Kolarik und Buben

Textausschnitte

, S. 128

[...] gekommen der ordinäre Budweiser Bierkrug, ein mir liebes Werbegeschenk der Firma Kolarik und Buben, umgeworfen ein Küchentisch, kaputt alles, was sich darauf befunden, Teekannen aus Porzellan und Teekannen aus Steingut, Teeund Kaffeetassen, Blumenvasen, Karaffen, Teller, Untertassen, alles mögliche, mit einem einzigen Wurf zerstört der schwere Wasserkessel aus Stahlblech, vom Herd genommen und in die Brausetasse geschleudert, gedroschen, schon wieder eine beschädigte Tasse, an mehreren Stellen abgesplittert die Emaillierung - nicht alle Tassen im Schrank gehabt -, nach innen verformt das Stahlblech von der Wucht des Aufpralls, – diese Kraft!, diese an Raserei und Irrsinn gemahnende Kraft! –, aufgerissen alle Türen, wo ich denn sei, daß er mich umbringe, mit bloßen Händen umbringe, großer Lärm, Furcht, Unruhe, wo denn ich, wohin denn ich, in Furcht und Unruhe versetzt, Krachen und Bersten, großer Lärm, unsichtbar gemacht ich mich, an mir vorbeigestürmt der plötzlich eingedrungene, entkommen, ausgewichen ich, auf den Hausflur entkommen ich und zum Nachbarn gelaufen, um Hilfe zu erbitten [...]

, S. 136

[...] Es läutet, ich gehe, um nachzusehen, wer um diese Zeit Einlaß begehrt, und ob überhaupt, und siehe da, es ist, ein Schreck durchfährt mich, es ist jener Exportoder Speditionskaufmann, der mir aus einer Jahre zurückliegenden ungewollten, unerwünschten, mutmaßlich auf eine Intrige zurückzuführenden Begegnung im sogenannten Beatrixstüberl in der Ungargasse, in das ich alle zehn Jahre vielleicht einmal gerate, flüchtig bekannt ist, ein, meiner Erinnerung nach, eher kleiner, dicklicher, um nicht zu sagen runder Mensch mit sogenannten Glupschaugen hinter dicken Brillengläsern, und einer, so mein Eindruck, etwas infantilen, also in einem fort saugen wollenden Mundpartie, der Schreck aber durchzuckt mich weniger des Erkennens, des Wiedererkennens wegen, sondern weil dieser Kaufmann in den dazwischenliegenden Jahren gut einen Meter größer geworden zu sein scheint, so groß, so bedrohlich, so zu allem entschlossen steht er vor meiner Türe, und böse funkeln die Brillengläser, oder die runden hervorquellenden Augen dahinter, oder beide, was weiß denn ich, ich bin kein Augenarzt (und wäre ich einer, die Ordination wäre nachts geschlossen – nein, wäre überhaupt geschlossen, denn einmal dem Fehlläuten der Glocke gefolgt, – es ist bekannt, was es nicht, was es nie wieder ist), und er scheint auch getrunken zu haben, nicht nur Wein, nicht nur Whisky, RED LABEL, das machte ja nichts, dagegen wäre nichts zu sagen, nein, er hat R E D B U L L getrunken, getrunken, nun ja, eingenommen, eingenommen über Tage, möglicherweise Wochen, um sich zu stärken, vorzubereiten, einzustimmen für den großen Auftritt, den bald schon, schnell gelungenen Auftritt der Wohnungstüre, der Eingangsflügeltüre, wie denn auch nicht, dermaßen beflügelt; die Firma RED BULL macht ihre Aufwartung in Gestalt eines verspotteten, aber plötzlich zum Riesen gewordenen kleinen Kaufmannes, und das des Nachts; die Firma Kolarik und Buben, die Bierauslieferung – die einzige Firma, mit der ich im Benehmen bin – stellt, nach Vereinbarung, am Nachmittag zu, und was so fein ist: Nie fiele es ihnen ein, die Türe aufzutreten [...]

, S. 138

[...] Er zerstörte, was ihm in die Hände geriet, er zertrümmerte den Wasserkessel, beschädigte die Brausetasse, er zerschlug Kannen und Tassen, Vasen und Karaffen, Teller und Aschenbecher, er warf Sessel und Stühle gegen Wände oder Türen, er zerschlug einen original Budweiser Bierkrug von der Firma Kolarik und Buben und den zufällig dahinter sich befunden habenden Wandspiegel samt Rahmen, er beschädigte oder machte kaputt verschiedene Lampen, er ließ Gläser und Flaschen, volle wie leere, auf dem Fußboden zersplittern, er mißhandelte schließlich, in meiner Wohnung! seine Frau, indem er ihr fahrlässig einen Einriß eines Fingernagels beibrachte, er beschädigte, genaugenommen ohne Absicht, seine Frau, aber er machte sie nicht kaputt – freilich hat er in meiner Wohnung nicht nur nichts zu suchen, sondern auch nichts und niemanden zu beschädigen oder gar kaputtzumachen [...]

, S. 139

[...] und sich darangemacht, die Wohnung zu durchsuchen, hätte meiner Beteuerungen, sie würde wohl zuhause sein, bei ihrem Mann, einem Speditionskaufmann, wo denn sonst, nicht achtend, und unter fortgesetzten Rufen wo sie denn sei, die Hure, daß er sie umbringe, überall Nachschau gehalten, in allen Räumlichkeiten, unter Sesseln und Stühlen, in der Brausetasse, im Wasserkessel, hinter dem Wandspiegel, in Lampen verschiedener Größe, in Gläsern und Karaffen, Kannen und Vasen, sogar den feinen Budweiser Bierkrug der Firma Kolarik und Buben [...]

Manker, Invention, S. 160

[...] Aber ordinär oder nicht, Budweiser Bierkrug, ein mir liebes Werbegeschenk, Manker, oder haben Sie nie ein Ihnen liebes Werbegeschenk der Firma Kolarik und Buben, Bierverlag, besessen, nein? Nein, nicht Kolarik und Söhne, Kolarik und Buben, Buben ist der Name des Compagnons, des Firmenmitbegründers, aus Böhmen, Buben, wie Bubnik, ein seinerzeit weltberühmter Eishockeyspieler [...]


Zitiervorschlag:
Kolarik und Buben. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.manker.746, 2019-02.