Jochen Herdieckerhoff

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Kommentar

Jochen Herdieckerhoff (1963–2006), deutscher Dramaturg, lebte ab 1996 in Wien. Mit seiner auffälligen Kostümierung, einem Taucheranzug samt Schnorchel, Taucherbrille und Flossen, gewann er am 15. März 1998 den Preis (ein Burgtheater-Abonnement) für das originellste Kostüm unter den Sportstück -Zusehern (vgl. Kralicek 2006).

Textausschnitte

Zerstörung der Schneiderpuppe, S. 233

[...] Setz die Brille auf, Schneider, ich muß dir etwas zeigen, das dich mit Genugtuung erfüllen wird, freilich nicht lange, eine Fotografie aus einer Tageszeitung, ein Bild vom Leichenschmaus, von der Siegesfeier, hier, MAUTHAUSEN 2000, Beethovens Neunte für KZ-Opfer, nein, daneben, da, KÄSEKRAINER ALS NACHSPEISE, Sportstückmarathon: Peymann prämiert originelle Kostüme, hier, ein Gruppenfoto vor einem Würstelstand am Schwarzenbergplatz, nachts, in der Kälte, wie an der Rampe in Auschwitz harren sie aus, trinken Schampus aus Pappbechern und fressen Würstel als Siegesmahl, alles auf Kosten der Steuerzahler, hier der vertrottelte Peymann im Vordergrund, die rotgefrorenen Ohren sind sogar auf der Schwarzweißfotografie noch gut zu erkennen, und im Hintergrund die Sieger, eine Fußballmannschaft etwa, in einem einzigen, zusammenhängenden, selbstgeschneiderten Trikot, witzig, nicht, diese zusammengeschneiderte, zusammengenähte textile Darstellung des Mannschaftsgeistes, und der Sieger schlechthin, die originellste Kostümierung, der Mann im Taucheranzug, the winner is: Jochen Herdieckerhoff, für sieben Stunden Taucheranzug im Sportstückmarathon [...]


Zitiervorschlag:
Jochen Herdieckerhoff. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.schneider.1210, 2019-02.