Heller

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Kommentar

André Heller (* 1947), österr. Sänger, Liedermacher, Künstler, Autor, Kulturmanager; eine der wiederkehrenden Figuren der Kofler’schen Satire, s. Eintrag ›André Heller‹

Textausschnitte

Üble Nachrede, S. 103

[...] Nicht daß ich feige wäre, aber hätte ich denn, wäre es mir ermöglicht worden, und um den Heller, zu dem mir sonst nichts mehr eingefallen wäre, endlich zu erledigen, schreiben können der Erlöser ein Jude, der nach Hitler größte Verwirklicher und Feuerwerker ein Zuckerljud aus Wien, hätte ich? Ich hätt’s getan, fragt nicht warum; mein Historikerfreund Müller freilich, mein Freund Albert, hat es mir, im Zuge einer Erörterung im Café Engländer, zu schreiben untersagt, trotz allem so nicht, und daran halte ich mich, pardon, hätte ich mich gehalten [...]

Üble Nachrede, S. 120

[...] Der Heller, hätte ich, in der unsinnigen Hoffnung, daß er sich endlich des Universums bemächtigte und die Erde befriedet, aber auch von weiterer Phantasie unbehelligt zurückließe, geschrieben, der Heller ein Saubarthl, ein Saubarthl und nichts sonst [...]

, S. 146

[...] Das Geräusch der Haustüre? Die Türklingel? Hat jemand geläutet, die Türklingel betätigt, jemand, der sich auch ohne Vorankündigung Zutritt, Zutritt und Eintritt verschaffen würde können? Ist er das? Wer wird es gewesen sein, durch das Stiegenhaus heraufgeschlichen, um mich auf-, mich heimzusuchen? Wer ist da, und weswegen? Bitte? Ich hätte etwas ganz Bestimmtes geschrieben, und zwar – Und zwar was? Ich hätte geschrieben: Der Erlöser scheine den Ehrbegriff einer Bedürfnisanstalt zu haben, stumm wie ein Abort, aufnahmefähig wie ein Abtritt; was hätte ich in diesen Heller, wie auch in den anderen, den Haider, was hätte ich in den Haider und den Heller, mehr noch in den Heller als in den Haider schon hineingeschissen und hineingebrunzt, was hätte ich mich in diese ungleichen Brüder im Geiste schon entleert, durchaus lustvoll, ohne jedwede Ekelschranke – kein Widerhall, kein nichts, kein gar nichts, kein Widerhall der Klüfte [...]

Manker, Invention, S. 188

[...] ber, die Magazinschmierer fragen würden, – was dran an der Geschichte vom Eingriff in Johannesburg, bei dem etwas schiefgegangen sein muß? Was muß schiefgegangen sein, und wie: hat sich ein Löffler in eine Löffler, ein Sigurd in eine Sigrid verwandeln lassen wollen, oder eine Löffler in einen Löffler, eine Sigrid in einen Sigismund, was kann der Sigismund dafür, daß er so schön – nein, das geht nicht, also was ist, Manker, woher wissen Sie, wie haben Sie Kenntnis erlangt von diesem Mißgeschick in Johannesburg, haben Sie mit der Löffler geschlafen, oder es zumindest versucht, und sind hereingefallen, und darob verärgert? Ist in diesem Lichte vielleicht eine frühere Äußerung des ERLÖSERS über die Kritikerin Löffler zu sehen, die ihn mit pathologischem Haß verfolge (wogegen, Anmerkung des Verfassers, nicht das geringste einzuwenden ist, im Gegenteil), daß sie IHM, dem Erlöser, vorkäme wie Felix Dvorak als Tootsie, ein Spott, der mich immer schon stutzig gemacht hat, auch deshalb, da er, gelungen, nicht gut vom Heller sein kann? Kann es sein, daß auch der Erlöser versucht hat, die Löffler zu erfreuen, auf daß sie sich erkenntlich zeige, und etwas ist schiefgegangen, kann das sein? Übrigens, Manker, da ich schon genötigt bin, mich mit Ihren möglicherweise bloß aleatorischen Späßen zu befassen, und da Sie sich in Ihrer Darstellungskunst schon bis zum Kokoschka vorgearbeitet haben, einen Gefallen könnten Sie mir erweisen: könnten Sie nicht, zu dessen Lebzeiten noch, den Erlöser spielen, den Heller, so wie Brad Pitt den Heinrich Himmler, was schreibe ich, – den Heinrich Harrer verkörpert: Brad Pitt als Heinrich Harrer in Tibet, Paulus Manker als Andre Heller in China und Hongkong, und hinzu käme Wattens in Tirol; das könnten Sie doch, Manker, die Idee, Ihnen geschenkt [...]

Manker, Invention, S. 189

[...] boten wird, in einem Magazin, dessen Namen auszusprechen ich nicht in der Lage bin, erzählt, was heißt erzählt, andeutet, immer mit den selben drei Sätzen, und woher kennen Sie den Manker, wo haben Sie ihn kennengelernt, in Johannesburg etwa, auch ihn, vor dem Eingriff, vor den Eingriffen? Auch er in Johannesburg? – Aber wie gesagt, Manker, und ausgemacht: Sie spielen, nein, Sie leben den Heller, und ich verzichte auf weitere Ermüdungen [...]

Manker, Invention, S. 194

[...] Ja ja, ein Frisiersalon in der Rennsteinerstraße, neben dem, auch das wird Sie nicht interessieren, neben dem nach Kriegsende aufgelassenen LINDER TONKINO, in dessen früheren Foyer sich zunächst eine Drogerie Eder etabliert hatte und wo später, nachdem die Drogerie Eder in die Räumlichkeiten eines aufgelassenen, übel beleumundeten Gasthauses übersiedelt war, mein Vater, Ihr ungleichzeitiger Kollege, Wohltäter der Menschheit, Sie wissen, nein, Sie wissen natürlich nicht, Sie wollen das nicht wissen, wo mein Vater, der Kaufmann, Linder Kaufhaus Ernst Kofler, dieser, ein Kleidermagazin einrichtete; das Foyer diente als Schauraum, billige – Mäntel, der vormalige Kinosaal als Warenlager, und in diesem lichtlosen, modrigen, abschüssigen Gelände bin ich aufgewachsen, vielleicht deshalb meine Liebe zum Kino, nein, so kann man das auch nicht sagen, ich zumindest nicht, meine Vorliebe für Kinos, TONKINOS zumal, die es nicht mehr gibt, und deshalb vielleicht auch meine Liebe zu den kleinen Städten, Wien, Villach; die wunderbaren Tonfilme, die es damals, in den 30er und 40er Jahren, zu sehen gegeben haben mochte, etwa im Linder Tonkino – HEU- TE: Die drei von der Tankstelle, oder: Hans Albers in Wasser für Canitoga, Der verlorene Sohn, mit Luis Trenker in der Rolle des Tonio Feuersinger, Maskerade oder Bel Ami mit Willi Forst, Das indische Grabmal – ach, ich könnte ins Schwärmen geraten, wenngleich Ihnen, Manker, diese Titel nicht viel sagen werden, aber Sie sind ja auch nicht André Heller [...]


Zitiervorschlag:
Heller. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.nachrede.506, 2019-02.