Untermensch

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Kommentar

Im Nationalsozialismus „verächtliche Bezeichnung für die als ›rassisch‹ und moralisch ›minderwertig‹ deklarierten Juden, Polen, Russen und für Kommunisten“ (Schmitz-Berning 2000, 618)

Textausschnitte

Üble Nachrede, S. 99

[...] – Ich hätte geschrieben: Udo Jürgens, ein Kretin, Peter Alexander, ein Untermensch [...]

, S. 142

[...] Wer ist das? Schlechtes Schuhwerk, abgetretene Turnschuhe, Lederjacke, langes Haar in deutscher Proletenmanier, und, dem zufälligen Anschein, vom Fenster aus, von oben nach unten, dem plötzlichen Augenschein nach, auch noch hinkend, oder geschwächt, schwach wovon, geschwächt von welcher Untat? Ist er das? Bei mir ist niemand gewesen, ich stehe am Fenster und sehe hinaus, hinab, um genau zu sein, und doch: Er ist es, er wird es gewesen sein, er wird, wovon ich noch nichts wissen kann, Schreckliches getan, Fürchterliches angerichtet haben, er ist es, aber es ist ein anderer, der sich im Nachbarhaus vor Mitternacht schon Zutritt verschafft haben wird, der sich durch das Stiegenhaus nach oben geschlichen haben wird in den zweiten Stock diesmal, es ist nicht der Verspottete, der Speditionskaufmann, es ist ein anderer, der andere, der Untermensch [...]

, S. 143

[...] Er wird sich schrecklich ausgetobt haben, der Untermensch aus der Affentürkei, der Koch aus der Rauscherstraße mit seinem Hirsch, seinem Hirschfänger [...]

, S. 144

[...] Nicht, daß er sich an nichts erinnern können wird, und davon abgesehen, daß ihm etwas in die Schuhe geschoben werden soll, weil er eben nur ein Koch ist in einem Gasthaus in der Rauscherstraße, ein Untermensch, nein, an manches wird er sich, im ersten Verhör, nach und nach erinnern, an das behutsame Eindringen, in die Wohnung wohlgemerkt, an seine Zärtlichkeiten der schlafenden jungen Frau gegenüber [...]

, S. 145

[...] wieder mit Extrawurst in Essig und Öl, mit Gulasch, Debrezinern und Blutwurst zugange sein wird, der Koch, der sich am Abend vielleicht die druckfrische KRONENZEITUNG mit der Schlagzeile auf der Titelseite: SEXDRAMA IN WIEN-LAND- STRASSE kaufen wird, der andere, der Untermensch [...]

, S. 150

[...] Pah! Wer hat sich angesagt, könnte sich angesagt, könnte sich ins Haus geschlichen haben ? Ein Verspotteter? Ein Beschädigter, ein Versehrter, ein Versehrtensportler? Ein Folkstreuer? Ein Follkoffer? Einer mit Turnschuhen, ein Untermensch, ein Wiener? Ein Kunstmaler aus dem zweiten, ein Koch aus dem zwanzigsten Bezirk, aus der Affentürkei ? Mag er läuten, mag er klingeln [...]

, S. 151

[...] ! Wird die Stiegenhausbeleuchtung, das Ganglicht, ausgefallen sein, oder wird er, wie der Karfreitagsmörder, die Glühbirnen herausgeschraubt haben? Ist er das? Wer ist es, vielleicht schon im Stiegenhaus, wer wird es sein, wird es gewesen sein? Der Untermensch [...]

, S. 152

[...] Diese vielen Untermenschen! Sollen nur kommen [...]

, S. 153

[...] Sind sie das? Nicht die Engländer, die Untermenschen, sind sie das? Schritte auf der Straße, Licht im Stiegenhaus, sind sie das? Kein Licht im Stiegenhaus, ist er das, ist es ein Einzelner? Soll nur kommen [...]

Manker, Invention, S. 205

[...] – Ein Folkstreuer, ein Vollkoffer, der Schattenmann, einer in Turnschuhen, ein Untermensch, ein Wiener, ein Kunstmaler aus dem zweiten, ein Koch aus dem zwanzigsten Bezirk, aus – nicht so schnell, Manker, nicht so großartig, was soll dieser Überlegenheitsrausch, der plötzliche Rap-Gesang, der an Franz Morak als synthetischen Punk-Sänger erinnernde Sprechgesang, diese in die Nacht geleierte Aufzählung? Immer falsch, Manker, immer falsch, wie Sie es auch machen: falsch, ganz falsch [...]

Manker, Invention, S. 208

[...] Das wäre doch ein Spaß nach Ihrem Gusto, alla turca, gewissermaßen, ein kleines Scherzo; ein Scherzo aus der Affentürkei, dem zwanzigsten Bezirk, wo die bösen Köche hausen, die Untermenschen, die Wiener mit Turnschuhen, nicht daß ich etwas gegen Affen hätte, auch gegen die Türkei habe ich nichts, und Wien ist ohnehin eine einzige Affentürkei; nur, wenn man schon in einer Stadt zu Hause ist, sollte man sich so zu benehmen wissen, daß es den Fremden, den Zugereisten nicht stört [...]

Manker, Invention, S. 212

[...] Der Untermensch, der sich in der Haustüre geirrt haben würde? Nein, der sicher nicht, da muß ich mir schon etwas Besseres einfallen lassen [...]

Manker, Invention, S. 218

[...] Diese vielen Untermenschen! Pause, Absatz [...]


Zitiervorschlag:
Untermensch. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.nachrede.664, 2019-02.