Red Label

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Kommentar

Whiskysorte der Marke Johnnie Walker

Textausschnitte

, S. 131

[...] I S T ER DAS, werde ich mich zu spät gefragt haben: Ist er das, ist er es, von dessen Absicht ich noch nichts wissen kann? Der durch die zufällig, oder nicht zufällig? unversperrte Haustüre ins Haus gelangt sein und sich durch das Stiegenhaus in den dritten Stock geschlichen haben wird? Der nach dem Betätigen der Türklingel – man kommt, um nicht zu öffnen – und auf die Frage: Wer ist da ? hin nur wortlos gegen die versperrte Tür zu treten begonnen haben wird ? Dessen schreckliche, riesenhafte Erscheinung, durch den Spion kurz wahrgenommen, sich mir zwar nicht unauslöschlich, aber doch nachhaltig eingeprägt haben wird, die hervorquellenden Augen, die böse funkelnde Brille, im Halblicht, ist er das, der Verspottete, der verspottete Kaufmann, der lange genug verspottete Speditionskaufmann, sportiv gekleidet eigens für dieses Nachtstück, diese Mitternachtseinlage, ist es soweit? Der im Nu die Türe eingetreten, eigentlich aufgetreten haben wird, die hohe Doppelflügeltüre, schon wieder eine hohe Doppeltüre, ich habe mich zum Weiterleben entschlossen, und doch, schon wieder, etwas mit einer hohen Doppeltüre, ohne h-Moll-Messe diesmal, ohne die Hohe Messe von Bach, aber etwas mit Tod schon wieder, mit Todesdrohung zumindest, Umbringensdrohung, Furcht und Unruhe; ist es soweit, wird es passiert sein? Ist er das? Der, beflügelt von Red Bull und Red Label, vor allem aber von RED BULL, wie ein Stier in der Wohnung und unter der Wohnungseinrichtung gewütet haben wird, in einem fort rufend: Wo ist er, wo ist das Schwein, ich bringe ihn um, mit bloßen Händen! Doch wo bin ich? Es ist soweit, aber wo denn ich? Nicht da ich [...]

, S. 139

[...] und sich darangemacht, die Wohnung zu durchsuchen, hätte meiner Beteuerungen, sie würde wohl zuhause sein, bei ihrem Mann, einem Speditionskaufmann, wo denn sonst, nicht achtend, und unter fortgesetzten Rufen wo sie denn sei, die Hure, daß er sie umbringe, überall Nachschau gehalten, in allen Räumlichkeiten, unter Sesseln und Stühlen, in der Brausetasse, im Wasserkessel, hinter dem Wandspiegel, in Lampen verschiedener Größe, in Gläsern und Karaffen, Kannen und Vasen, sogar den feinen Budweiser Bierkrug der Firma Kolarik und Buben hätte er umgekippt, ob nicht seine Frau herausfiele, daß er sie umbringe, die feige, die Feige, wo ist die Feige, ich bringe sie um, immer kleiner macht sie sich, die Feige, SO klein mit Hut, so klein ist sie schon, aber mit bloßen Händen, ich bringe sie um, hätte er geschrieen, herumgeschrieen in meiner Wohnung und gefährlich herumgefuchtelt noch dazu, herumgefuchtelt in der Gegend, in meiner Gegend – Bitte? Warum er in einem Bierkrug, in Vasen, Kannen, Karaffen und Gläsern, in Lampen, hinter einem Wandspiegel, in Wasserkessel oder Brausetasse, unter Stühlen und Sesseln ausgerechnet seine Frau zu finden gehofft hätte? Wie wenn ich, ausgerechnet ich, das gewußt haben würde! Vielleicht, weil sie ganz klein geworden wäre, die Frau, so klein, so klein mit Hut, obwohl sie keine Hüte trägt, wer, wenn nicht ich, wüßte es; in Furcht und Unruhe versetzt, ist jeder auf seine Weise nicht anwesend, nicht da, oder ganz klein, so klein mit Hut eben, oder ohne, oben ohne, ha ha; so gut wie unsichtbar, nicht sichtbar, für einen Brillenträger schon gar nicht, da mögen die Brillengläser noch so böse funkeln, und wenn der Brillenträger, nehmen wir an, ein Kaufmann, nehmen wir an, ein Speditionskaufmann, den es, aus irgendwelchen Gründen, nach Mitternacht noch umtreibt, in den Stunden zuvor nicht nur Red Label [...]


Zitiervorschlag:
Red Label. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.nachrede.648, 2019-02.