Leopoldt etc.
Daß seindt deine zwey gehorsamste bericht schreiben
daß erstere von vierten mit eigener staffeten,
und das anderte vom zwölfften diß fortlaufenden
monaths Decembris durch den hiermit zuruckh
kombenden courir Admiraldi wohl eingeliffert
worden. Und ist unß zu forderist auß besagtem
leztern sehr lieb zu vernemben geweßen, daß so-
wohl die außwexlung der bottschaffter mit mög-
lichster solenität wie es des orths beschaffen-
heith gelitten. Und die gebührende gleichheith
mit sich gebracht zu beeder theillen satisfaction
dermahl eins bewerckhstelliget, alß auch du
folgends darauf zu Belgrad mit ungemein
grossen ehren bezeugungen bewillkombet,
begleytet, in der audienz beym seraskier
sehr höflich tractiert, und widerumben
entlassen worden bist. Worüber wür
deinen außführlichen und umbständlichne bericht,
weillen es dermahlen wegen der eilfertig
angestelten abraiß deinem vorgeben nach, die
zeit nit zugelassen, mit negster gnädigst ge-
wertig sein wollen.
So hetten wier auch zwar gnädigst gerne gesehen
gehabt,
wan du bey ersagter außwexlung das ceri-
moniale wie es bey dem haubteinzug beederseits
auch der hand halber und in andern mehrers
zuhalten seye, mit dem türckischen bottschaffter,
anbefohlener massen, hettest vergleichen, und auf
eine gewisse verläßliche weiß concertiren
könne. Zumahlen aber auch solches wegen enge
der zeit und anderer umbständen, wie du
meldest, nit thunlich geweßen. So müssen wier
wohl es bey dem jenigen, waß er türckischer
bottschaffter auf deine, durch den secreatri
Lakowiz gethaner vorstellung in andwortt
ertheilt, und von dier schrifftlich beyge-
legt worden, auch waß etwa unßer
obrister veldt zeugmeister graff Guido
von Stahremberg, mit ihme weithers
deßhalben abgeredet haben mag,
in dessen beruehen, und nun den
erfolg in einen und anderen ab-
wartten lassen.
Die außtauschung beederseits gefangenen,
wehre gleichfahls zu wintschen geweßen, das
du selbte, der mithabenden instruction nach
alßo gleich in loco hettest außmachen mögen. Und
ist man dahier eben deiner meinung, daß
in die von dem Achmet effendi anerbot-
tene erledigung der neunzehen cavallier
und anderer officir, nebst noch sechzig
in der bellgrader Tembniz vorhandenen
christlichen gefangenen, gegen eine dargegen
begehrte weith grössere von dier ange-
merckhte anzahl schlechter und geringerer
gefangenen Türckhen, eingewilliget werden
könne. Welchemnach wier auch unserem
obrist veldtwachtmeister baron de Nehem
solch heilsambes werckh ohne ferneren anstandt
mit obberührten Achmet effendi bestmög-
lichster massen abzuhandlen, uns mithin
disen elenden leuthen die erwintschte
freyheit zu weege zu bringen, gnädigst anbe-
fehlen lassen.
Sonsten würdest du mit gegen werttigen curir
vermög hiebey kommender lista von
unserer hoff cammer zu empfangen haben,
die jenige stockh-, repetier-, wöckh-, und
andrer uhren, auch perspectiven, umb
die du in dem post scripto deines vorlezteren
schreibens gehorsamst gebetten, und zu beschenckhung
noch anderer mehrerer türckischer officirern, alß
man anfangs nit vorgesehen, hin und wider
vonnöthen zu haben, befunden hast. Ingleichen
kommen an statt der zuruckh geschickten, und un-
tauglich vermeinthen hin wüderumben so vill andere
neue, und bessere uhrwerckh, auch wierdt
dem seraskier von Bellgraddie verlangte
wöckh uhr mit eben dißem courir, deinem
versprechen nach, überliffert, wormit du
dannenhero nach deinem gutt befinden
die erforderliche regalierung bestreitten
können würdest.
Nebst disem kanst du auch versichert sein, das
wüer alle diligenz vorkehren lassen, deme
türckischen bottschaffter, so vill es immer sein mag,
mit einem genugsamben, und stattlichen unter-
halt zuversehen. Und ob schon gleich an-
fangs einiges anstoss sich ereügnet, so ist doch
selbiges, wie unsere commihsarii darüber be-
richtet, allein auß des bottschaffters schuldt ent-
standten, als welcher, aigener gefallen nach, seine
raiß, und rast täge anstellen wollen, in einem
noch zimlich unbewohntem, und mit denen
lebens mitteln nit allerdings versehenen landt,
wo sich die einmahl gemachte disposition nit so
gleich verändern lassen. So aber gleich darauf reme-
dirt, und damit ferners kein mangel, oder klage
vorkommen möge, aller orthen sorgsambe gutte
anstalten angeordnet worden.
Daß sodann, der victualien halber, du dich mit
dem jenigen, waß hiebevor dem graffen Leslie
gereicht worden, ausser eines kleinen zuesatz be-
fridiget, und hingegen solche nach der, von dem
mylord Paget eingeschikten lista, anzunehmen,
darumben recusiret hast, weilen, wann nach
gedachten aufsatz der türkhische pottschaffter auf
gleiche weiß unterhalten werden solte, es unse-
rer seits den täglichen khosten umb ein paar
hundert thaler mehrers, als es die Türkhen an-
kämbete, übersteigen wurde. Solches ge-
reichet unß, wie billich, zu gnädigsten wohl-
gefallen, alß im effect deines, zu unseren
dienst bekandten treuen eyffers, und zu
gutter wirthschafft geneigten gemüeths.
Undt würdet man, dafern türkischer seiths
etwas excehsives, oder ungebührliches
praetendirt werden möchte, sich dargegen mit
sothaner deiner geringeren befridigung zu
behelffen wissen.
Zu allen obigen ist unß eine angenehme zeit-
tung, daß du meldest in Bellgrad weither
nichts von einiger contagion verspührt zu
haben. Wollen auch zu Gott hoffen, es werde
bey anhaltender kälte, alle bißherige gefahr
völlig verschwinden.
Wür können
dier aber jedoch anbey gnädigst nit bergen,
wie daß denen eingekombenen relationen nach
den neundten hujus zwey, und den eylfften
darauf einer, zusamben drey persohnen
von des pottschaffter gefolge, ohnwissendt
an waß für einen zustandt, gestorben
sein. Wordurch man bewogen worden, de-
nen commihsarien umb so viel genauers
obsicht dißfals anzubefehlen, auch mit zu
geben, wann mehrers dergleichen vorgienge,
die krankhen sowohl, alß die todten, durch er-
fahrene aigens hierzue bestelte kyrurgos
besichtigen, und sonst, dem befundt nach,
auch weithere praecautiones, und mit kürzern
tagreyßen oder mehrers rasttägen, eine
desto längere unter weegs zu machen habende
quarantenam veranstalten zu
lassen.
Ubrigens hastu auß beykommenden schreiben
zu ersehen, was auf unsers generalens der
cavalleria conte Rabutin gethane ernstliche
anmahnung der Joannes Sarohsy, welcher
hiebevor die summam quaestionis selbst auf
genommen, und empfangen, wegen des Mauro
Cordato an Sibenbürgen habender schuldt for-
derung, sowohl für sich geandtwortet, alß
zugleich darinnen angeführt hat. Wie weith
alldasige stände auf jüngsten landt tage
sich, der bezahlung halber, erklärt haben,
welches du ihme Mauro Cordato in dessen
mit bester manier, und auf solche weiß
beyzubringen wissen würdest, daß er
kein anlass zu einigen disgusto darob nit
nehmen könne, sondern erkhennen möge, wie
man auf seine persohn, und instanz all
gemässene reflexion dahier machen thue. An-
nebens auch, wann du vermörkhest, daß er
bey sothaner sibenbürgischen declaration
nit zu acquiesciren gemeinet währe, ihme
ferners versichern kanst, daß wür noch weit-
ters ihme zue gebühr, und billigkeit in allweeg
zu verhelffen stäts gnädigst genaigt sein
werden.
Letzlichen kombt hiebey auch eine abschrifft des
jenigen, waß wür an den czarn von Moscau,
der bey unß gesuchten mediation halber,
in antwort ablassen, so dier in conformitet
der darhin deßhalben habender instruction
zu beobachtung des weitheren zur nachricht
dienen kan. Worüber wür für dißmahl
kein mehrers beyzurukhen finden, und dan-
nenhero dir zum beschluß mit kay. gnaden
wohlgewogen verbleiben. Geben in unserer
stadt Wienn, den 28. Decembris 1699.
An
graffen von Ötting.
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