Maria

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Kommentar

Anspielung auf die französische Schauspielerin Maria Schneider (1952–2011)

Textausschnitte

Herbst, Freiheit, S. 64

[...] Die strahlenden Reste der Supervision, wohin? Wohin mit der Clear-Phase, wie er, am Abend, es nennt, der Handlungsreisende, der sich den Tag über nichts als herumärgern habe müssen mit seinen Kunden, ein Choleriker noch dazu, wohin mit der Abreaktion, dem Sex, den Botschaften aus dem Raum Graz? Sex, ja, Sex, nach dem Frust des Tages, nach der Clear-Phase, Sex im Raum Graz; wie geprügelt, wie erschlagen nachher sie, wie neugeboren nachher, unter der Dusche, er; der einzige Dank, der einzige Tank, auftanken: Sex; kumm Schatzl, kumm, so er, wobei, Frau Doktor, sie sehr zart, und nicht sehr gesund sei; er aber, wenn kein Sex, wenn sie, Maria, die Prinzessin spielen wolle, die Prinzessin, er dann sofort gegen Brückenpfeiler rasen würde, gegen steirische, also besonders harte Brückenpfeiler im Raum Graz [...]

Üble Nachrede, S. 95

[...] Natürlich sind diese kahle Sängerin und der damalige Privatankläger, der, so Bernhard, geile Schriftstellerverschlinger, scheußliche Leute; wem, wenn nicht mir, dem Verstoßenen vom Tonhof, dem, beim ersten, zufälligen Besuch in Maria Saal, schon nach kürzester Zeit des Tonhofs Verwiesenen, wäre es, hätte ich das Musil-Stipendium bekommen, gestattet gewesen zu schreiben: Ich bin dem geilen Schriftstellerverschlinger zu keiner rechten Zeit begegnet, mir hat dieser Künstlervater, anders als anderen, nicht Lesen und Schreiben, nicht das Lesen und das Schreiben beigebracht [...]

Üble Nachrede, S. 97

[...] Alle diese unwürdigen Greise, die den Anschein ungebrochener Jugend vor sich herzutragen sich bemühen, ob durch rabenschwarz gefärbte Haare wie beim Salonkünstler und Lautgedichtemacher im Volkston, ob durch ein zur Annahme, sich ausschließlich und nicht zu knapp von Stierhoden zu ernähren, berechtigendes Auftreten, wie beim kanadischen Künstliche-Intelligenz-Popanz, sie alle, hätte ich in einer für Dritte wahrnehmbaren Weise geschrieben, sie, die in Maria Saal, einer jahrtausendealten allerersten keltisch-römischen Adresse, eigentlich nichts verloren haben, verloren gehabt hätten, außer ungebetenerweise einen Hauch von verräucherter Boheme in die Landschaft zu tragen – nicht, daß ich nicht den Hut zöge, hätte ich einen: einen Hauch eines verräucherten Begriffes irgendwohin, oder nein, nicht irgendwohin, in den Tonhof zu Maria Saal, dorthin, zu tragen, und das gedruckt, in einer Literaturgeschichte, und von Hilde Spiel herausgegeben, und verlegt bei Kindler, das macht einen tonlos vor Erstaunen –, sie alle sind diesem Schweinepriester, dem Novalis der Töne, dem Privatankläger natürlich sofort beigesprungen, sogleich zu Hilfe gekommen, kein Eintondichter läßt einen anderen im Stich [...]

Üble Nachrede, S. 111

[...] , im Namen meines Mandanten Lampersberg, Am Tonhof, Maria Saal, wage ich die Frage – Hallo? Bin ich dran? Ja, Rechtsanwalt Doktor Morant hier –, wage ich also die Frage, ob wohl jene Leute, die blindlings einer zwingend in die Anarchie führenden Freiheit in einer singulären Richtung das Wort reden, bei dieser ihrer Meinung verblieben, wenn es sich um Kunstwerke handelte, die dem Zeitgeist widersprechen [...]

Zerstörung der Schneiderpuppe, S. 223

[...] Du hast Schande über den Namen Schneider gebracht, Robert, du hast den Namen Schneider besudelt, Robert Lee; welche Schande für andere gleichen Nachnamens, Schneider, für Romy und Maria, vor allem für Maria, und für Marlon Brando und Jack Nicholson, selbst noch für diese [...]

Kalte Herberge, S. 262

[...] Aber Ronnie Großkopf in Maria Saal schwer zu Sturz gekommen, das ist schon ein Ding [...]

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 315

[...] Aus meinem Bücherschrank mit Fachliteratur zog ich das Buch – nein, nicht das Buch von Maria Steurer, darf ich ausreden – das Buch über Mineralund Pflanzengifte zu Rate, erschienen im Verlag der Naturfreunde, Stuttgart – Tatsache!, nichts zu lachen, noch nicht – und studierte das Kapitel DER ARSENIKMORD, ich las: (Das europäische Gift) – Das weiße Arsenik ist das Gift der Gifte: Unscheinbar in seinem Aussehen, unheimlich in seiner Wirkung [...]

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 332

[...] Harald, mit Rabenalt, Arthur Maria, am Set von T I E F L A N D , welches Glück; und 1954, nach der Uraufführung vonTIEFLAND inStuttgart,sogar,postmortem,nachCannes eingeladen, zu den Filmfestspielen, die kleine Blach Josefine, die noch kleineren Kugler Kreszentia und Amberger Willi, die Herzenberger und Lichtenberger, Reinhardt und Winter und weitere Lagerinsassen als Kleindarsteller in TIEFLAND, Bauern, Knechte und Mägde, drapiert um den Dorfbrunnen zwischen Schenke, Kastell und Kornmühle, auf der Piazza von Roccabruna nahe Krün bei Mittenwald im Bayrischen, hier soll es damals passiert sein; nach Cannes eingeladen übrigens von einem Bewunderer Ihres Filmgenies, von Jean Cocteau, dem damaligen Präsidenten der Jury, der auch höchstselbst die französischen Untertitel beigesteuert hat, naturgemäß Jean Cocteau, wie denn nicht, schon wieder ein Jahrhundertgenie, ein Jahrhundertgenie hilft dem anderen, wie Sie ja auch, Riefenstahl, für die Rolle der schönen jungen Zigeunerin Marta, Ihren verführerischen Betteltanz in der Schenke, im dritten Drehjahr von weiteren Zigeunern aus dem Lager Berlin/Marzahn lüstern bestaunt, mit Harald Kreutzberg, dem Zauberer, einstudiert haben – natürlich, naturgemäß mit Harald Kreutzberg, schon wieder Harald, schon wieder Jahrhundertgenie, diesmal des Ausdruckstanzes, einer, nach meinem Dafürhalten, etwas dümmlichen Disziplin, wenngleich – nein, nichts, ich will nichts gesagt haben [...]


Zitiervorschlag:
Maria. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.schneider.1110, 2019-02.