Alma

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Kommentar

Alma Mahler-Werfel (1879–1964), Tochter des Malers Emil Schindler, kompositorische Ausbildung, 1902 Heirat mit Gustav Mahler, 1938–1940 Flucht aus Österreich in die USA mit Franz Werfel. Das Bild des „Phänomens“ Alma Mahler-Werfel (Seele 2001 , 7) wird von ihren Ehen und Liaisons mit großen Künstlern geprägt (Zemlinsky, Pfitzner, Kokoschka, Gropius, Mahler, Werfel), woran ihre Selbststilisierung als genial veranlagte Muse, die ihr eigenes künstlerisches Schaffen zugunsten der Familie und der jeweiligen Genies zurückstellte (vgl. Mahler-Werfel 1960; Marchl 2009), gewichtigen Anteil hatte. Der israelische Dramatiker Joshua (Jehoschua) Sobol (* 1939) goss die Lebensbeschreibung Mahler-Werfels in ein Stationendrama: Alma – A Show Biz ans Ende (1999, ungedruckt). Das Stück trug die Alma-Legende international weiter. Nach der ersten Station, dem Sanatorium Purkersdorf, durchwanderte die Inszenierung eine weltweite Tournee: Berlin, Semmering, Wien, Lissabon, Los Angeles, Prag. 2015 feierte die Inszenierung in Wiener Neustadt ihr 20-jähriges Jubiläum.

Textausschnitte

Manker, Invention, S. 166

[...] Ist er das, werde ich mich zu spät gefragt haben, IST er das, ja, gut, weiter, ist ER es, jawohl, von dessen Absicht ich noch nichts wissen kann?, ja, weiter, aber nicht so schnell, nicht so achtlos, – der durch die zufällig, oder nicht zufällig unversperrte Haustüre ins Haus gelangt sein und sich, mehr Betonung, Manker, con espressione, sich durch das Stiegenhaus in den dritten Stock geschlichen haben wird? Der nach dem Betätigen der Türklingel nur wortlos gegen die versperrte Türe – müssen Sie das wirklich dermaßen herunterleiern, wie wenn Sie es eilig hätten, eilig, den nächsten Termin einzuhalten, im Sanatorium Hoffmann in Purkersdorf wahrscheinlich, oder wo immer, die Alma läuft Ihnen schon nicht davon, soviel Zeit muß sein, Mahler, pardon, Manker, die Alma kann warten, die Namensgeberin eines fürchterlichen vorarlbergischen Streichkäses, der einem in der Schule, auf dem von der Mutter bestrichenen und eingepackten Jausenbrot entdeckt, die große Pause nachhaltig verderben konnte, Alma Rahm, pfui Teufel, Tante Trude aus Buxtehude, kann warten, Manker, die Alma-Käse-Produktion, der glänzende Einfall, das Lustwandeln des Premierenpublikums, des von Klatschkameras begleiteten, im stillgelegten, verrotteten Sanatorium, nicht so leiern, so achtlos über den Text hinweglesen, nicht, nicht herunterleiern: [...]

Manker, Invention, S. 199

[...] Zum Irrsinnigwerden! Aber warten Sie nur, warten Sie, zur Strafe werde ich Sie Ihre ALMA, Ihr sogenanntes Polydrama nicht im Sanatorium Purkersdorf, sondern in der Burgarena Finkenstein aufführen lassen, die Alma [...]

Manker, Invention, S. 200

[...] hören kann, freilich wäre interessant zu erfahren, welche Maler, neben Schönberg, in Bergs Leben getreten – Zimmermaler? Kunstmaler? Maler und Anstreicher? Schildermaler? Manfred Bockelmann? Alma Maler-Werfel? Die hats doch oft mit Malern gehabt, Kokoschka und so, muß ich Ihnen nicht sagen, Maler, Manker, pardon, nein, war natürlich Absicht, Sie wissen; oder kann es sich bei Schönberg und Maler um frühe Auswirkungen, erste Anzeichen der Rechtschreibreform handeln, Zimmermaler, Gustav Mahler, einerlei? Nein, es wird doch die Geisteslandschaft in und um Villach sein, und ihr Zentralorgan, die Zeitschrift VILLACHER – Wien hat den WIENER, Villach den VILLACHER, jedem das seine – die Auswirkungen der Geisteslandschaft, daß Schönberg und Maler, und als oftmaliger Jausengast Doktor Slibowitz –, die Geisteslandschaft, in der ich Sie strafweise Ihre Alma-Produktion aufführen lassen werde, im Seehof, falsch, im Berghof am Ossiachersee oder in der Burgarena Finkenstein, einer auch in der Teigwarenherstellung – Finkensteiner Eiernudel – ersten Adresse; Finkensteiner Eiernudeln / schmecken gut / und stinken fein [...]


Zitiervorschlag:
Alma. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.manker.776, 2019-02.