Kunze

TEI version< zurück

Kommentar

Möglicherweise Anspielung auf Reiner Kunze (* 1933), deutscher Schriftsteller, 1977 Ausbürgerung aus der DDR

Textausschnitte

Zerstörung der Schneiderpuppe, S. 226

[...] Aber los jetzt, Robert, schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen: Wie heißt du? Heißest du Kaspar, Melchior, Balzer? Balzer, Robert, das würde doch inhaltlich zutreffen, und hätte sogar mit deinem Falschnamen zu tun, Wenn der Schneiderhahn balzt, wie Karl Kraus, der Name wird dir nichts sagen, bereits über dich gespottet hat, nein? Heißest du Rippenbiest, Hammelswade oder Schnürbein, was auf eine fußkranke Mutter oder einen invaliden Vater verweisen würde? Heinz oder Kunz oder Kunze? Kunze käme schon in Frage, Schneider, die Mutter hätte die wertvolle Fracht rechtzeitig noch, vor dem Bau der Berliner Mauer, in den freien Westen verbringen können, und weiter ins Alemannische – nein? Nein, natürlich nicht, so einer ist der Kunze nicht, nie gewesen, ich will dich nur auf die Probe stellen, Froschkönig [...]

Kalte Herberge, S. 285

[...] Oder sollte ich, in Vergessenheit geraten, vielleicht zu Recht, vielleicht zu Unrecht, möglicherweise auch nie so wahrgenommen, wie es mir zugekommen wäre, oder doch?, ich weiß nicht, egal – sollte ich vielleicht, nach vierzig Jahren, zum wievielten Male?, und ohne es je vorgehabt zu haben, versuchen, den Durchbruch zu schaffen? Welchen Durchbruch denn, den Magendurchbruch? Ach, den Durchbruch beim breiten Publikum, ich verstehe, bei Hinz und Kunz, Krethi und Plethi, den Durchbruch als Hintze und Kunze? Nein, das ist nichts für mich, nicht wirklich, viel zu anstrengend, nein, ich heiße schließlich nicht Mitterer, besser noch: ich bin nicht Mitterer, und der Fleiß des Minderbegabten ist noch nie meine Sache gewesen [...]


Zitiervorschlag:
Kunze. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.schneider.1142, 2019-02.