Frau Riefenstahl

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Kommentar

Leni Riefenstahl (1902–2003), deutsche Filmschauspielerin und -regisseurin, startete ihre Filmkarriere als Schauspielerin in den Bergfilmen Arnold Fancks. Ihr Regiedebüt Das blaue Licht (1932), in dem sie auch die Hauptrolle übernahm, begeisterte die NS-Führung. 1933–1935 schuf sie Propagandafilme, „heroische Reportagefilme“, 1938 filmte sie die Olympischen Spiele in Berlin ( Olympia ). Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte sie sich, abgesehen von der Fertigstellung von Tiefland , auf die Fotographie. Riefenstahl „profitierte von der ›Entjudung‹ des deutschen Films, sie hatte besten Kontakt zum Führer und schier unbegrenzte Mittel zum Verfolg ihrer Ambition. Unmittelbar nach Kriegsende begann sie an jenem Gewebe zu spinnen, das sie bis heute wie eine Rüstung umgibt; ein Gewirk aus Halbwahrheit und Verdrängung, präziser Erinnerung im Detail und totaler Verleugnung da, wo ihre Lebenswelt politisch wurde“ (Schmitter 2002, 157).

Textausschnitte

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 331

[...] Kein RAUCH DES SOMMERS mehr durch Tabak aus dem TIEFLAND, nein? Kein RAUCH DER WOHNWAGEN, kein Rauch aus den Wohnwagen, keine Rauchzeichen mehr aus Salzburg-Maxglan, aus dem Zigeunerlager Leopoldskron, auch Marienbad, letzte Jahre in Marienbad, keine Rauchzeichen mehr, nur noch Rauch aus dem Schornstein, einige Jahre später und etwas weiter östlich, durch TIEFLAND, trotz TIEFLAND Rauch aus dem Schornstein? Ah, Perfido, ah, Verismo! – Nein, natürlich haben Sie niemand vergasen lassen, Frau Riefenstahl, nicht vergasen oder sonstwie zu Tode kommen lassen aber auch nicht die Lieblinge am Filmset, im Kulissendorf Roccabruna im Karwendelgebirge, Sinti und Roma, Erwachsene und Kinder, südländisches Kolorit in einem Schwarzweißfilm, nicht vergasen lassen auch nicht, obwohl es doch nur einer Vorstellung bei Reichsleiter Bormann bedurft hätte, BORMANN – BE- SCHNITTEN!, dieser, schon wieder Bormann – nein? Nein, und ebensowenig haben Sie persönlich die künftigen Komparsen im Lager – nun, selektiert, sondern, wie von Ihrem meineidigen Mitarbeiterstab später vor Gericht versichert, andere; unter diesen nichtsnutzigen Meineidbauern von Mitarbeitern auch Harald Reinl, natürlich, naturgemäß Dr [...]

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 332

[...] – Ach, Sie mit Ihrem blöden Kreutzberg, ich wollte doch etwas anderes sagen, was war es nur, ah ja, das: Die Kleindarsteller in Ihrem Film, Frau Riefenstahl, Hut ab!, Hut ab, Film ab, Kopf ab – von Salzburg/Maxglan und Berlin/Marzahn über Auschwitz/Birkenau nach Stuttgart und Cannes – Was für ein Kunststück! Hier also soll es damals passiert sein [...]


Zitiervorschlag:
Frau Riefenstahl. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.tiefland.1784, 2019-02.