»tue du glattmähen, ich werde glattrechen?«

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Kommentar

Kofler bezieht sich auf die Überlieferung des »Todespaares«, von Tod und Tödin. Der männliche Part führt die Sense, der weibliche den Rechen. Die Quelle Koflers ist nicht genau eruierbar – in einer volkskundlichen Untersuchung aus dem Jahr 1952 ist von einer steirischen Sage aus Oberschwarza mit dem Wortlaut »Tu du glattmachen, ich werde glattrechen« die Rede (Schmidt 1952, 164). Die Kärntner Sagensammlung Grabers berichtet von einer Überlieferung vom Maltaberg aus der Pestzeit: »Einst sprach der Tod zur ›Teadin‹: ›Ich nehme die Sense, du den Rechen; ich werde mähen, du rechnest nach‹« (Graber 1944, 164). Ebenfalls aus der Pestzeit stammt eine Überlieferung aus Hötting bei Innsbruck (also aus der Topographie des Textes), in der der Tod die »Todin« um Mitternacht regelmäßig nach ihrem Tagwerk ausfragt und sich zufrieden zeigt, er verwendet dabei allerdings andere als jene von Kofler verwendete Worte (vgl. Alpenburg 1957, 347). Der Höttinger Pestfriedhof (1625 erstmals erwähnt) am Beginn der Höhenstraße ist ein Zeuge jener Zeit.

Textausschnitte

zehn figurationes , Werk 5, S. 45

[...] – eine sense, ein rechen? was ge- schieht? wer fordert – »tue du glattmähen, ich werde glattrechen?« * desset: im herbst aufbahren auf einem eichentisch (QUERCUS): drei körnchen weihrauch, zwei unzen landtabac, einen greisen apfel, ein talglicht, eine korbflasche RAKYA . [...]


Zitiervorschlag:
»tue du glattmähen, ich werde glattrechen?«. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. hdl.handle.net/11471/1050.10.5479, 2022-09.