahrer, undt verlässlicher nachricht deß
verlauff hiermit in allerunderthänigkheit hinderbringe,
damit, wan dieses incidens an euer kay. May.,
wie ich wohl vorsiehe, gebracht werdten wirdt, sie
davon eine beständtige wissenschafft allergnädigst
haben, undt erkhennen mögen, daß ich nicht anderst thuen,
weder nach sein des frantzösischen pottschaffter gelegenheit,
den englischen gesandten zuruckh halten, noch mich, in dero
beyden praecedenz strittigkheit mengen wollen. Sonsten,
allergnädigster kayßer undt herr, ist deme alßo,
wie ich auß Adrianopel wegen der ihme frantzösischen
pottschaffter recusirten audienz allerunderthänigst
überschriben, nemblichen daß, alß er wider die hiesige
observanz mit dem degen zur selben gehen wollen,
undt die Türckhen bey der ihme beschehenen ertheillung
eines cafftan, wahrgenohmen, daß er selben an der
seithen
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seithen gehabt, er von dem Mauro Cordato selben
abzulegen, ermahnet undt alß er es nicht gethan,
die Türckhen es dihsimuliret, biß daß er in das
vorgemach deß audienz zimmer gekhommen, allwo
nicht nur allein noch einmahl die ablegung desselben
begehret, sondern ihme so gahr auch der cafftan auff-
gehoben, undt mit begreiffung seiner kleyder nach
gesuchet, ob er khein anderes verborgenees gewehr
bey sich habe, welches er hoch empfundten, es gean-
det, undt gemeldet, daß er selben nicht ablegen wolle,
darüber sie ihn mit gewaldt zuruckh getrieben, undt
wie mir gesaget wordten, gahr gestossen, undt
nacher hauß geschaffet wordten, darauff er den
angehabten cafftan von sich geworffen, undt auch
seinen bey sich gehabten leuthen ein gleiches zu
thuen befohlen, so forth sich nacher hauß begeben,
auch seine praesenten (worunder ein vorhehr nie ge-
schehener grosser spiegel gewesen seyn, undt der
sulthan ihn gehrn gehabt haben solle, weillen
er selben durch ein fenster in divan gesehen, undt
der pottschaffter nuhnmehr würckhlich in seinem zimmer
auffgemachet) mit sich zuruckh genohmen, worü-
ber die Türckhen annoch mit ihme pottschafftern
different, weillen er behauptet, daß sie Türckhen
ihme positive befohlen, selbe nacher hauß zu neh-
men, der chiaus bahsa aber allein gesagt
zu
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zu haben verwendet, daß, wan er wolle, selbe
mit nacher hauß nehmen möge. Inmittelst hatt mich
der englische nicht allein, wie obgemeldet, sondern
auch der holländtische gesandten besuchet, der venedi-
sche aber gibet vor, daß er eine defluxion in koppf
habe, undt derentwegen nicht zu mir khommen khönne,
der ragusische hatt 2 oder 3 mahl zu mir geschickhet,
undt auch khommen wollen, es wahre mir aber an-
fänglich, weillen ich gahr nichts eingerichtet gewesen,
die andermahl aber wegen deren audienzien, undt andere re- undt
visiten pure ohnmöglich. Thue alßo erwartten, ob er
weither schickhen, oder khommen werdte, so ich derentwegen
nothwendtig erachtet, in underthänigkheit zu berichten,
damit, wan er sich darüber wider besser verhoffen,
weillen ich seinen hoffmeister selbst alle mahl gahr hoch
gebetten, es nicht zu verüblen, bey euer kay. May.
beschwähren sollte, dargegen diese wahre beschaffenheit
gestellet werdten möge, wiewohlen nicht ohne, daß er
ohnbeschreiblich weith von mir wohnet, undt die gegen
visita mir auch sehr schwähr fallen wirdt, über dieß,
daß dergleichen erste undt lezte visiten, ein sehr gro-
ßes khosten, so inevitable, womit mich zu kay.
huldten undt gnaden underthänigst gehorsambst empfehle.


Eure romischer kayserlich mayestett
allerundterthanig gehorsambster
Wollf g. z. Öttingen m. p.
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