Kronprinz Nicu

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Kommentar

Nicu Ceauşescu (1951–1996) wurde in den 1980er Jahren als Nachfolger des rumänischen Diktators Nicolae Ceauşescu aufgebaut. „Sein Image als Frauenheld, seine mangelnde geistige Beweglichkeit und die Unbeliebtheit, auf die der aggressive junge Mann in der Bevölkerung stieß, sollten dieses Vorhaben beträchtlich erschweren“ (Kunze 2000, 244). Er erlag 1996 in Wien den Folgen seines Alkoholismus.

Textausschnitte

Üble Nachrede, S. 116

[...] Neue Brunnenzeitung das private Fotoalbum der hochangesehenen Familie Ceauşescu zu plündern, exklusiv erste Bilder zu liefern (Oben links: Ein ganz gewöhnlicher Straßenräuber, der einen bewaffneten Überfall später als ANTIFASCHISTISCHEN WIDERSTAND ausgab; oben rechts: Der Schlächter in seinem Element: Beim Ochsengrill auf einem Landschloß; links: Mamas Liebling, Kronprinz Nicu: Im Palast ein Vergewaltigungszimmer für die römischen Orgien; rechts: Elena Ceauşescu beim Kartenspiel: SIE mußte immer gewinnen; Mitte: Der BRUNNEN DER WEISHEIT: Billard mit vergoldeten Kugeln), man sichtet die Beute und schreibt, nein, textet, textet die Bildlegenden, driftet ein wenig ab, müde vom Aufruhr rundum, dämmert dahin, stellt sich vor, wie fein es jetzt wäre, wenn einem ein bulgarisches Kleinkind im benachbarten Sofia oder ein holländisches Kleinkind im fernen Utrecht einen bliese, einen ablutschte, da läßt einen ein Geräusch, kein wirkliches Geräusch, ein entworfenes Geräusch hochfahren, doch zu spät; schon hat sich, angesetzt vom Geheimdienst, ein rumänisches Kleinkind saugend des Gliedes bemächtigt, ob des eigenen, so gewaltig sollte es also sein?, ob nicht des eigenen, aber, dem Anschein nach, noch viel gewaltigeren, man weiß es nicht [...]


Zitiervorschlag:
Kronprinz Nicu. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.nachrede.556, 2019-02.