Sophiensälen

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Kommentar

1847 wurde im 3. Wiener Gemeindebezirk das Sophienbad, ein großes Schwimmbad, eröffnet, winters wurden im „Sophienbad-Saal“ Bälle und Konzerte veranstaltet, hier fanden zahlreiche Uraufführungen von Werken Johann Strauß’ Sohn statt. Der Badebetrieb wurde 1909 eingestellt, mehrere Erweiterungen führten zum Begriff Sophiensäle. Bis zum Brand 2001, der den Großteil des Gebäudes zerstörte, fanden hier Bälle, Ausstellungen und in den 1990ern vermehrt „Clubbings“ statt.

Textausschnitte

Üble Nachrede, S. 99

[...] – Ich hätte geschrieben: Udo Jürgens, ein Kretin, Peter Alexander, ein Untermensch, nein, falsch, hätte ich gar nicht, Peter Alexander, ein Kretin, Udo Jürgens, ein Untermensch, so hätte ich es geschrieben; die Fidelen Mölltaler: In die Möll mit ihnen, die Zillertaler Schürzenjäger: An die Wand mit ihnen, an die Steilwand, am besten öffentlich und im Fernsehen übertragen, im Rahmen eines Freiluftkonzertes vor hunderttausend Besuchern, hätte ich geschrieben, schreibend vorgeschlagen, wäre ich nicht jeweils in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, einsetzend gegen Mitternacht, von plötzlicher Unruhe unter dem Fenster, großem Lärm auf der Straße aufgestört worden, von den Geräuschen vieler, vieler Autos, im Schrittempo dahinund herumfahrend, herumfahrend in der Gegend, dahin kriechend, herumirrend auf der Suche nach einer Parkmöglichkeit, aufgestört vom Lärm zugeschlagener Autotüren, von Zurufen und erwartungsvollem Geschnatter junger Menschen, Menschen, nun ja, in dieser sonst nächtlich stillen Gegend, aufgestört von einer Masse von Individuen, von Klonen und Automaten, jungen Leuten, freilich ganz besonderen jungen Leuten, die einem sogenannten Clubbing in den nur wenige Straßen entfernten Sophiensälen [...]


Zitiervorschlag:
Sophiensälen. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.nachrede.470, 2019-02.