MORDET UND SCHÄNDET

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Kommentar

Ilja Ehrenburg gelangte während seiner Reisen an die deutsch-sowjetische Front zur Überzeugung, dass „die Hitlerarmee in ihrer Gesamtheit“ – und nicht nur SS und Gestapo – „verseucht ist“. Er reagiert mit der Parole „Töte den Deutschen!“, die er in vielen appellhaften Artikeln 1942 variiert. Mord und Schändung sind Verbrechen, die Ehrenburg den Deutschen zuordnet und die er als Rechtfertigung für seine Tötungsaufrufe heranzieht (vgl. Marcou 1996, 210).

Textausschnitte

Üble Nachrede, S. 111

[...] Ich denke beispielsweise an – Hallo? Hallo! Staatsanwalt Sittenthaler? Hallo? Bin ich – Herr Staatsanwalt? Ha-) Im Anschluß an die fundierten Ausführungen des Gerichtes, hätte ich geschrieben, über die Grenzen der Freiheit der Kunst, denke – denke! – der Privatankläger beispielsweise an Ilja Ehrenburg, den zu seinen Lebzeiten meistgelesenen Schriftsteller der Sowjetunion, der in einem Roman, zweifelsfrei einem Kunstwerk, die Soldaten der Roten Armee mit den Worten MORDET UND SCHÄNDET aufgerufen und zu den auf deutschem Boden im Jahre 1945 begangenen Greueln beigetragen habe [...]


Zitiervorschlag:
MORDET UND SCHÄNDET. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.nachrede.536, 2019-02.