Wenn der Schneiderhahn balzt

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Kommentar

Zitat aus der Polemik Fahrende Sänger (1907), in der sich Karl Kraus mit der Berichterstattung Wiener Blätter von der Amerika-Fahrt des Wiener Männergesangsvereins auseinandersetzt: „Doch wo Männer und Frauen auf einem Deck versammelt sind, darf ein intelligenter Berichterstatter nie versäumen, neben dem Appetit auch der zarteren Triebe zu gedenken, galante Spiele zu inszenieren und aufzuhorchen, wenn der Schneiderhan balzt.“ (Kraus 1907, 5) Franz Schneiderhan (1863–1938), Hutfabrikant, 1899–1907 Vorstand des Männergesangsvereins, 1905–1908 Direktionsmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, 1926–1932 Generaldirektor der Österreichischen Bundestheater, 1935–1938 Präsident der Internationalen Stiftung Mozarteum (vgl. Santifaller u.a. 1994, 390).

Textausschnitte

Zerstörung der Schneiderpuppe, S. 226

[...] Aber los jetzt, Robert, schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen: Wie heißt du? Heißest du Kaspar, Melchior, Balzer? Balzer, Robert, das würde doch inhaltlich zutreffen, und hätte sogar mit deinem Falschnamen zu tun, Wenn der Schneiderhahn balzt, wie Karl Kraus, der Name wird dir nichts sagen, bereits über dich gespottet hat, nein? Heißest du Rippenbiest, Hammelswade oder Schnürbein, was auf eine fußkranke Mutter oder einen invaliden Vater verweisen würde? Heinz oder Kunz oder Kunze? Kunze käme schon in Frage, Schneider, die Mutter hätte die wertvolle Fracht rechtzeitig noch, vor dem Bau der Berliner Mauer, in den freien Westen verbringen können, und weiter ins Alemannische – nein? Nein, natürlich nicht, so einer ist der Kunze nicht, nie gewesen, ich will dich nur auf die Probe stellen, Froschkönig [...]


Zitiervorschlag:
Wenn der Schneiderhahn balzt. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.schneider.1138, 2019-02.