ROBERT-MUSIL-STIPENDIUM

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Kommentar

Die Kunstsektion des österr. Bundeskanzleramts vergibt seit 1990 di eses Langzeitstipendium, das jeweils drei SchriftstellerInnen über drei Jahre hinweg durch monatliche finanzielle Zuwendungen das kontinuierliche Arbeiten an einem größeren Projekt ermöglichen soll. Zu Beginn der Aktion wurde ein Stipendium mit monatlich 15.000 Schilling ausgelobt (vgl. Goubran 1997, 117).

Textausschnitte

Üble Nachrede, S. 93

[...] Aber um den Privatankläger Jeanescu ein weiteres Mal verächtlich zu machen und herabzusetzen, mich weiter, nur weiter jetzt und guten Mutes, über geschützte Rechte Dritter rücksichtslos hinwegzusetzen, hätte ich, mit den Mitteln des Musil-Stipendiums [...]

Üble Nachrede, S. 96

[...] Ich hätte – wer, wenn nicht ich, der Verstoßene, der, ohne Einlaß, Herberge, Heimat, Unterweisung, ja bloße Bekanntschaft begehrt oder erfleht zu haben, dennoch oder gerade deshalb Verstoßene –, ich hätte, mit den Mitteln des Musil-Stipendiums [...]

Üble Nachrede, S. 98

[...] Den Privatanklägern und Privatanklagevertretern, den Privatanklägern und Romanfiguren hätte ich die Ehre abgeschnitten, sämtlichen Romanoder Kunstfiguren, die sich in Privatanklä- ger zurückverwandeln, zurück in die Niederungen des Alltäglichen und Gewöhnlichen, und sämtlichen Privatanklägern, die ich durch den Kunstgriff der Ehrabschneidung und der üblen Nachrede in Romanund Kunstfiguren verwandelt hätte, emporgehoben zur Freiheit, zur Freiheit der Kunst, ins Reich der Zeichen; und würden diese Romanund Kunstfiguren sich neuerlich in Privatankläger zurückverwandelt haben, hätte ich, zur Fertigstellung meines Romans, sogar um die Zuerkennung eines zeitlich unbefristeten Musil-Stipendiums [...]

Üble Nachrede, S. 115

[...] Wie wenn nicht jeder schon am Kramberg sich Erleichterung verschafft und sich anschließend mit der Süddeutschen Zeitung gesäubert hätte, so hätte ich, um-, nein hätte ich gar nicht; Wie wenn nicht jeder schon einmal sein gewaltiges Glied plötzlich im Mund eines rumänischen Kleinkindes wiedergefunden hätte, wie wenn nicht jeder schon von einem rumänischen Kleinkind belästigt worden wäre!, so hätte ich, um einer Anklage wegen übler Nachrede, dem Vorhalt einer tatbildlichen Äußerung, einer unwahren Tatsachenbehauptung, zu entgehen, in meiner Abhandlung Zeichen und Bedeutung den Sachverhalt darstellen sollen; so schnell kann man gar nicht schauen, hätte ich, hätte ich denn, aber habe ich?, mit den Mitteln des Musil-Stipendiums, geschrieben, schreiben sollen, so schnell kann man nicht schauen, schon hat einem ein rumänisches Kleinkind ein gewaltiges Glied angeschnallt, um es unverzüglich in den Mund zu nehmen [...]

Üble Nachrede, S. 117

[...] Patsch und andere angeleitet haben, das Musil-Stipendium an jene Soundso-Berts, Bertolo da, Bertolo dort, zu vergeben; (vergeben, jawohl vertan, dahin die Chance, mich, und wäre es mit den Mitteln des Musil-Stipendiums, zum Schweigen zu bringen; zu spät, zu spät!) An meiner Stelle schreibt jetzt Robert Schneider, und wie er schreibt! Gut, er ist ausgebildeter Schreibergeselle, er hat eine Schreiberlehre erfolgreich abgeschlossen, er versteht sich auf die Sargtischlerei [...]

Üble Nachrede, S. 118

[...] Meine Güte, was für ein Schreiber! Er wird sich noch den Tod holen vom vielen Schreiben, von der vielen Musil-Stipendiums-Schreiberei, in seiner zugigen Werkstatt, ja, er wird sich sicher den Tod holen, wenn er so weiterschreibt, da hilft keine Milch, keine Schokolade; wenn er so weiterschreibt, wird er nicht einmal das Musil-Stipendium überleben, und Arnold Schwarzenegger, Eliette von Karajan und Joseph Vilsmaier werden, in der dafür viel zu kleinen Gemeinde Eschbach, den Trauerzug anführen [...]

Üble Nachrede, S. 121

[...] Ich hätte, mit den Mitteln des Musil-Stipendiums, kein Halten gekannt [...]


Zitiervorschlag:
ROBERT-MUSIL-STIPENDIUM. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.nachrede.398, 2019-02.