Allerdurchleuchtigister p.
1
Allergnedigister herr×, die trungende euserste nott, darin
ich mich wegen noch stätter außbleibung des höchstnottwendigen,
verordtneten wexelbrieff befunde, zwingt mich e. Mt.× nicht
allein mit underschiedlich allergehorsambisten schreiben wie biß
dato beschehen, sondern auch mit gegenwertig eignen
currier
zu behelligen, dan geschweigendt, das ich
mich alberaith weit uber
die acht monath, auf
welche ich mein underhaltung empfangen,
auf diser
reiß befunde und hiesiger ortten ungewöhnlicher
teurung taglich dermassen zuenimbt, das man nur zum exempl
das pfund fleisch, so man zu meiner hieher khunfft umb zwölf aßberl
bezalt, anjezo umb 30 erkhauffen mueß, welcher
proportion
nach alle andere sachen gestiegen, so
tragen sich täglich, ja stündt⸗
lich durch unverhoffte veränderung der officier solche
nothwendige gelegenheiten, praesent und
schenckhungen außzu⸗
theillen, zudem ich einmal nicht weiß, wo ich ein oder auß
solt.
2Wie dan gantz unverhofft gestriges tags der obrist
vezier,
Ali bassa,× auß bevelch des türggischen khaysers× stranguliert
und an sein statt ein anderer obrist vezier× gemacht worden.
Und weilen derselbe in kürze mit der soldatescha fortziehen
soll, alß ist beinebens ein caimekam× oder statthalter, welcher
in seinem abwesen alhie residiern solle, verordtnet worden.
Disen zweien müessen alle hie anwesende
bottschaffter den
alten brauch nach mit
ansehentlichen praesenten gratuliern,
dan welcher
solches underliesse, allerley schimpff und vervolgungen [2]
zu gewartten hette. Waß ich nun hierzu für mittel
habe,
das weiß Gott der allmechtig. Der verzeihe es
dem ienigen,
so daran ursach seindt, das mir der
wexelbrieff nicht zue
rechter zeit zukhomben, dan
ich durch mittel desselben un⸗
zweiffentlich mein expedition von hinnen× ehunder, alß die
Türckhen wegen ihr Mt.× kriegs
praeparatorien in
suspicion gerathen werden, wolte
bekhomben haben,
dardurch dan nit allein dise,
sondern vilmehr andere
ungelegenhaiten, deren ich
stündtlich alhie bey so unver⸗
sehner mutation der ministern zu gewartten, weren
verhindert worden.
3
Weilen dan, allergnädigster khayser und herr×, die sachen ober⸗
zelter massen und also beschaffen, das ich ohne
ellenden
wolergäbigen gelt succurs dise meine
legation
zu e.
Mt.× ehren, nutz und reputation nit allein nit
wol füehren, sondern in vermanglung desselben mir
nichts gewisser alß allerhandt spott und
ungelegenheit
imaginiern khan, welches dan e. Mt.× und gemeinen
wesen zu verschimpffung und nachtheil gerathen wurde,
alß hab ich khein besser mittel gewüst alß
deroselben
durch diesen aignen currier die grosse
noth in un⸗
derthenigkheit
for augen zu stellen, allergehorsambist
bittendt,
weilen die erfharung mit grossen schaden zu er⸗
khennen geben, das sich auf die kauffleüth und iere
wexel
brieff nichts zu verlassen, sy geruhen disen
gegewerttigen [3]
currier noch ain andere vertraute, wolerfharne
persohn aller⸗
gnedigist
zuzugeben und ihnen beeden in höchster gehaimb, damit
sie nit verkundtschafft werden, ain summa gelts in golt,
sovil sie werden fortbringen kündten, anhendigen zu
lassen,
damit ich durch diß mittel wenigist aines
guetten thailß des
mier wolverordneten succurs für
dißmal möge fähig werden.
Hoff allerunderthenigist,
e. Mt.× werden deroselben, in ansehung
der grossen noth und vermanglung aineß bessern,
dises mittel
allergnädigst gefallen lassen, und
weilen sonsten die gelt expeditiones
zu zeitten
etwaß langsamb hergehen, auf einen solchen weeg ob
summum more periculum gedacht sein, damit diser currier
im wenigisten nit aufgehalten werde, sondern die gebettene
expedition ohne allen verzug und anstandt beschehe.
Geraicht alles einig und allein zu e. Mt.× dienst befüerderung
und zu verhüettung villerley calumnien, so die
feindt zum
fall mir auß gelt mangl ein gelegenheit
alhie zuestehen tette,
zu spargiern nit
underlassen wurden.
4Weilen auch, allergnädigster khayser und herr×,
ich noch auf dato
zwar under dem schein deß boesen
wetters und derentwegen
vermanglung der
nothwendigen fuehren alhie aufgehalten
wurde, mir
aber unbewust, ob nicht etwo waß anders dar⸗
hinder steckhe, alß bith ich allergehorsamst, e. Mt.× wollen
mir auch bei disem currier ein eigentliche information,
waß entzwischen daraußen vorgeloffen und was e. Mt.×
entlich so wol gegen den Türggen alß den Bethlen× hinfuro
gesinnent,
allergnädigst zukhomben lassen.
5In gleichem bith ich, sie geruhen sowol an den türggischen
khayser× alß an den obristen vezier×, oder in seinem ab⸗
wesen dem caimecam× zu schreiben und ernstlich zu begern,
das ich alhie, weilen alle hungarische sachen mit
plenipotens
an den vezier zu Offen× gewisen, wider meinen willen lenger
nit auffgehalten, sondern gebüerlich widerumb
abgefertigt
werde. Dise schreiben wollen mir e. Mt.× sambt den copeyen,
damit ich mich derselben auf den nothfal bedienen
möge,
allergnädigst zuschickhen.
6Im übrigen werden e. Mt.× die hiesige
beschaffenhait auß
underschiedlich meinen
schreiben albereith allergnädigst ver⸗
nomben haben, seithero khombt anderst nichts für, alß das
deß Bethlens×
gesandter underwegens sein solle. Er× aber
hat interim praeoccubando wiederumb aufs neu von
der
Portten hülff begert und e. Mt.× kriegs preparationes,
alß welche sowol wider die Türggen alß wider ihne
angesehen sein solle, sehr groß und verdächtig zu
machen
sich beflissen. Ich hab aber gewisse
intention bekhomben,
das er an den vezier von Offen× in allem gewisen, gedachten
vezier×
aber den friden mit e. Mt.× zu halten
anbevolhen
sein solle. Welcheß meines erachtens
nit un⸗
glaublich, weillen
sich die Türggen ie für diß⸗
mal nicht in statu befinden, ainen so mechtigen krieg
auf sich zu laden, in deme des
Abassa× rebellion
noch nit gestilt, die
einnembung Babilonia ×durch
den Persianer continuiere, die Cosackhen an dem [5]
Schwarzen
Meer× sich sehen lassen und die soldatescha
immer dar sehr schwirig ist.
7So vil hab ich e. Mt.×
für dißmal allerunderthenigist berichten, und neben
starckher hoffnung, die begerte gnadt bei disem
currier
zu empfangen, mich deroselben zu
beharlichen gnaden
allerunderthenigist befelhen
sollen.
tinopl× , den 3. Aprilis 1623.
8
P.S. Allergnädigster khayser und herr. Alß ich
diß mein
allergehorsamstes schreiben allerdings
geschlossen, seindt mir
brieff von Venedig× zukhomben, darinnen ich von zweyen
kauffleütten nambens Odescalco und Cernezi avisiert
wurde, wass massen sie auf verordtnung e. Mt.× hoff camer
raths deß Bonacina× mir einen
wexel, aber nur per
10.000 duggaten, auß
vermanglung mehrern recapiti herein
richtig
gemacht haben, mit vertröstung, balt einen andern
5.000 duggaten hinach zu schickhen. Obwoln nun solche
remessa die mir von e. Mt.× allergnädigst verordtnete 30.000
reichßtaller nicht erraichen, bin ich doch
herzlich fro
gewesen, weiln ich vermaint,
dennochter vil guets
darmit zu schaffen, mein
abferttigung von hinnen×
dardurch zu erlangen und nicht genöttigt sein,
mit
disem currier zu behelligen. Alß ich mich
aber
umb solchen wexel bei den kauffleütten
alhie anmelden
lassen, hab ich mit grosser
verwunderung und schmerz
befunden, das sich
kheiner darumb annemben oder mir die
gebüerende
satisfaction zu geben bewilligen wollen, [6]
thailß weillen alhie ain solcher geltmangl bei
mainig⸗
lich, das
deßgleichen nicht gedacht würdt, und sie daß
wenige gelt, so sie aus den wahren gelöst, unlengst
bevor nach Venedig× geschickht,
thailß auch weill ihrem
vermelden nach der
privatim an sie ergangne wexel
brieff also
beschaffen, das er sie wider ihr gelegenhait
ihnen nichts verobligiert, welches, weil mich gedünckht
wider alle kauffmanß trauen und glauben zu sein,
so hab ich mich beflissen, solches schreiben in
die handt zu be⸗
khomben
und es also und nicht anderst befunden.
Schickhe e. Mt.× dessen ain copia in
underthenigkheit,
damit es dem Bonacina× möge fürgewisen und daraus
ersehen werden, das die venedischen kauffleüth
Odescalci
und Cernezi ieder
grossen straff ja fur falliert
erclärt zu
werden woll würdig weren, weillen ich
dan, allergnädigster khayser und herr×, durch
diese der kauffleüth
unrichtigkheit in den
vorigen, ja grossern misseligkheiten
verharre,
dan ich hierdurch weniger hoffnung, so
ich
gehabt hab, durch disen wexel etwaß subleviert
zu werden, genzlich beraubt bin, alß bin ich desto
mehr getrungen worden, gegenwerttigen currier
zuvor in sinn gehabter massen inn aller eyl vort⸗
zuschickhen und bith
e. Mt.× umb so vil desto
instendiger allerunderthenigist, sie geruhen
mein desselben allerunderthenigst ersprießliche
expe⸗
dition
obbeschriebener massen befolhen sein zu lassen, [7]
dan solcheß erfordert einmal die allerhöchste
notturfft.