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Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB) TEI Download PDF Download

Zeppezauer-Wachauer, Katharina; katharina.wachauer@plus.ac.at /Färberböck, Peter; peter.faerberboeck@plus.ac.at

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Die Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB) (Zeppezauer-Wachauer/van Beek/Färberböck/Schlager 1972), ein Teil des Interdisziplinären Zentrums für Mittelalter und Frühneuzeit (IZMF) und des Fachbereichs Germanistik der Universität Salzburg, ist ein seit den 1970er-Jahren betriebenes und beständig erweitertes Recherchetool für das Mittelhochdeutsche, das auf der Grundlage Digitaler Editionen aufgebaut ist. Der Fokus des Korpus liegt hauptsächlich auf dem Mittelhochdeutschen, wobei auch Erweiterungen in Form von frühneuhochdeutschen Texten enthalten sind. Gelegentlich können auch Einsprengsel anderer Sprachen wie Latein vorkommen. Das Referenzkorpus enthält eine ausgewogene Mischung verschiedener Genres und Varietäten. Es gibt eine festgelegte Konturierung der Textsammlung, wobei alle Gattungen von Texten und Typen von Editionen (kritische Editionen, normalisierte Transkriptionen usw.) möglich sind. Zudem ist eine breite Streuung der Sprachräume gegeben, um eine vielfältige Datenbasis zu gewährleisten. Der zeitliche Rahmen des Korpus umfasst nicht nur den Zeitraum von 1050 bis 1350, der als “mittelhochdeutscher Basisdaten-Bestand” bekannt ist, sondern erstreckt sich vielmehr von 1050 bis 1600. Im Grunde handelt es sich – etwas augenzwinkernd mit Blick auf das Deutsche Textarchiv (DTA) – um ein “Textarchiv vor 1600”.

Kernelemente der MHDBDB sind eine komplexe Suchmaschine und ein onomasiologisches Wörterbuch, in dem mittels eines Begriffssystems Bedeutungen von Lemmata beschrieben werden, deren Vorkommen im Korpus dann auf diese Lemmata und die entsprechende im Kontext gültige Bedeutung bezogen werden. Die MHDBDB stellt somit ein umfassendes sprach- und literaturwissenschaftliches Werkzeug dar. Eine wissenschaftshistorische Übersicht über 50 Jahre MHDBDB liefert (Zeppezauer-Wachauer 2022a) und (Zeppezauer-Wachauer 2022b). Detaillierte Einblicke in die benutzerorientierten Möglichkeiten des Recherchetools, die die Komplexität und Möglichkeiten stärker aus Sicht der Nutzer:innen betrachten, finden sich im Bereich “Tutorials” auf der Website. Für weitere Beispiele speziell mit Blick auf Digitale Editionen, siehe (Hinkelmanns/Zeppezauer-Wachauer 2023) in dem im KONDE-Kontext entstandenen Sammelband “Digitale Edition in Österreich” (Bleier/Klug 2023).

Für ihren Relaunch (Ende 2023) setzt die MHDBDB auf ein Datenmodell basierend auf unterschiedlichen Semantic-Web-Technologien, wie RDF-Vokabularien und Ontologien, sowie auf TEI zur Kodierung der Korpustexte. TEI-Texte (nach offenem Schema) können im Standoff-Verfahren beliebig mit Linked Open Data verknüpft werden. Annotationen wie etwa Part-of-Speech (PoS) oder Phrasen- und Satzstrukturen werden direkt auf die Tokens der Texte bezogen. Die Vernetzung zwischen RDF- und TEI-Daten erfolgt mittels Web Annotation Vocabulary (Sanderson/Ciccarese/Young 2017) nach der Empfehlung des W3-Konsortiums. Das Begriffssystem, das onomastische Namenssystem sowie die Textreihentypologie (für Gattungen, Genres und Textsorten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit) werden als kontrollierte Vokabularien bzw. Thesauri mit dem Simple Knowledge Organization System (SKOS) (Miles/Bechhofer 2009) beschrieben. Lemmata werden nach den Vorgaben des OntoLex-Lemon-Lexicography-Modules (Bosque-Gil/Gracia 2019) kodiert. Weitere genutzte Ontologien bzw. Vokabulare sind BibFrame 2.0 (Bibliographic Framework Initiative 2019) und die GND Ontology (Haffner 2019).

Normdaten z. B. der Gemeinsamen Normdatei (GND) (Gemeinsame Normdatei 2019) und Wikidata (Wikidata 2019) werden in der MHDBDB nachgenutzt, um den Nutzerinnen und Nutzern bessere Zugriffsmöglichkeiten auf das Datenmaterial zu ermöglichen. Die Vernetzung mit Metadatenrepositorien ermöglicht das wechselseitige Anreichern der Daten. Alle Forschungsdaten wie Annotationen sowie die bibliografischen Metadaten und die deskriptiven Metadaten zu Personen, Zeit, Orten und Ereignissen (basierend auf dem CIDOC-Conceptual Reference Model (CRM) für Kulturerbedaten) sind ans Semantic Web angebunden.

Sämtliche MHDBDB-Daten werden ab 2023 unter einer Creative-Commons-Lizenz (voraussichtlich CC-BY-NC-SA 3.0 AT) bereitgestellt. Einen Überblick über die mittelhochdeutsche Lexikografie im Semantic Web und eine ausführlichere Beschreibung des Datenmodells bieten (Hinkelmanns 2019) und (Hinkelmanns/Zeppezauer-Wachauer 2020).

Literatur:

  • Bibliographic Framework Initiative. URL: http://www.loc.gov/bibframe/
  • Bleier, Roman; Klug, Helmut W. (Hrsg.). 2023. Digitale Edition in Österreich, digital scholary edition in Austria Digitale Edition in Österreich, digital scholary edition in Austria. Norderstedt.
  • Bosque-Gil, Julia; Gracia, Jorge. The OntoLex Lemon Lexicography Module. URL: https://www.w3.org/2019/09/lexicog/
  • Deutsche Nationalbibliothek. Gemeinsame Normdatei. URL: https://www.dnb.de/gnd
  • Haffner, Alexander. GND Ontology. URL: https://d-nb.info/standards/elementset/gnd
  • Hinkelmanns, Peter. 2019. Mittelhochdeutsche Lexikographie und Semantic Web. Die Anbindung der ‚Mittelhochdeutschen Begriffsdatenbank‘ an Linked Open Data. In: Das Mittelalter 24. Hrsg. von Präsidium des Mediävistenverbandes, S. 129-141.
  • Zeppezauer-Wachauer, Katharina; Hinkelmanns, Peter. 2023. Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB) Digitale Edition in Österreich. Hrsg. von Roman Bleier und Helmut W. Klug, S. 179-181.
  • Hinkelmanns, Peter; Zeppezauer-Wachauer, Katharina. 2020. ez ist ein wârheit, niht ein spel, daz netze was sinewel. Die MHDBDB im Semantic Web. In: Digitale Methoden und Objekte in Forschung und Vermittlung der mediävistischen Disziplinen. Hrsg. von Martin Fischer. Bamberg, S. 73-86.
  • Miles, Alistair; Bechhofer, Sean. SKOS Simple Knowledge Organization System Reference. URL: http://www.w3.org/TR/skos-reference
  • Sanderson, Robert; Ciccarese, Paolo; Young, Benjamin. Web Annotation Vocabulary. URL: https://www.w3.org/TR/annotation-vocab/
  • unknown. Wikidata. URL: http://www.wikidata.org
  • Universität Salzburg, Interdisziplinäres Zentrum fpr Mittelalter und Frühneuzeit. Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB). URL: https://mhdbdb.sbg.ac.at/#/
  • Zeppezauer-Wachauer, Katharina. 2022. 50 Jahre Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB): Eine Jubiläums-Zeitreise zwischen Lochkarten, Pixel-Drachen, relationaler Datenbank und Graphdaten. In: Digitale Mediävistik. Perspektiven der Digital Humanities für die Altgermanistik Beiträge zur mediävistischen Erzählforschung (BmE). Hrsg. von Elisabeth Lienert, Joachim Hamm, Albrecht Hausmann und Gabriel Viehhauser, S. 161-186.
  • Zeppezauer-Wachauer, Katharina. 2022. Die Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB). Rückschau auf 50 Jahre digitale Mediävistik. In: Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes 69, S. 135-141.

Zitiervorschlag:

Zeppezauer-Wachauer, Katharina; Färberböck, Peter 2024. Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB). In: KONDE Weißbuch. Hrsg. v. Selina Galka und Helmut W. Klug unter Mitarbeit von Susanne Höfer im Projekt "Enlarging 'Weißbuch Digitale Edition'". Aufgerufen am: . Handle: hdl.handle.net/11471/562.50.52. PID: o:konde.52

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