WIENER

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Kommentar

Seit 1980 bestehendes „Zeitgeist“-Monatsmagazin für eine männliche Zielgruppe

Textausschnitte

Manker, Invention, S. 200

[...] hören kann, freilich wäre interessant zu erfahren, welche Maler, neben Schönberg, in Bergs Leben getreten – Zimmermaler? Kunstmaler? Maler und Anstreicher? Schildermaler? Manfred Bockelmann? Alma Maler-Werfel? Die hats doch oft mit Malern gehabt, Kokoschka und so, muß ich Ihnen nicht sagen, Maler, Manker, pardon, nein, war natürlich Absicht, Sie wissen; oder kann es sich bei Schönberg und Maler um frühe Auswirkungen, erste Anzeichen der Rechtschreibreform handeln, Zimmermaler, Gustav Mahler, einerlei? Nein, es wird doch die Geisteslandschaft in und um Villach sein, und ihr Zentralorgan, die Zeitschrift VILLACHER – Wien hat den WIENER, Villach den VILLACHER, jedem das seine – die Auswirkungen der Geisteslandschaft, daß Schönberg und Maler, und als oftmaliger Jausengast Doktor Slibowitz –, die Geisteslandschaft, in der ich Sie strafweise Ihre Alma-Produktion aufführen lassen werde, im Seehof, falsch, im Berghof am Ossiachersee oder in der Burgarena Finkenstein, einer auch in der Teigwarenherstellung – Finkensteiner Eiernudel – ersten Adresse; Finkensteiner Eiernudeln / schmecken gut / und stinken fein [...]

Kalte Herberge, S. 245

[...] – Nach etwa zwei Stunden entsteht unten Bewegung, die Zuschauer werden aus dem Gefahrenbereich gewiesen, wie wenn der Polizeieinsatz, die Belagerung, was immer, in eine entscheidende Phase getreten wäre, ohne daß freilich Scharfschützen in Deckung gingen und über ein Megaphon die Aufforderung, sich zu ergeben, gerufen würde; stattdessen wird irgendein Kerl aus dem Haus geführt, ein fünfunddreißigjähriger Wiener, wie später zu lesen sein wird, ein Wiener jener Sorte wahrscheinlich, die Säuglinge kurzerhand abmurksen, in eine Blumenvase stopfen und irgendwo in Niederösterreich, wo sonst, verscharren, um weiterhin ungeniert das Kindergeld zu beziehen und kostengünstig in Sozialwohnungen der städtischen Wohnhäuserverwaltung, Wiener Wohnen, WIENER [...]

Kalte Herberge, S. 247

[...] Würde es zumindest im Winter geschehen sein!, Ende Januar etwa, wie in einem anderen, nachfolgenden und doch gleichen Fall, in einem anderen, der städtischen Wohnhäuserverwaltung, WIENER WOHNEN, WIENER WOHNEN INFORMIERT, unterstellten Stiegenhaus geschehen – Freund stach Kellnerin ein Auge aus, Wiener lauerte im Stiegenhaus; ein feiner Freund, einen solchen Freund hätte wohl eine jede gern, und wo sonst sollte ein Wiener lauern, wenn nicht im Stiegenhaus eines Stiftungshauses, noch dazu ein glotzäugiger junger Vorstadtkretin wie dieser, ein gewisser Fichtinger; wie das Messer, ein Fixiermesser diesmal, kein Küchenmesser, wie das Messer in seine Hand geraten sei, wisse er nicht, wie er ja überhaupt nichts mehr wisse, außer, daß er seine frühere Lebensgefährtin bloß habe beruhigen wollen, würde er sich später vor Gericht verantwortet haben; würde die Bluttat im Landstraßer Stiftungshaus im strengen Winter geschehen sein, der Gewalttäter würde sich nicht verschanzt und mit seinem Fenstersturz gedroht haben, da er das Glatteis unten gefürchtet haben würde, die Blutlachen in der Toreinfahrt und vor dem Haustor würden zwar auch nicht entfernt worden sein, auch im Winter würde sich keine Hausmeisterhand gerührt haben, aber das Blut würde bald gefroren sein und würde keine Fliegen und schon gar nicht, wie im Spätsommer, Fliegenschwärme angelockt haben [...]


Zitiervorschlag:
WIENER. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.manker.996, 2019-02.