<rdf:RDF xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:rdfs="http://www.w3.org/2000/01/rdf-schema#" xmlns:owl="http://www.w3.org/2002/07/owl#" xmlns:skos="https://gams.uni-graz.at/skos/scheme/o:oth/#" xmlns:t="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:dcterms="http://purl.org/dc/terms/" xmlns:gams="https://gams.uni-graz.at/o:gams-ontology#" xmlns:qhod="https://gams.uni-graz.at/o:qhod.ontology#"><qhod:Source rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409"><gams:isMemberOfCollection rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/context:kuse" /><qhod:subProject xml:lang="de">Die Gesandtschaft des Johann Jakob Kurtz von Senftenau 1623/24</qhod:subProject><qhod:title xml:lang="de">Johann Jakob Kurtz von Senftenau an Ferdinand II., Konstantinopel, 9. April 1624, dechiffrierte Abschrift</qhod:title><qhod:title xml:lang="en">Johann Jakob Kurtz von Senftenau to Ferdinand II, Constantinople, April 9, 1624, plaintext</qhod:title><qhod:title xml:lang="tr" /><qhod:creator>Johann Jakob Kurtz von Senftenau</qhod:creator><qhod:language>de</qhod:language><qhod:date>1624-04-09</qhod:date><qhod:type xml:lang="de">Brief</qhod:type><qhod:type xml:lang="en">letter</qhod:type></qhod:Source><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409#p.1"><gams:text>Allergnedigister herr, die trungende euserste nott, darin ich mich wegen noch stätter außbleibung des höchstnottwendigen, verordtneten wexelbrieff befunde, zwingt mich e. Mt. nicht allein mit underschiedlich allergehorsambisten schreiben wie biß dato beschehen, sondern auch mit gegenwertig eignen currier zu behelligen, dan geschweigendt, das ich mich alberaith weit uber die acht monath, auf welche ich mein underhaltung empfangen, auf diser reiß befunde und hiesiger ortten ungewöhnlicher teurung taglich dermassen zuenimbt, das man nur zum exempl das pfund fleisch, so man zu meiner hieher khunfft umb zwölf aßberl bezalt, anjezo umb 30 erkhauffen mueß, welcher proportion nach alle andere sachen gestiegen, so tragen sich täglich, ja stündtlich durch unverhoffte veränderung der officier solche nothwendige gelegenheiten, praesent und schenckhungen außzutheillen, zudem ich einmal nicht weiß, wo ich ein oder auß solt.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409#p.2"><gams:text>Wie dan gantz unverhofft gestriges tags der obrist vezier, Ali bassa, auß bevelch des türggischen khaysers stranguliert und an sein statt ein anderer obrist vezier gemacht worden. Und weilen derselbe in kürze mit der soldatescha fortziehen soll, alß ist beinebens ein caimekam oder statthalter, welcher in seinem abwesen alhie residiern solle, verordtnet worden. Disen zweien müessen alle hie anwesende bottschaffter den alten brauch nach mit ansehentlichen praesenten gratuliern, dan welcher solches underliesse, allerley schimpff und vervolgungen zu gewartten hette. Waß ich nun hierzu für mittel habe, das weiß Gott der allmechtig. Der verzeihe es dem ienigen, so daran ursach seindt, das mir der wexelbrieff nicht zue rechter zeit zukhomben, dan ich durch mittel desselben unzweiffentlich mein expedition von hinnen ehunder, alß die Türckhen wegen ihr Mt. kriegs praeparatorien in suspicion gerathen werden, wolte bekhomben haben, dardurch dan nit allein dise, sondern vilmehr andere ungelegenhaiten, deren ich stündtlich alhie bey so unversehner mutation der ministern zu gewartten, weren verhindert worden.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409#p.3"><gams:text>Weilen dan, allergnädigster khayser und herr, die sachen oberzelter massen und also beschaffen, das ich ohne ellenden wolergäbigen gelt succurs dise meine legation zu e. Mt. ehren, nutz und reputation nit allein nit wol füehren, sondern in vermanglung desselben mir nichts gewisser alß allerhandt spott und ungelegenheit imaginiern khan, welches dan e. Mt. und gemeinen wesen zu verschimpffung und nachtheil gerathen wurde, alß hab ich khein besser mittel gewüst alß deroselben durch diesen aignen currier die grosse noth in underthenigkheit for augen zu stellen, allergehorsambist bittendt, weilen die erfharung mit grossen schaden zu erkhennen geben, das sich auf die kauffleüth und iere wexel brieff nichts zu verlassen, sy geruhen disen gegewerttigen currier noch ain andere vertraute, wolerfharne persohn allergnedigist zuzugeben und ihnen beeden in höchster gehaimb, damit sie nit verkundtschafft werden, ain summa gelts in golt, sovil sie werden fortbringen kündten, anhendigen zu lassen, damit ich durch diß mittel wenigist aines guetten thailß des mier wolverordneten succurs für dißmal möge fähig werden. Hoff allerunderthenigist, e. Mt. werden deroselben, in ansehung der grossen noth und vermanglung aineß bessern, dises mittel allergnädigst gefallen lassen, und weilen sonsten die gelt expeditiones zu zeitten etwaß langsamb hergehen, auf einen solchen weeg ob summum more periculum gedacht sein, damit diser currier im wenigisten nit aufgehalten werde, sondern die gebettene expedition ohne allen verzug und anstandt beschehe. Geraicht alles einig und allein zu e. Mt. dienst befüerderung und zu verhüettung villerley calumnien, so die feindt zum fall mir auß gelt mangl ein gelegenheit alhie zuestehen tette, zu spargiern nit underlassen wurden.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409#p.4"><gams:text>Weilen auch, allergnädigster khayser und herr, ich noch auf dato zwar under dem schein deß boesen wetters und derentwegen vermanglung der nothwendigen fuehren alhie aufgehalten wurde, mir aber unbewust, ob nicht etwo waß anders darhinder steckhe, alß bith ich allergehorsamst, e. Mt. wollen mir auch bei disem currier ein eigentliche information, waß entzwischen daraußen vorgeloffen und was e. Mt. entlich so wol gegen den Türggen alß den Bethlen hinfuro gesinnent, allergnädigst zukhomben lassen.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409#p.5"><gams:text>In gleichem bith ich, sie geruhen sowol an den türggischen khayser alß an den obristen vezier, oder in seinem abwesen dem caimecam zu schreiben und ernstlich zu begern, das ich alhie, weilen alle hungarische sachen mit plenipotens an den vezier zu Offen gewisen, wider meinen willen lenger nit auffgehalten, sondern gebüerlich widerumb abgefertigt werde. Dise schreiben wollen mir e. Mt. sambt den copeyen, damit ich mich derselben auf den nothfal bedienen möge, allergnädigst zuschickhen.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409#p.6"><gams:text>Im übrigen werden e. Mt. die hiesige beschaffenhait auß underschiedlich meinen schreiben albereith allergnädigst vernomben haben, seithero khombt anderst nichts für, alß das deß Bethlens gesandter underwegens sein solle. Er aber hat interim praeoccubando wiederumb aufs neu von der Portten hülff begert und e. Mt. kriegs preparationes, alß welche sowol wider die Türggen alß wider ihne angesehen sein solle, sehr groß und verdächtig zu machen sich beflissen. Ich hab aber gewisse intention bekhomben, das er an den vezier von Offen in allem gewisen, gedachten vezier aber den friden mit e. Mt. zu halten anbevolhen sein solle. Welcheß meines erachtens nit unglaublich, weillen sich die Türggen ie für dißmal nicht in statu befinden, ainen so mechtigen krieg auf sich zu laden, in deme des Abassa rebellion noch nit gestilt, die einnembung Babilonia durch den Persianer continuiere, die Cosackhen an dem Schwarzen Meer sich sehen lassen und die soldatescha immer dar sehr schwirig ist.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409#p.7"><gams:text>So vil hab ich e. Mt. für dißmal allerunderthenigist berichten, und neben starckher hoffnung, die begerte gnadt bei disem currier zu empfangen, mich deroselben zu beharlichen gnaden allerunderthenigist befelhen sollen.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409#p.8"><gams:text>P.S. Allergnädigster khayser und herr. Alß ich diß mein allergehorsamstes schreiben allerdings geschlossen, seindt mir brieff von Venedig zukhomben, darinnen ich von zweyen kauffleütten nambens Odescalco und Cernezi avisiert wurde, wass massen sie auf verordtnung e. Mt. hoff camer raths deß Bonacina mir einen wexel, aber nur per 10.000 duggaten, auß vermanglung mehrern recapiti herein richtig gemacht haben, mit vertröstung, balt einen andern 5.000 duggaten hinach zu schickhen. Obwoln nun solche remessa die mir von e. Mt. allergnädigst verordtnete 30.000 reichßtaller nicht erraichen, bin ich doch herzlich fro gewesen, weiln ich vermaint, dennochter vil guets darmit zu schaffen, mein abferttigung von hinnen dardurch zu erlangen und nicht genöttigt sein, mit disem currier zu behelligen. Alß ich mich aber umb solchen wexel bei den kauffleütten alhie anmelden lassen, hab ich mit grosser verwunderung und schmerz befunden, das sich kheiner darumb annemben oder mir die gebüerende satisfaction zu geben bewilligen wollen, thailß weillen alhie ain solcher geltmangl bei mainiglich, das deßgleichen nicht gedacht würdt, und sie daß wenige gelt, so sie aus den wahren gelöst, unlengst bevor nach Venedig geschickht, thailß auch weill ihrem vermelden nach der privatim an sie ergangne wexel brieff also beschaffen, das er sie wider ihr gelegenhait ihnen nichts verobligiert, welches, weil mich gedünckht wider alle kauffmanß trauen und glauben zu sein, so hab ich mich beflissen, solches schreiben in die handt zu bekhomben und es also und nicht anderst befunden. Schickhe e. Mt. dessen ain copia in underthenigkheit, damit es dem Bonacina möge fürgewisen und daraus ersehen werden, das die venedischen kauffleüth Odescalci und Cernezi ieder grossen straff ja fur falliert erclärt zu werden woll würdig weren, weillen ich dan, allergnädigster khayser und herr, durch diese der kauffleüth unrichtigkheit in den vorigen, ja grossern misseligkheiten verharre, dan ich hierdurch weniger hoffnung, so ich gehabt hab, durch disen wexel etwaß subleviert zu werden, genzlich beraubt bin, alß bin ich desto mehr getrungen worden, gegenwerttigen currier zuvor in sinn gehabter massen inn aller eyl vortzuschickhen und bith e. Mt. umb so vil desto instendiger allerunderthenigist, sie geruhen mein desselben allerunderthenigst ersprießliche expedition obbeschriebener massen befolhen sein zu lassen, dan solcheß erfordert einmal die allerhöchste notturfft.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:kuse.l.hbg.16240409" /></qhod:Text></rdf:RDF>