Allerdurchleuchtigst großmäch-
tigst undt unüberwindtlichster rö-
mischer kayßer×, auch zu Hungarn×
undt Böheimb× könig.
Allergnädigster herr herr!
1
Gleich euer kay. May.× ich auß Rachova× den 24.
verwichenes monath undt jahr
allerunderthenigst berichtet,
daß ich in sorgen gestandten, von denen zuo
Lamgradt× hinder-
lassenen schiffen, (ohnerachtet der
türckhischen commihsarien
starckhes versprechen, selbe repariren, undt
nachbringen zu
lassen) kheines mehr zu sehen, undt von dem
kallten wetter
noch weither überfallen zu werdten, daß ich
gahr ein undt
mir meine beste weine, so über 2.000 fl.
außtragen,
erfrihren möchten, alßo ist es auch ergangen,
dann eher,
alß ich selben abendt gahr nacher Nicopolim× gekhommen,
hatt das starckh gewunnene eys mein schiff
alßo mit gro-
ßen schollen in fahren umbgeben, daß, ob
selbes schon
mit einer tschaickhen von 20 ruder bespannet
gewesen, ich doch
mehr als 1 1/2 stundt zu thuen gehabt, mich
auß denselben zu
arbeithen, undt frey zu machen, ohne daß es
gahr in stuckhen
zerstossen wordten, allermassen ich
derentwegen auch
[14v]
erst nach 10 uhr in der nacht dahin gelanget,
dergleichen es auch
anderen ergangen, verschidene aber haben sich
vor eingefalle-
ner nacht hin- undt wider an das landt
salviret, undt seindt auf
den anderen tag mit denen tschaickhen
eingehohlet worden, undt
nachgefolget. Von ersagten Nicopoli× bin ich undt alle meine schiff
in festo sancti
Stephani gleichmässig mit rinnenden starckhen
eyß, undt schnee wetter zu Sistovi× ankhommen, daselbsten
den 27. ligen
gebliben, umb zu sehen, welcher gestallten sich
das wetter anlassen werdte. Da dann alle meine
schiffe
selbe nacht gahr einige, (mithin auch alles,
was ich liquidum
bey mir gehabt) erfrohren, daß man kheines
mehr von der
stelle bringen khönnen, ausser eines, undt
anderes, wel-
ches der windt, undt eysschollen bey
eingefallener nacht
los gerissen, undt gahr forth getragen.
Woraus dann
erfolget, daß ich nicht allein vorgesehener
massen von
Lamgradt× khein schiff mehr gesehen, sondern auch diese
zuruckh
[15r]
zuruckhlassen müssen, weillen sie ohnmöglich
ohne grö-
ßere ohnkhosten, alß sie würckhlich werth, biß
zu wider
auffgang deß wasser verwahrt, undt sodann
nacher
Peterwaradein×, oder gahr nacher Wienn× gebracht werden
khönnen, gestallten der meiste theill alte,
ausgeflickhte
schiff seindt, derentwegen auch das ohnglückh
erfolget,
daß derselben so vill mit wasser ahngerunnen,
undt
versunckhen. Undt weillen die türckhen solche
alß ein
regal praetendiret, undt außgebetten, habe ich
selbe
alle under sie ausgetheillet, ausser euer kay. May.×
gewestes leib schiff, so ich dem fürsten× in der Walla-
chey× verehret, weillen dessen zu mir
nacher Vetis-
lam×, mich zu complimentiren
geschickhten, zu ver-
nehmen geben, daß es demselben auff einen
haben-
den großen see sehr angenehm seyn wurdte,
undt er
es durch seine leuthe dahin schon bringen
lassen khönne.
2
Von ersagten Sistovi× habe mich den 28. pahsato zu
landt begeben, bin den 3. dieses monath darauff
allhehro gelanget, undt setze diesen vormittag
von
hier, meine rays nacher Adrianopel× in dem geleydt
Gottes forth, werdte aber der Türckhen anzeig
nach vor 27 täg nicht wohl nacher Constantinopel×
khommen khönnen, alldieweillen durch den
gefalle-
nen großen schnee, darein dieser täg ein regen
ge-
khommen, undt sehr warmen lufft gewährt, der
weeg
dergestalllt verderbet, daß nicht wohl
möglich ist, den
tag über 1 1/2 oder höchstens 2 meyll zu
machen.
3
Womithin euer kay. May.× allerunderthänigst ohnberichtet
nicht lassen khan, daß die nacht vor meiner
allher-
khunfft zu Ablanova× sich ein großes - in festo
trium regum aber, allhier noch ein
größeres ohn-
glückh
[16r]
glückh zugetragen. Das erste wahre, daß ein
jung
von dem graff Carl Ludwig von Sinzendorff× bey
anbrechenden tag, under einer thür vor dem
stall in
dem hoff todter gefundten wordten,
ohnwissendt, ob
er sich zu todt gefallen, oder nach dem fall
erfrohren. Das
andere ist, daß einer meiner trabanten aus dem
baadischen regiment nahmens Caspar Christ× von
seinem camerathen Hanns Adam Schwartz× der
arm abgehauen wordten, welcher, ehe ihme
jemandt
zu hülff khommen, sich verbluthet, undt
gleich da-
rauff todtes verblichen.
4
Negst dem berichte euer kay. May.× auch aller-
underthänigst gehorsambst, daß der fürst× von der
Wallachey× mich nicht allein obangeregter massen
zu Vetislam× durch einen
seiner officier complimen-
tiren lassen, sondern noch darüber drey
seiner
[16v]
befreundten nahmens Kantakuseni, alß einer formal
legation allhehro exprehse gesendet, undt mich
mit ei-
nem moldauischen klöpper, sambt allerhandt
escu-
lentis, et proculentis beschenckhen lassen.
Sein an-
bringen wahre hauptsechlig in vorstellung
seiner
euer kay.
May.× undt der catholischen religion be-
zeigter beständtiger devotion, undt deren
interehse
befürderung, so wohl zu kriegß- alß fridens
zeith,
sonderlich, was er bey vorgewesten krieg
außgestan-
den, undt euer kay. May.× zu schuldigsten ehren
beygetragen, mit versicherung, undt
contestationen,
wie er annoch bereith seye, euer kay. May.× bey
jeder occasion, so vill in seinem vermögen,
zu
dienen, mit angehengter bitte, euer kay. May.×
wollen herrn general Rabutin× allergnädigst anbe-
fehlen, mit ihme in guetter nachbahrschafft,
wie zu
zeithen
[17r]
zeithen des seel. graffen Veterani×, undt graffen
Heißler× gewesen, zu halten, undt gegen
ihme, oder die
seinige kheine trangsall vornehmen zu lassen,
ex-
presse hatt er zwahr wider ihn nicht geklaget,
ich habe
aber gleichwohl von denen Türckhen vernohmen,
daß
seinen leuthen durch euer kay. May.× ihme graffen×
undergebene miliz großer gewaldt, undt
exprehsuren
geschehen, welche auch sie selbsten übel
nehmen, undt einst-
mahl große weithläufigkheit, oder wohl gahr
ohnruhe
verursachen khunten. Daß demenach nicht
ohndienlich
seyn dörffte, ihme general Rabutin× in genere, et ex
officio anzubefehlen, alle gewaldt undt
trangsall
einzustellen, undt mit ihme fürsten× in guetter ver-
ständtnuß zu stehen. Leztlichen hatt er durch
seinen
secretarium à parte
begehren lassen, euer kay.
May.× seine devotion desto mehrer
bezeigen, undt
[17v]
dienen zu khönnen, bey dem türckhischen hoff
außzubringen,
daß ihme undt dem fürsten× in der Wallachey×
befoh-
len werdte, mit euer kay. May.× undt dero
kriegs- undt andern officieren in allen in
guetter
verständtnus zu leben, undt das commercium mö-
glichst befürderen zu helffen. Worbey ich
verhoffe, daß
euer kay.
May.× khein bedenckhen haben werden,
zumahlen mir angescheinet, daß solches
begehren nur
dahin angesehen, euer kay. May.× undt der cath. reli-
gion interehse, ohne weniger gelosie von den
Türckhen,
bey aller gelegenheit desto besser secundiren
zu khön-
nen, alldieweillen ich aus ersagter
gesandtschafft mir
gezeigter confidenz wahr genohmen, daß
derselbe euer
kay. May.× gahr devot, undt sich in
denen offen-
tlichen bezeigungen vor denen Türckhen
besorge, alßo
nicht thuen dörffe, was er gehen wollte,
entgegen
euer
[18r]
euer kay.
May.× gnade, darumben er auch gebetten,
versichert zu seyn, vor allem verlange.
5
Mit dieser occasion solle euer kay. May.× auch
allerunderthänigst nicht ohnberichtet lassen,
daß allhier
in erfahrung gebracht, daß 800 der durch den
Car-
lowitzer Friden auß euer kay. May.× gebieht ver-
wisener rebellen, darunder höchstens 12
weiber, nacher
Pagoreviza×, ohnweith Keproviz× 3 oder 4
tag von So-
phia× verwisen, undt denenselben
etlich 100 stuckh vieh
zu ihrer underhaltung zugestellet werden,
wovon die Tür-
ckhen nur schlechte opinion haben, undt
glauben, daß sie
nach verzehrten solchen viech, undt andern,
was ihnen
gegeben wordten, ville insolentia im landt
anfangen
undt ihnen so dann befehlch zukhommen werdte,
selbe alle
über ein hauffen zusamben zu säblen, undt
nider zu
machen, umb ihren kayßer solches oneris damit
zu be-
freyen,
[18v]
wie in dergleichen fällen mehr mahls
geschehen. Der Toekeli×
aber, (dessen sohn in der Wallachey× verheyrathet
gewesen, seye verwichenes jahr in früheling,
undt
seine frau vor einigen
monath gestorben)Diese Information ist nicht korrekt und wird von
Oettingen-Wallerstein in Relation Nr. 11 vom 24. Februar 1700
korrigiert.
This information is wrong and corrected by
Oettingen-Wallerstein in letter no. 11, February 24, 1700. solle sich
annoch in Constantinopel× befindten, in hoffnung, nach
meiner dahinkhunfft durch mich annoch von
euer kay.
May.× gnad zu erlangen, welche ich
ihme aber nicht
außbitten werdte.
6
Negst deme, allergnädigster kayßer×, undt herr, con-
tinuiren die Türckhen annoch beständtig in
ihrer be-
dienung meiner persohn, undt versehung
meines
comitat, mit beyschaffung aller notturfft
mit der
vormahls allerunderthänigst berichten
exactezza, haben
auch bey beyden wasser ohnglückh nicht
allein, sondern
auch auff der allhero rays zu landt solche
sorg,
fleyss, undt mühe, auch arbeith angewendet,
undt
sich
[19r]
sich die vornehme so wohl, alß gemeine
dergestallt angegriffen,
strapazziret, undt abgearbeithet, daß es
nicht genug-
samb zu beschreiben, sie haben auch allhier
nach beschehener
abrechnung mit mir, über das jenige, was sie
mir biß-
hehro, (in ermanglung der gelegenheit selber
zu er-
khauffen) underweegs vorgeschossen, undt
avanziret,
weillen sie darauß ersehen, daß ich mich
demjenigen, so
ich anfänglich von ihnen an victualis zu
meiner underhaltung
begehret, wegen allzu villen habenden
leuthe, ohnmöglich
auskhommen khan, mir noch ein- undt anders
weniges
ultro zugeleget, undt den thein de novo
under vorigen
dato, da wir unß miteinander verglichen,
außgeferttiget,
wie euer kay. May.× auß hiermit khommenden von mir
underschribener copia mit mehreren
allergnädigst ersehen
werdten, alles in der hoffnung, euer kay. May.× werden
auch ihrer gesandtschafft mit aller notturfft begegnen, undt
selber
[19v]
nichts (weillen allschon derentwegen klagten
eingeloffen,
die ich aber nicht glauben khan) abgehen
lassen. Darumben
ich auch allerunderthänigst gebetten haben
will, worbey euer
kay.
May.× gleichwohl dieses nicht ohnberichtet lassen
solle, daß, wan sie Türckhen ebenmässig eine
solche an-
zahl chilo gersten für ihre pferdt, wie sie
mir reichen,
begehren sollten, die hoff cammer, undt commihsarii
wissen mögen, daß ein chilo gersten mehr
nicht, alß
45 Wienner lb außtrage, undt daß
diesem nach eine
solche maas, welche so vill lb halte,
gemachet, undt
ihnen für ein chilo vorgemessen werdten
khönne, weillen,
wan ein Wienner metzen an statt eines chilo
begehret
werdten sollte, euer kay. May.× weith zu kurtz khom-
men wurdten.
7
So solle euer kay. May.× hiermit auch ohnangezeiget nicht
lassen, daß, als sich das ohnglückh mit
meinen schiffen
zu
[20r]
zu Lamgradt× ergeben, daselbsten sich ein christen
khindt,
ein jung von ohngefehr 15 iahren, bey meinem
schiff einge-
fundten, undt geklaget, daß seine mutter in
seiner ju-
gendt gefangen wordten, in der
gefangenschafft gestorben,
undt ihn hinderlassen, er bey den Türckhen
geblieben, undt
zu einen Türckhen gemachet werden wolle, er
aber ein
christ zu verbleiben verlange, undt schutz
begehret, den
ich bey mir behalten, undt annoch habe.
Ingleichen haben
sich zu Sistovi× drey undt allhier biß 14 gefangene
weiber angeben, so alle auß euer kay. May.× erb-
landten in diese gegendt geführet worden,
die ich theillß
mit geldt, theillß mit guetten wortten,
theillß mit et-
was authorität los gemachet, undt gestern abendt mit
vorwissen der wallachischen gesandtschafft,
durch die
Wallachey× in Sibenbürgen× geschickhet, und herrn general
Rabutin× ersuchet, jeden dahin, allwo
er zu hauß, zu ver-
helffen
[20v]
helffen, undt zu befürderen, weillen der fürstliche gesandte
mir versprochen, sie, so lang der rigor der
kälte
wehret, zu underhalten. Gleicher gestallten
haben sich
allhier einige Polackhen mit weib undt khindt
angege-
ben, mit anzeig, sie währen von den Türckhen
nach
evacuierung Caminietz× in diensten genohmen wordten,
anietzo aber wollen sie zu Türckhen gemachet
werden,
stundten in sorgen, einßmahlen auff die
galeren ge-
schickhet, weib undt khindt von ihnen
gerissen, undt
zum türckhischen glauben gezwungen zu
werdten, die ich
alle gegen bezahlung 120 reichsthaler, nicht
zwahr per mo-
dum einer ranzion, weillen ihnen kheine
darfür ge-
bühret, sondern allein wegen praetendirter
außgab
von 300 fl. für klayder, undt anderst, los
gemachet,
undt mit vorwissen undt ahsistenz hiesiger
Türckhen
auch dahin geschickhet, davon sambtliche
nahmen hie-
bey
[21r]
bey so hoffentlich alle sicher sollen dahin
khommen. Ich
khan nicht underlassen, euer kay. May.× allerunderthä-
nigst zu hinderbringen, was mühe undt eyffer
der von
Lakowitz× dabey gehabt, undt mues bekhennen, wan
er nicht bey mir gewesen, daß ich mir durch
kheinen
aller mit mir habenden leuthen getrauet
hette, diese
leuthe zu erledigen undt zu salviren, daß er
also in
consideration dessen, undt daß ich
versichert, daß er
dergleichen guette christliche officia mehr,
undt überall
thuen werdte, undt thuen khan, eine
allergnädigste
reflexion, undt gnadt, sonderlich in seiner
allerunder-
thänigsten praetension, meritiret,
allermassen ich
derentwegen absonderlich noch einmahl
allerunderthänigst
bitte, ihn in gnaden befohlen seyn zu
lassen,
mich damit auch zu kay. huldten, undt gnaden
allerunderthanigst gehorsambst empfehle.