Außenminister

Textausschnitte

Üble Nachrede, S. 115

[...] Man möchte vor Verwunderung nur noch holländisch sprechen oder ungarisch, so schnell ist es passiert! Ach, man ist irgendwo unterwegs, auf einer Fact-Finding-Mission, in Flachslanden, in Rumänien, in welchem Unruheherd dieser Welt auch immer, als Reporter, als Minister, hätte ich schreiben sollen, man ist ein seit Jahrzehnten, ja zeit seines Lebens von Lähmungen und Ausfallerscheinungen geplagter Außenminister, ein Ausfall, ein Totalausfall von Außenminister, man liegt im Brüsseler Hotelbett, um für einige Tage wenigstens, einige Tage nur Schlaf zu finden, vor dem Fenster singt ein Pirol, oder ist es ein Maulesel, der wiehert, oder nichts davon, vielleicht ist es auch still, schwer zu sagen, aber da, plötzlich! ein schmatzendes Geräusch, man weiß nicht woher, der Minister ist nicht im Bilde, aber es ist schon passiert; wie wenn nicht sogar Regierungsmitglieder – es ist komisch, nicht – von rumänischen Kleinkindern belästigt, ja vergewaltigt worden wären! Die rumänischen Kleinkinder, in Flachslanden ausgebildet, sie schrecken vor keinem, vor keinem Glied, welcher Größe immer, zurück; kein Mitglied, kein Regierungs-, kein Redaktionsmitglied, das sie nicht behelligten [...]

Üble Nachrede, S. 116

[...] Wie wenn nicht jeder schon von einem rumänischen Kleinkind belästigt worden wäre, ob ein naturtrüber, naturblöder Reporter, ob ein von den vielen Belästigungen schon völlig fahriger, lallender, ausgesogener, ausgezuzelter Außenminister, Alzheimer Mineral, jetzt auch als Brause, wie wenn nicht jeder schon, ohne das allergeringste Eigenverschulden, einmal wenigstens – so hätte ich, um einer möglichen Inkriminierung zu entgehen, den Sachverhalt dargestellt haben sollen, immer vorausgesetzt, ich hätte geschrieben, hätte das Musil-Stipendium erhalten und hätte geschrieben; zum Glück aber habe ich nicht, nichts von all dem habe ich geschrieben [...]

Üble Nachrede, S. 120

[...] Edith so scheußlich wie die pferdegesichtige, pferdegebissige Ehefrau des Außenministers, das Gebiß der Edith des Außenministers ist eine einzige Obszönität, hätte ich geschrieben [...]


Zitiervorschlag:
Außenminister. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.nachrede.550, 2019-02.