- 182r -

Allerdurchläuchtigster, grosmächtigster,
ohnüberwündlichster römischer keyßer.
Allergnädigster keyßer
und herr, herr.


Euer kay. May. von dem verlauff mei-
ner reiße, nachdeme ich von Bellgrad ab-
gefahren, mehrers allerunterthänigst
zu berichten, erlaubet mir, die sich
allhier ergebende gelegenheit, nicht,
(welche mir undt meinem mithaben-
den comitat den 22. dieses unsere
brieffe von Peterwardein über er-
sagtes Bellgrad nacher Widin ge- - 182v -
bracht, und wieder zuruck eylet) als
blos und allein anzurühren, daß
die mir mit gegebene drey com-
misharii, ein capitzi, effendi und
tzschor basha (worvon der erste die
obsicht über alle nothdurfft und ver-
schaffung derselben, auch direction
meiner reiße, der andere das com-
mando über 17 tzscheiken, und so
viel capitains, welche mich beglaiten,
und der dritte mit 100 janitscharen
die bedienung meiner persohn hat)
sich auff alle weise bemühen, mich
nach möglichkeit mit aller nothdurfft
zu versehen, und alle ersinnliche ge-
legenheit zu machen, damit mir das
wenigste nicht abgehe. Gestalten - 183r -
sie es biß anhehro auch in der that erfül-
let, wie ich dann durch ihre vorsorg, vor-
derst aber durch die gnade und bey-
standt Gottes nicht allein aller ohrten,
sambt allen von Wien mitgenomme-
nen hohen und niedrigen persohnen,
außer eines dieners meines hoffmei-
ster, der zu Walkowar wollte, gar er-
trunken. Den 23. darauff nacher Cara-
lam, sondern auch vorhehro durch die
eyßerne Porten, undt selben von män-
niglich so gefahrlich gemachten pash,
(welchen ich doch dergestalten nicht,
aber auch nicht ohne gefahr gefunden,
wenn mann selben in einen ohnge-
witter pashiren sollte) ganz glück-
lich und gesundt und ohne einig
wiedrigen zufall biß nacher - 183v -
bemelten Caralam gekommen, aus-
ser, daß mann einen tag mehr und
weniger als den anderen, nachde-
me die winde und das wetter ge-
wesen, auch die euer kay. May.
allergnädigst bekante umbstän-
de zu gelaßen, avancieren können.
Zu ersagten Caralam aber hat sich
selben abendt umb mitternacht
ganz ohnversehens ein solches grau-
sames ohngewitter mit scharffen
wind und werffung schwer erhoben,
daß es das ansehen gehabt, daß
nicht allein mein leib, sondern
auch alle andere schiffe versinken,
über einen hauffen geworfen werden, und
zu grund gehen sollen. Gestalten
auch eylff schiffe würklich, (da- - 184r -
runter ein praesenten, ein kuchel
und zwey keller schiff zu boden ge-
sunken) (deren zwar fünff wieder
aus dem waßer gezogen, und drey
mit anhehro genommen, die anderen
aber mit denen übrigen alldar blei-
ben müßen. Wie wohlen die Türcken
selbe annoch heraus zuziehen, und
verbeßerten nacher bringen zulas-
sen versprochen, welches ich, die warheit zu melden,
nicht verhoffe) weilen die zeit nicht
gelitten, dieselbe zu erwarten, aus
sorge, daß dieses wetter noch kälter
und ohngestimmer werden, wir also
vor der ankunfft nacher Rusdich völ-
lig einfrühren mögten, welches
annoch in der zulaßung Gottes be-
stehet, weilen mir biß dahin wenigist - 184v -
noch fünff tag, bey deren kürze zu rei-
sen haben. Die gesunkene schiffe,
weilen sie ziemlich nahe bey dem
lande gestanden, seynd gottlob alle,
darunter auch ein praesent schiff, zeit-
lich ausgeladen worden, daß also kein
sonderbahrer schaden geschehen, außer
daß mir einige faß wein, so an den
zapfen gegangen, ausgeschwommen,
und ein anderes kleines faß gar dar-
von geronnen, welches annoch zu ver-
schmerzen, wenn ich nur gesichert
wäre, daß der übrige vorrath
meiner allerköstlichisten nicht gar
verfrühre, daß also mein schadt, der
größte sambt der armen leuthen ihrer,
welchen ich das ihrige sonderlich an
kleidern und bettgewandt, so verlohren - 185r -
gangen und verderbt worden, gut ma-
chen muß. Die aus denen schiffen
geladene sachen, sowohl von praesenten,
als anderen, wie auch die leuthe, deren
schiffe zurück geblieben, habe ich theils
auf die türckische tzscheicken, theils in
andere schiffe, so gut möglichst gewesen,
zertheilen laßen, umb nur einmahlen
forth, und aus der gefahr eingefrohren
zu werden, zu kommen. Ich kan aber
auch diesfalls nicht genugsam
nehmen, was für anstalt, mähr, sorge
und ohngelegenheiten obermelte com-
misharii, und das landvolk, nicht nur
allein dieselbe nacht, sondern auch
gestern den ganzen tag, biß wieder
in die nacht, und auch heut frühe
angewändet, und alles außer
mehreren schaden, und mich - 185v -
heute weiter zu bringen, wie ich dann
umb 10 uhr mittag von dem land
alßo zerstreiter abgefahren und
diesen abendt umb 8 uhr alhier an-
gelanget. Gott wolle uns wei-
ter gnädigst erhalten und beystehen,
euer kay. May. und dero durch-
läuchtigstes hohes nunmehr mit
einer erzherzogin vermehrtes erz-
haus, darzu ich in unterthänigkeit
aus getreuster devotion gra-
tulirn, und nechstens einen erz-
herzogen anwünsche, in bestän-
diges hohen wohlergehen, eure
kay. May. aber mich in
dero kay. hulden und gna-
den allergnädigst erhalten - 186r -
mit nochmahlen wiederholter aller-
unterthänigster bitte, mich mit
denen allergehorsahmist gebetenen
uhren nicht zu verlaßen, weilen ich
außer denenselben mit ehren nicht
werde bestehen können, maßen auch ich
dem, gleich der seel. graff Leshel auch
gethan mit gnädigster erlaubniß
melden muß, daß vorträglicher ge-
wesen wäre, einige grose und schweh-
re silberne praesenten, oder alte stock
uhren, die in Glückshaffen gestan-
den, oder denen Türcken abgenom-
men worden, in dergleichen gebetene
saubere uhren zu veränderen, und
daß damit gar leicht einige
tausendt gulden enspahret, und - 186v -
euer kay. May. zu nutzen ge-
machet werden können.


Eure romisch kay. May.
allerundterthanigst gehor-
sambster


Wolff g. z. Öttingen m. p.
Nachweis und Zitiervorschlag zu diesem Dokument: Siehe hier.