Manninger, Kerstin; kerstin.manninger@gmail.com
Die Interaktion von Benutzerinnen und Benutzern mit einem System, Tool oder Interface im weitesten Sinne und wie sie sie erleben, wird User Experience (UX) genannt und kann durch ihre bewusste Gestaltung durch beispielsweise User-Centered Design aktiv beeinflusst werden.
Die aktive Beschäftigung mit User Experience dürfte in den meisten Projekten in den Digital Humanities noch keinen nennenswerten Stellenwert haben, wodurch Benutzerinnen und Benutzer auch nicht im Zentrum stehen (Schreibman/Hanlon 2010). Problematisch hierbei ist, dass beispielsweise eine digitale Edition möglicherweise kaum genutzt wird oder Funktionalitäten entwickelt werden, die Benutzerinnen und Benutzer nicht benötigen oder verstehen (Warwick 2012, S. 9; Wustemann 2017, S. 140).
Gute User Experience eines Systems weist einige Qualitäten auf, die Morville als nützlich, benutzbar, wünschenswert, auffindbar, zugänglich, glaubwürdig und wertvoll beschreibt. Mit diesen Merkmalen soll betont werden, dass es nicht nur um Usability (Benutzbarkeit) geht, auch wenn sie einen Teil von guter User Experience ausmacht (Morville 2004; Rosenzweig 2015, S. 7).
Um diese Qualitätskriterien zu erreichen, müssen zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden. Es gibt verschiedene Herangehensweisen und Methoden, die genutzt werden können. Garrett beschreibt ein grundlegendes Modell mit fünf Ebenen, um die Elemente von User Experience besser zu verstehen und Methoden sowie ihre Ziele einzuordnen (Garrett 2011, S. 31-34; Garrett 2000).
Die Nutzerforschung (User Research) ist ein wichtiger Teil der User Experience, um die Bedürfnisse der Benutzerinnen und Benutzer, was sie denken und wie sie ein System wahrnehmen, zu verstehen und darauf basierend informierte Entscheidungen für die Gestaltung treffen zu können (Marsh 2016, S. 51). Eine der zahlreichen Methoden hierfür ist User Testing (Gordon, Rohrer 2022; Rohrer 2022). Auf der anderen Seite stehen die spezifischen Ziele, die mit dem System erreicht werden sollen (Garrett 2011, S. 32). Zugleich müssen für die Nutzerinnen und Nutzer bestimmte funktionale und inhaltliche Anforderungen beachtet werden, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Die Informationsarchitektur ist ein weiterer wichtiger Aspekt im Design der User Experience. Gemeinsam mit definierten Abläufen und Interaktionen durch die Benutzerinnen und Benutzer gibt sie einem System eine nachvollziehbare Struktur. Darauf aufbauend muss überlegt werden, wie die Information präsentiert wird, damit sie verständlich und auffindbar ist sowie Interaktion ermöglicht. Die letzte und oberste Ebene eines Systems ist das visuelle Design (Garrett 2011, S. 32-34; Garrett 2000), das Ansprüche an Responsivität und Barrierefreiheit erfüllen sollte.
Literatur:
- Garrett, Jesse James. 2011. The Elements of User Experience: user-centered design for the Web and beyond. Indianapolis, IN, USA.
- Garrett, Jesse James. 2000. The Elements of User Experience. URL: http://www.jjg.net/elements/pdf/elements.pdf.
- Gordon, Kelley; Rohrer, Christian. A Guide to Using User-Experience Research Methods. URL: https://www.nngroup.com/articles/guide-ux-research-methods/
- Marsh, Joel. 2016. UX for beginners: a crash course in 100 short lessons UX for beginners. Beijing.
- Morville, Peter. User Experience Design. URL: http://semanticstudios.com/user_experience_design/
- Rohrer, Christian. When to Use Which User-Experience Research Methods. URL: https://www.nngroup.com/articles/which-ux-research-methods/
- Rosenzweig, Elizabeth. 2015. Successful user experience: strategies and roadmaps Successful user experience. Waltham, Massachusetts. URL: https://doi.org/10.1016/C2013-0-19353-1.
- Schreibman, Susan; Hanlon, Ann M. 2010. Determining Value for Digital Humanities Tools: Report on a Survey of Tool Developers. In: Digital Humanities Quaterly 4, S. 1-7.
- Warwick, Claire. 2012. Studying users in digital humanities. In: Digital Humanities in Practice. Hrsg. von Claire Warwick, Melissa Terras und Julianne Nyhan. London, S. 1-22.
- Wusteman, Judith. 2017. Usability testing of the Letters of 1916 Digital Edition. In: Library Hi Tech 35, S. 120-143.