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Allerdurchleüchtigister p.


Bey dem durch mitl des Grassi zu Sophia e. Mt.
allerunderthenigist überschickhten aignen currier hab
ich deroselben allergnedigistes antwort schreiben vom
7. Martii jüngsthin mit gebüerender reverenz em
pfangen und darauß mit freüden verstanden, das e. Mt.
allergnädigst gesinet, mit dem allereheisten des verlaufs der
bethlemischen tractation durch aigne persohn umbstän
diglich zu erinern. Weilen ainmal die höchste notturfft
erfordert, wol ich anderst nutzlich und fundamentaliter
alhie negotiern, das wir e. Mt. intention, so vil daß
werkh anlangt, aigentlich bekhandt seye, und weilen die
prorogation des anstandts nunmehr vor einer zimblichen
zeit, das ist auf den 25. Martii, zu endt gelofen, alß khan
ich nit anderst erachten, alß das benandte persohn nunmehr
nit weit von hinen sein werde.

Diser und vieler anderen
ursachen halber hab ich die abschidt audiens bey dem
türckischen khayser, welcher mir vor empfahung e. Mt.
schreiben albereit auf ainen gewißen tag bestimbt gewest,
nit wollen laßen zurugg gehen, sondern dieselbe vergan
genen erchtage empfangen, in betrachtung, das man alhie
dergleichen audienzen offt lange weil sollicitiern
und mit großen geschanckhungen herauß bringen mueß,
auch das verbleiben oder weckhraisen in aigner macht
nit stehe, sonder man die coniuncturn mues in acht nemben.
Zue deme ist zu besorgen gewest, das durch abraisen des
obristen vesierns mein expedition in solche handt gerahten
möchte, welche dieselbe villeicht mehr verhindert, alß - 3 -
befürdert haben wurden, auch so seindt des Bethlem gesandten
dise tage alhie ankhumben, durch den gewenlichen unwar
heiten leichtlich ein veränderung inß khünfftig hete khünen
verursacht werden.

Uber diß alles hab ich betrachtet,
das ehunder, alß ich die nothwendigen fuehren zusamben bringen
und mich aller ordten gebüerender massen würde licenz
iern khünnen, leichtlich noch drey oder vier wochen vor
meinem verraisen verziehen werden, under dessen
die vorgemelte persohn unzweiffentlich ankhomben
würdet. Und letzlich hab ich befunden, das da gleich wider
alles verhoffen dise persohn in solcher zeit nit an
khömbe, e. Mt. dienst in meinem abwesen eben sowol,
ja fast füegsamber durch e. Mt. residenten alhie
würdt khünnen versehen und die notturfft gehandlt wer
den, weillen er hierzue sufficient und ohne solchen
pompa alß mit ainem ambassadorn gebreüchig mit
den ministris zu handlen gelegenhait hat, von ihme
auch kheine dergleichen geschankhungen und praesent
alß von den gesandten verhofft noch praetendiert werden,
derowegen dan, insonderhait weillen die mutationes
der ministern alhie fast stündtlich zu besorgen
undt in anwesenhait eines gesandtens nit ohne
grosse spesa und uncosten desselben abgehen khündten,
ich mich entschlossen, wie oben gemelt, die abschiedt
audienz nit zu verschieben undt mein ehiste expedition - 4 -
zu sollicitiern.

Dise audienz ist, Gott lob, e. Mt.
zu ehren und sehr woll mit extra ordinari ehrer
zaigungen abgangen, und ist mir im offentlichen divan
von dem grossen vezier vermeldt worden, das der
türckhisch khayser gentzlich entschlossen, aufrechten friden
und guete freündt- und nachparschafft mit e. kay.
Mt. zu erhalten, sey auch dem vezier von Offen deß
wegen austruckhentlicher bevelch erthailt worden.
Und sollen e. Mt. kheinen ungleichen gedanckhen schöpffen,
das sie ire gränitzen etwaß mehrers alß sonsten ge
bräuchig besetzen und versehen, sey die ursach, das sy
von e. Mt. extra ordinari kriegs praeparationen,
bericht empfangen,
welche da sie, wie
sie gentzlich verhoffen
und meiner assecu
ration hierinnen
trauen,
ihnen zu khainem nachtl angesehen,
e. Mt. von ihnen gleichsfalß gesichert sein mögen.
Und hat mich benebens gedachter groß vezier er
suecht, zu meiner hinaußkhonfft guete officia zu praestiern,
damit e. Mt. der Türckhen fridliebenden intention corres
pondiern und den friden zuwider nichts fürnemben
wöllen.

Disen verlauff hab ich e. kay. Mt.
hiemit kürzlich in underthenigkheit berichten wöllen,
die werden die notturfft hierüber reifflich consideriern.
Meiner ainfaldt nach befindt ich, das die Türggen zwar
biß dato und fier sich selbsten gueter intention sein
den frieden zu halten, sonderlich weil ihre sachen ander
werts noch nit nach den besten stehen, und daß demnach
im fahl die bethlenische tractation zu einen friedenschluß - 5 -
geriete, e. May. der Türggen halber für dißmahl
wol versichert sein khundten. Hergegen besorge ich, da e. Mt.
sich entschließen, den Bethlem mit khriegsmacht zu ver
folgen, sie ihne wegen seiner großen inportunitet und arti
fitien gentzlich ohne hilf nit laßen werden, derowegen
dan, wie offter mahlen vermelt, ein hoche notturfft ware, das
ich e. May. eigentliche intention hierenen umbstendig wißen
und also dieselbe bey den Türggen iustificirn, und das ienige,
so darwider practicirt werden mechte, abwenden khündte,
wie ich dan solches zur ankhonnft der offtbemelten persohnen
mit allem müglichisten eüffer fürkheren. Da sich aber solche
ankhonfft bis zu meinen verraißen verziechen, sollte durch
den Lustrier mit allem vleiß soll verricht werden.


Im überigen, allergenedigister khayßer und herr, khan ich
e. May. allerunderthenigist nit bergen, daß ungeacht
dieselben noch zu anfang des monatii berichtet worden,
das ich die mier allergenedigiste verordnete 30.000
taller alberait empfangen haben solte, ich doch die selben
noch bis auf den heutigen tag, außer von zechen in ailff
taußent duggaten, welches nit vil uber den halben thail ist,
nit habhafft worden. Und erraicht der gantze wechßel, so
von Venedig hieher verordnet worden, nit mehr alß auff
16.065 duggaten, welches bey
6.000 taller weniger macht, alß
die 30.000, so mier von e. Mt. allergnädigst
verordnet worden und einmahl gar zu großer ver
lust ist, geschweige und daß die khauffleüth, so mier
den uberresst bezallen sollen, mich mit aller ausflichten
und lenger erlengerung deß termins und darraichung
der yezt alhier in schwung gehundten, sehr beßen khupfern - 6 -
münz, welche übernacht nodt und unannemblich wierdet
ganz vortheilig aufhalten. Darauß dan e. Mt. allergnädigst
abzunemben, das ich bis dato mit dißer deroselben an
sehenlichen verordnug kheinen anderen nuzen schaffen khünen,
alß das ich die bewuste schuldt bey den Ali aga per
13.000 taller abgelegt, welches dan durch
mich volkhomblich beschechen, meine verschreibung wider
zuruckh gebracht und der Ali aga e. May. gantz
und gar gezwungen worden, also daß dieselben nit
allein dißer schuldt halber khein ungelegenheitt haben derffen,
sonderen auch dero ministri alhie iederzeit an ihme, aga,
ein sonderbare hilf und beistandt in e. May. negotiis
finden werden, welches er dan wegen des friedens,
darinen er sich der zeit alhie befindet, sonderlich weilen
er des wißiers von Offen agent ist (danen hero dan
alle unsere sachen fir dismahl dependirn), wol unnd
nutzlich dienen khan. Gott verhiete allen, die alhie
gewöhnliche, aber offt sehr schödliche mutation, darduch
das ienige, so mit langer zeit und großen uncosten gewunen,
offt in wenig stunden wider verlohren wierdt, dißes aber
ist mit kheinen menschlichen ingenio zu praecavirn,
sonderen Gott und den glickh zu bevelchen.


Waß die bethlemischen gesandten alhie eigentlich für
bringen und wie ich die gemietter gegen ihnen disponirt
zu sein befinden wierdt, sowol auch die aigentliche zeit
meines verraißens, will ich e. May. durch aignen poten
allerunderthenigist berichten.

Entzwischen etc.
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