- 188r -


Allerdurchleuchtigst großmäch-
tigst undt unüberwindtlichster römi-
scher kayßer, auch zu Hungarn undt
Böheimb könig.
Allergnädigster herr herr!


Euer kay. May. solle hiermit in aller underthänig-
kheit nicht ohnberichtet lassen, daß ich endtlichen durch die
gnad, undt beystandt Gottes vergangenen Erchtag, den neun
undt neuntzigsten tag nach meiner abrayß von Wienn,
nach allerhandt gehabten verhindernussen, auffenthalt, undt
ohngewitter, auch durch großen schnee, sonderlich aber in
diesen landts über das sehr hohe gebirg, undt in ohnbe-
schreiblicher kälte, welche doch von einigen tagen her zimb-
lich nach, undt zu linderen wetter sich anlasset, auch völ-
lig auffgehen zu wollen anscheinet, mit allen denen mei-
nigen glückhlich undt gesundt allhier, allwo ich abermahl
von denen hiesigen fürnembsten Türckhen in großer men-
ge, gleich wie zu Rudschich, eine guette halbe stundt vor der
sehr volckhreichen statt, ausserhalb, weillen dieß orths khei-
ne stuckh, wie daselbsten, undt alßo kheine gelöset werden
khönnen, eingehohlet wordten, angelanget, undt heuth mit seiner
weitheren göttlichen begleithung nacher Constantinopel auff-
breche
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breche, in hoffnung, innerhalb 9 tägen nacher Ponte Picolo
3 1/2 stundt davon anzulangen, daselbsten, wie es dem
vernehmen nach jeder zeith herkhommen, undt observiret wor-
den, drey oder vier täge zu verbleiben, außzurasten,
undt mich zu den einzug zu bereithen.


Indessen ist den 21. dieses zu Hassan ein exprehser von
Constantinopel zu meinen commihsarium khommen, umb sich
aigentlich wegen des tags meiner dahinkhunfft, undt
wo ich in Constantinopel zu logiren verlange, zu erkhun-
digen, der under andern mitgebracht, daß der türckhische
kayßer schon in das dritte monath nicht in Constantino-
pel gewesen, sondern zu Tschataltsche sich auffgehalten,
undt erst gestern oder vorgestern wider dahin gekhehret seyn
werdte, selber hatt auch referiret, daß der frantzösische
gesandte noch kheine audienz bey dem sultan gehabt.
Zwahr seye ihme darzu angesaget, undt alle anstallt
gemachet
- 189r -
gemachet, er auch würckhlich gehn hoff gekhommen, undt ihme
der cafftan angeleget, in meinung, denselben zu introduci-
ren, er habe aber seinen an den seithen gehabten degen
nicht abthuen wollen, derentwegen er nicht admittiret,
ihme der cafftan wider abgenohmen, undt ohne audienz mit zu-
ruckhschickhung der praesenten, und zwahr, wie einer
meiner commihsarien gesaget, mit zimblich hartten
compliment, dergleichen selber cron pottschafftern schon
öffters widerfahren, nacher hauß zu kehren obligiret
wordten, von welchem leztern, undt in wehme selbes aigen-
tlich bestandten, ich jedoch mit negsten von Constantinopel
auß mehrere nachricht in underthänigkheit überschreiben
werdte. Dießmahl aber habe die begebenheit wegen deß
degen derentwegen mit diesem aigenen allergehorsambst
zu berichten nöthig befundten, umb nicht (wie ich dann
darumben hiermit allerunderthänigst bitte) in kay. gnaden
ohnverlängt, undt wider durch einen exprehsen, (der, wan
er
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er nicht auffgehalten wirdt, noch wohl vor meiner erlangen-
den audienz zuruckh khommen khan) allergnädigst zu be-
ordern, wie ich mich in diesem fall zu verhalten, weillen ich
weder auß denen, von euer kay. May. löbl. hoff kriegs-
rath mir communicirten actis, noch sonsten ersehen hab,
wie es in hoc speciali zu deß graffen Lesle, undt Baron
von Schwartzenhorn seel. zeithen gehalten wordten, ob sie die
säbel bey der audienz an der seithen getragen, oder nicht? Bitte
zugleich allerunderthänigst, mich allergnädigst zu benachrichten,
wie es der von hinnen dermahlen an euer kay. May.
hoff subsistirende türckhische pottschaffter observiret, dann
falls er seinen säbel an der seithen gehabt, undt euer kay.
May. allergnädigst verlangeten, daß ich ein gleiches thuen,
undt mich in gefahr eines solchen ergehen, wie dem frantzösischen
pottschaffter geschehen, setzen solle, mir darüber ein mit
sein pottschaffters aigener handt, undt pottschafft gezeichne-
tes attestatum zu überschickhen, damit ich, wie er es ge-
halten
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halten, erweißen, undt ein gleiches mit mehreren funda-
ment begehren möge, ausser deme mir es leicht abge-
leugnet, undt widersprochen werdten dörffte. Zumahlen ich
der Türckhen reden nach, welche sie occasione obersagter
dem frantzösischen gesandten ergangenen begegnus geführet, bewogen, daß mir
schwährlich werdte gestattet werdten, mit einem gewehr
zu erscheinen, weillen dessen khein exempel seye, derent-
wegen, undt sonderlich ob periculum in mora mit so vill grö-
ßeren verlangen allerunderthänigst zu vernehmen gewärttig
bin, was euer kay. May. allergnädigst befehlen
werdten, undt ob mich deshalben impegniren, oder ohnvermerckht,
undt von selbsten dessen enthalten solle.


Über dieses, allergnädigster kayßer undt herr, habe ich
nicht allein dero allergnädigstes lezteres rescriptum
von dem 9. December voriges jahr, betreffendt des graffen
Marsigli obhabende grenitz scheidungs commihsion, sondern
auch ein anderes von der löbl. kay. hoff cammer de dato
5.ten
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5.ten ejusdem, die communication der specification der
türckhischen praesenten undt deren distribution betreffendt
mit allerunderthänigstem respect, undt schuldtiger gebühr
wohl erhalten. So vill nuhn das erste, da werdte nicht
ermanglen, nach meiner ankhunfft zu Constantinopel, wo
euer kay. May. inmittelst nichts anderst, oder mehreren
allergnädigst befehlen, in allem gehorsambst nach zu leben.
So vill aber das andere belanget, da weiß weder ich, noch der
secretarius der orientalischen sprachen der Lakowitz
unß zu erinnern, daß einigen von unß, wie die löbl.
hoff cammer darinnen supponiret, ersagte specification
von jemandten communiciret währe, oder mir in particulari
etwas davon angezeiget wordten. Ohnerachtet nicht ohne,
daß der mitgekhommene hoff kriegs zahl ambts officier,
welcher ein gahr accurater, embsiger undt fleyssiger
mann, der nicht allein bey der wasser rayß, undt
daselbstigen gefahr, sondern auch bey annoch continuiren-
der
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der landtrayß große mühe, sorg undt fleyss anwen-
det, undt deßwegen ville ohngelegenheit außstehet, selbe
mit sich hatt, sonsten, wan es geschehen währe, ich vor
meiner abrayße nicht underlassen haben wurdte, mit
euerer kay. May. allergnädigsten erlaubnus ein-
undt anderes dabey zu errinneren, wie zum theill inmit-
telst wehrender rayße von mir schon schrifftlich geschehen, ge-
stallten auch er Lakowitz, wan ihme selber halben et-
was anbefohlen worden währe, undt auch er die erlaub-
nus gehabt hette, mehrers würdte an handt gegeben haben,
weillen er vor deme, zu zeithen deß graffen Caprara mit
dem Hoffmann, euer kay. May. gewesen residenten,
schon einmahl zu Constantinopel gewesen, undt alßo, was
denen Türckhen angenehmb, oder nicht, guette nachricht wurdte
haben geben khönnen. Allermassen er nach der ihme von
mir gethanen communication der mir in obigen came-
ral rescript zugestellten specification, alßo gleich an-
gemerckhet
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gemerckhet, daß ein ohnentbehrliches praesent für deß
gros vesier chihaia mitzugeben vergessen wordten,
da doch selbes officium sonderlich der zeith, mehr alß alle
vesier, undt übrige officiers zu obligiren, alldieweillen
nicht wohl etwas bey dem daselbstigen gros vesier anderst,
alß durch ersagten dessen chihaia anzubringen, zu ne-
gotiiren, oder zu erhalten, er alßo vor allem zu gewinnen undt
in guetten willen zu setzen, allermassen euer kay. May.
solches auch auß deß seel. graffen Lesle relation
sub dato 8. Julii undt 23. Augusti 1665 werdten vernohmen, undt auß der
in copia hiermit khommenden beylag allergnädigst mit meh-
rern zu ersehen haben, daß, alß bey sein deß graffen
Lesle seel. absendtung, damahliger chihaia auch ver-
gessen, (welches dießmahl die ursach seyn wirdt, daß man
allein ohne weithere reflexion auff ihme, selber ersten
lista, bey fehrtiger bestellung der praesenten nachge-
gangen). Dessentwegen er graff Lesle necehsitiret
wordten
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wordten, euer kay. May. allerunderthänigst zu
bitten, ihme neben andern nachzuschickhen verlangten prae-
senten, auch für selben chihaia eines mitzusendten,
welches mir die freyheit gibet, dergleichen hiermit ebenfalls
zu begehren, undt allerunderthänigst zu bitten, auch diesem
etwas ergiebiges mit einem courrier nachzuschickhen,
undt umb so vill mehr als eurer kay. May. deß
vesier von Belgrad chihaia ein so schönes regal zu ge-
schickhet, der doch einige dergleichen importante dienste
nicht, alß wie der zu Constantinopel zu leisten vermag
undt wan dieser es erfahren, wie inmittelst ohnfehlbahr
allschon geschehen seyn wirdt, undt er praeteriret werdten solle,
es ein sehr grossen disgusto so wohl bey seinem herrn,
alß ihme selbsten, eurer kay. May. aber einen
grosen schaden verursachen wurdte, womithin ich der aller-
underthänigsten hoffnung lebe, euer kay. May. werden
mich in mein vormahligen ansuchen de dato 4. Decembris
undt
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undt folgendt umb so vill weniger enthören, alß sie nicht
allein mehr ersagten graffens Lesle verlangen
für billich erkhennet, undt ihme nach seinem underthänigen an-
suchen gratificiret, sondern auch dem graffen Marsigli
gleichfalls, (wie das jüngst von euer kay. May. mir
communicirte an ihme erlassene leztere rescriptum
außweißet, mir auch von seiner abferttigung von Wienn
selbsten bekahnndt ist) allerhandt dergleichen notdurfften
allergnädigst mitgegeben, undt nachgeschickhet. Dann ein-
mahl bin ich mit dergleichen galanterien nicht versehen,
sondern stehe gantz blos, da doch, wie es die tägliche erfah-
rung zeiget, das bettlen auff allerhandt manier bey
denen Türckhen ohne underlass continuiret, gestallten es
mich dann schon würckhlich mehr, alß 2.000 fl. gekhostet,
so ich hin undt wider inevitabiliter, umb euerer kay.
May. respect undt reputation zu erhalten, spendiren
mues, undt doch annoch khein anfang ist, sondern zu
Constantinopel
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Constantinopel erst recht angehen wirdt, da dann under andern
die vormahls angezeigte packh- truckh-, oder repetier- der vier-
eckhige tisch, undt die veldt uhren sehr, undt vor allem ange-
nehmb, gestallten ich auch allerunderthängist verhoffe, euer
kay. May. werdten wegen des von dem vesier zu Bel-
grad begehrten veldt uhr in gnaden gedacht gewesen seyn
undt ihme selbe inmittelst durch den general de Nehm zu-
geschickhet haben.


Weillen, allergnädigster kayßer undt herr, ich auch jüngst
hin zu Ruschickh deroselben die abrede, undt vergleich mit
dem türckhischen commihsario wegen meines thein bey zu
schliesen, ausser acht gelassen, darumben allerunderthä-
nigst umb vergebung bitte, so schließe denselben hiebey,
undt khan nicht verhalten, daß ich in sorgen stehe, es seye
in meinem vormahligen an euer kay. May. derent-
wegen den 12. Decembris abgelassenem allerunderthänigsten
schreiben versus finem, allwo ich wegen deß ersten mit
dem
- 197v -
dem capidschi bahsa getroffenen vergleich meldtung gethan,
in describendo meines concept ein fehler geschehen, undt an
statt, daß geschriben werdten solle, (daß ersagter capidschi
bahsa mich obligiren wollen, meinen thein in naturalibus
anzunehmen, welcher denen Türckhen nicht einmahl 300 Reichsthaler,
euer kay. May. aber, solchen den Türckhen alßo zu ge-
ben, ihro über 500 Reichsthaler gekhostet haben wurdte) allein 30
undt respecte 50 geschriben wordten, welches auff solchen fall
hiermit corrigiret, undt derentwegen auch umb allergnädig-
ste vergebung gebetten haben will, wiewohlen dieselbe von
selbsten solchen fehler observiret haben werdten.


Ausser deme, allergnädigster kayßer undt herr, weiß
ich dermahlen nichts sonderbahres zu berichten, alß daß
hiesiger ländter stätte, marckh, undt dorffschaffen, ja
alle mayerhöffe voller christlichen gefangenen von aller-
handt nationen sich befindten, die alle umb einen mittel-
mäßigen preys außzulösen undt zu erlangen 100.000
Reichsthaler
- 198r -
Reichsthaler lang nicht erkleckhen wurdten, wie ich dann derent-
wegen sorge, daß ohnmöglich seyn werdte, dem hindersten
theill zu helffen. Die Türckhen thuen selbe mehrern
theill versteckhen, wie dann auch von meinen commihsa-
riis an alle orth voran geschickhet wordten, selbe vor
meiner ankhunfft an andere orth zu bringen undt ein-
zusperren, damit kheiner zu mir umb seine erlösung
khommen solle, wiewohlen dessen ohngehindert täglich einige
sich bey mir einfindten, denen ich nach möglichkheit mit
geldt, guetten wortten, undt deren verbergung, so
vill ich ohne ohngelegenheit thuen khan, außhelffe, wie euer
kay. May. darüber absonderlich von deme mit mir ray-
ßenden patre Trinitario durch herrn cardinal Kollo-
nitz mehrers werden berichtet werdten, dahin mich in
underthänigkheit hiermit beziehe, undt zu kay. huldten
undt gnaden allergehorsambst empfehle.


Eure rom. kay. May.
allerunderthanigst gehor-
sambster


Wollf g. z. Ötting m. p.
Ex aliis literis praestat dato de 29. January 1700.
Nachweis und Zitiervorschlag zu diesem Dokument: Siehe hier.