Erlinger, Christian; christian.erlinger@zhbluzern.ch
Wikisource wurde 2003 innerhalb der unter Patronanz der Wikimedia Foundation stehenden Gemeinschaft der Wiki-Portale des Wiki*Versums (mit den bekannten Seiten Wikipedia, Wikimedia Commons oder Wikidata) als Plattform zur Transkription gemeinfreier bzw. offen lizenzierter Textmaterialien gestartet. Wikisource besteht gleich wie die Wikipedia in unterschiedlichen Sprachversionen. Die deutschsprachige Wikisource versteht sich als Portal zur Transkription der Volltexte vorrangig von älterer, gemeinfreier Literatur.
Die übliche Vorgehensweise zur Erstellung eines Transkripts in der deutschsprachigen Wikisource beginnt mit der Speicherung eines gemeinfreien Scans des Originals in Wikimedia Commons. Auf Basis dieser Vorlage – idealerweise eine Datei im Format PDF oder DJVU – wird in Wikisource eine sogenannte Indexseite angelegt. Diese Indexseite beinhaltet grundlegende bibliographische Metadaten, einen Seitenindex sowie die Editionsrichtlinien des vorliegenden Projektes. Ausgehend vom Seitenindex gibt es in Wikisource für jede Vorlagenseite eine eigene Wikisource-Page. Die Wikiseite ist dabei zweigeteilt, sie zeigt einerseits das Bild des Scans und andererseits ein Formular zur Texteingabe. Wikisource wird technisch realisiert durch eine spezielle Erweiterung der MediaWiki-Software ("Extension:Wikisource"). Diese Extension stellt das spezielle User Interface, eine OCR und das Handling des Review-Prozesses zur Verfügung.
Ein Ziel von Wikisource steht in der Bereitstellung eines guten lesbaren und dennoch dicht am Original orientierenden Volltextes. Die Community in Wikisource sorgt für qualitätsvolles Arbeiten. Die Editionsrichtlinien sind bewusst knapp gehalten und berücksichtigen auch Eigenschaften bzw. (technische) Einschränkungen, die durch die Software Mediawiki sowie die Wikisyntax als Eingabeformat bedingt sind. Jedes Projekt hat die Möglichkeit, eigene weitere detaillierte Editionsrichtlinien zu definieren: Wie wird gesperrter Text übertragen, wie werden Abteilungen oder Tabellen dargestellt, werden bestimmte Zeichen in besonderer Form transliteriert, werden Annotationen erstellt usw. usf.? Das “Vier-Augen-Prinzip” ist in Wikisource zur Sicherstellung der Qualität der Transkriptionen umgesetzt. Jede Quellentextseite wird hinsichtlich ihres Korrekturstatus ausgezeichnet (“nicht korrigiert” – “korrigiert” – “fertig”); die Extension stellt sicher, dass ein Umstellen des Status von “korrigiert” auf “fertig” durch den selben User nicht möglich ist.
Mit über 53.000 transkribierten Werken (Stand: Oktober 2023) in unterschiedlichem Umfang, von kleinen wenige Seiten umfassenden Drucken bis hin zu umfangreichen Werken wie dem “Biographischen Lexikon des Kaiserthums Österreich” oder der Zeitschrift “Die Gartenlaube” darf die deutschsprachige Wikisource als wertvolle Quellensammlung, praktikable (und auch technisch nachnutzbare) Editionsplattform sowie als erfolgreiches Crowdsourcing-Projekt angesehen werden.
Literatur:
- Haaf, Susanne. 2018. Rezension der Deutschsprachigen Wikisource – RIDE. In: RIDE – A review journal for digital editions and resources, S. 1-41.
- MediaWiki Extension. Wikisource. URL: https://www.mediawiki.org/wiki/Extension:Wikisource
- Multilinguale Wikisource. URL: https://wikisource.org
- Nemitz, Jürgen. 2020. Wikisource – Beobachtungen zu einer kollaborativen digitalen Bibliothek. In: Mehr als Stadt, Land, Fluss: Festschrift für Ursula Braasch-Schwersmann. Hrsg. von Lutz Vogel, Ulrich Ritzerfeld, Melanie Müller-Bering, Holger Th Gräf und Ursula Braasch-Schwersmann. Neustadt an der Aisch, S. 332-338.
- Wikisource. Wikisource. URL: https://de.wikisource.org