in einer Literaturgeschichte

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Kommentar

Kofler zitiert hier aus der Einführung Hilde Spiels in den von ihr herausgegebenen Band der Kindler-Literaturgeschichte zur zeitgenössischen Literatur Österreichs (1976): „Im ›Thonhof‹ von Maria Saal […] hatte sich um diese Zeit [um 1960] ein Kreis zusammengefunden, der in die gesunde kärntnerische Landschaft einen Hauch verräucherter Bohème trug“ (Spiel 1976, 92).

Textausschnitte

Üble Nachrede, S. 97

[...] Alle diese unwürdigen Greise, die den Anschein ungebrochener Jugend vor sich herzutragen sich bemühen, ob durch rabenschwarz gefärbte Haare wie beim Salonkünstler und Lautgedichtemacher im Volkston, ob durch ein zur Annahme, sich ausschließlich und nicht zu knapp von Stierhoden zu ernähren, berechtigendes Auftreten, wie beim kanadischen Künstliche-Intelligenz-Popanz, sie alle, hätte ich in einer für Dritte wahrnehmbaren Weise geschrieben, sie, die in Maria Saal, einer jahrtausendealten allerersten keltisch-römischen Adresse, eigentlich nichts verloren haben, verloren gehabt hätten, außer ungebetenerweise einen Hauch von verräucherter Boheme in die Landschaft zu tragen – nicht, daß ich nicht den Hut zöge, hätte ich einen: einen Hauch eines verräucherten Begriffes irgendwohin, oder nein, nicht irgendwohin, in den Tonhof zu Maria Saal, dorthin, zu tragen, und das gedruckt, in einer Literaturgeschichte, und von Hilde Spiel herausgegeben, und verlegt bei Kindler, das macht einen tonlos vor Erstaunen –, sie alle sind diesem Schweinepriester, dem Novalis der Töne, dem Privatankläger natürlich sofort beigesprungen, sogleich zu Hilfe gekommen, kein Eintondichter läßt einen anderen im Stich [...]


Zitiervorschlag:
in einer Literaturgeschichte. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.nachrede.446, 2019-02.