böhmisch einkaufe

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Kommentar

Xenophobe Umschreibung für „stehlen“

Textausschnitte

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 305

[...] – Wohin mit dem Bild vom Leiterwägelchen; darin der Noste und die Hanne, unsere Cousine aus dem Erdgeschoß, die spätere geile Hanne, deren italienische Liebhaber ihre Sportwagen über Nacht im Hof abstellten, zum Unmut meiner Eltern (Nix wert, is jo nix wert die Hanne); wohin mit den Winterbildern, dem meterhohen Schnee, Geborgenheit in einstigen Wintern, wohin mit dem SW-Film im Kopf, auf dem Schlitten im Schnee ich, im Schnee, im Schnee –; wohin mit den Bildern der Holz-Schneepflüge, von Pferden gezogen durch die Genotte-Allee, am noch dunklen Schulhaus vorbei, im seltsam festlichen Leuchten der Winternacht, des Wintermorgens, mit den Bildern der auf Kufen dahingleitenden Bierund Milchfuhrwerke, wohin?, wie verfahren mit den Adventbildern im Kopf, mit dem Silbernen und dem Goldenen Sonntag, dem dritten und dem, endlich, vierten Adventsonntag, da die Kaufhäuser – halbtags am Silbernen, ganztägig am Goldenen Sonntag – geöffnet hielten und ich, im Volksschulalter, manchmal im Geschäft meines Vaters, Linder Kaufhaus Ernst Kofler, als Aufpasser, als Augen-offen-Halter, als kleiner Kaufhausdetektiv herumzustehen hatte, gemeinsam mit dem Herrn Berger, einem etwas gebrechlichen Pensionisten aus den Eisenbahner-Personalhäusern, auf daß nicht etwa jemand –, ja was, man wisse ja nie, auf daß nicht jemand böhmisch einkaufe [...]


Zitiervorschlag:
böhmisch einkaufe. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.tiefland.1638, 2019-02.