Der Lechner-Edi schaut ins Paradies

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Kommentar

Theaterstück („Mittelstück“, 1936) von Jura Soyfer (1912–1939), geschrieben für die Kleinkunstbühne „Literatur am Naschmarkt“

Textausschnitte

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 298

[...] Hier soll es passiert sein, wo denn? – Ah hier, ja, in diesem Haus, in diesem Haus in der Messenhausergasse, benannt nach dem 1848 hingerichteten Kommandanten der Nationalgarde, Cäsar Wenzel Messenhauser, gefährliche Gegend, immer schon: das sogenannte Lechnermordhaus, ein Tatort, ein Mordhaus in der Lechnerstraße, Lechner, so wie Der Lechner-Edi schaut ins Paradies, obwohl es mit dieser Bühnenfigur nichts zu tun haben kann, das Mordhaus in der Lechnerstraße, ein Straßenname, der eigentlich besser nach Innsbruck paßte als nach Wien, wo es hauptsächlich Gassen gibt, auch im Bezirk Landstraße, die Wassergasse etwa, die Spuren eines bis heute unentdeckten Frauenmörders beispielsweise verlieren sich in dieser Gasse, durch die er, nach dem Mord an einer Frau Margit Hartl, an einem späten Vormittag in den 1970er Jahren gelaufen war, wahrgenommen nur, verdächtige Eile, heraushängendes Hemd, von einem Maurer auf einem Baugerüst, – Masta, dia hängt da Oasch ausse, der Arsch hinge ihm heraus, habe der Maurer ihm noch nachgerufen; schließlich die deliktschweren, untatschwangeren Zinshäuser in der Hetzgasse Numero 8 und Numero 10, in deren einem, Hetzgasse 8, ich dreißig Jahre verbracht, abgerissen habe, dreißig Jahre unbedingt, aber ich werde nichts erzählen, erzählt wird nicht; – hier jedenfalls, so die Brunnenzeitung, vor dem Haus, vor dem Messenhausergassenhaus geparkt noch das Auto des Opfers, ein silbergrauer B M W M 3 (Foto unten), hier soll es passiert sein [...]


Zitiervorschlag:
Der Lechner-Edi schaut ins Paradies. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.tiefland.1614, 2019-02.