Zeichen und Bedeutung

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Kommentar

Zeichen, Bedeutung: Begriffe, die in ihrer Beziehung zueinander zentral sind für den linguistischen Strukturalismus, s. Eintrag ›Zeichen und Bedeutung‹

Textausschnitte

Herbst, Freiheit, S. 49

[...] Roic Raimund, Kellner, Mayr Harald, sie heißen zwar auch in Wirklichkeit so, aber eben in Wirklichkeit! Zeichen und Bedeutung, verstehen Sie? Ein gefährliches Spiel dennoch, Sie bleiben dabei? Mag sein [...]

Herbst, Freiheit, S. 61

[...] Sie und Ihre Erfindungen, erstunken und erlogen, Zeichen und Bedeutung, wenn ich das nur höre! Sie kommen mir vor wie ein Dichter, der nicht mehr weiß, was er schreiben soll, und mit mäßigen Späßen, beliebigen Erfindungen sich über die Zeit retten will [...]

Üble Nachrede, S. 93

[...] Wie wenn nicht jeder schon einmal sein gewaltiges Glied in den Mund eines rumänischen Kleinkindes gesteckt hätte! Mit diesem Satz hätte ich, wäre mir das sogenannte ROBERT-MUSIL-STI- PENDIUM, das mich für einige Jahre der schlimmsten wirtschaftlichen Sorgen entledigt hätte, zugesprochen worden, meine Denkschrift Meister der üblen Nachrede beginnen lassen; hat nicht jeder von uns, hätte ich die Abhandlung, die auch den Titel Zeichen und Bedeutung oder Kunst und Vergehen hätte haben können, fortgesetzt, hat nicht jeder von uns schon einmal einer Hexenverbrennung beigewohnt – gleichgültig, ob er nun, wie der Sensationsreporter Jeanescu, zur Vervollkommnung des Eindrucks während des Zusehens einem rumänischen Kleinkind sein gewaltiges Glied in den Mund steckt, oder nicht –, ohne sich deshalb gleich, wie der Privatankläger Jeanescu, in einer für einen Dritten wahrnehmbaren Weise eines unehrenhaften und gegen die guten Sitten verstoßenden Verhaltens sowie verächtlicher Eigenschaften und Gesinnungen geziehen zu wissen? Ist es nicht das Allernatürlichste, während der Verbrennung einer Frau als Hexe einem Kleinkind sein Glied in den Mund zu stecken, etwa, um es zu beruhigen, das Kind, oder auch das Glied, oder beide [...]

Üble Nachrede, S. 115

[...] Wie wenn nicht jeder schon am Kramberg sich Erleichterung verschafft und sich anschließend mit der Süddeutschen Zeitung gesäubert hätte, so hätte ich, um-, nein hätte ich gar nicht; Wie wenn nicht jeder schon einmal sein gewaltiges Glied plötzlich im Mund eines rumänischen Kleinkindes wiedergefunden hätte, wie wenn nicht jeder schon von einem rumänischen Kleinkind belästigt worden wäre!, so hätte ich, um einer Anklage wegen übler Nachrede, dem Vorhalt einer tatbildlichen Äußerung, einer unwahren Tatsachenbehauptung, zu entgehen, in meiner Abhandlung Zeichen und Bedeutung den Sachverhalt darstellen sollen; so schnell kann man gar nicht schauen, hätte ich, hätte ich denn, aber habe ich?, mit den Mitteln des Musil-Stipendiums, geschrieben, schreiben sollen, so schnell kann man nicht schauen, schon hat einem ein rumänisches Kleinkind ein gewaltiges Glied angeschnallt, um es unverzüglich in den Mund zu nehmen [...]

, S. 149

[...] Nein, würde er gar nicht, nicht so; Polizisten stellen solche Überlegungen nicht an, und freiheitliche schon gar nicht; sich, unter Amtsmißbrauch, Zutritt zu einer Wohnung verschaffen, das ja, sonst wäre es mir nicht eingefallen, jemandem, in Notwehr, das Maul zu stopfen, wie es heißt, das vielleicht, aber Zeichen und Bedeutung? Da müßte ich die Bewegung auf den Gerichtsweg verweisen [...]

, S. 151

[...] ! Wird die Stiegenhausbeleuchtung, das Ganglicht, ausgefallen sein, oder wird er, wie der Karfreitagsmörder, die Glühbirnen herausgeschraubt haben? Ist er das? Wer ist es, vielleicht schon im Stiegenhaus, wer wird es sein, wird es gewesen sein? Der Untermensch, der sich in der Haustüre geirrt haben würde? Sollte der Untermensch nicht im Gefängnis sitzen, schmachten, schmachtende Lieder singen, Flieg, Gedanke; flieg, du Frau, zum Fenster hinaus, oder hinab, nein? Aus der Haft entwichen, ein aus dem Strafvollzug Entflohener, aus dem sogenannten Entlassungsvollzug sich davongestohlen Habender? Ein aus dem Gefängnis entsprungener, ein aus einem Buch Entsprungener gar? Aus einem Buch entsprungen und in Freiheit, entsprungen und auf dem Weg zu mir? Auf dem Weg zu mir, um Rache zu üben? Rache wofür? Weswegen? Zeichen und Bedeutung [...]


Zitiervorschlag:
Zeichen und Bedeutung. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.nachrede.402, 2019-02.