Jude Goebbels

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Kommentar

Koflers Setzung deutet das „historische Problem der Nationalsozialisten“ (Bering 1991, 142) an: Bedingt durch die Unmöglichkeit, das „Jüdische“ auf rassistische Weise – etwa über physische Merkmale – zu definieren, weil die meisten Menschen jüdischen Glaubens an ihrem Äußeren nicht zu erkennen waren, ergaben sich Widersprüchlichkeiten – etwa, dass die „schärfsten Vertreter physiognomischer Diffamierungen selbst zur Zielscheibe der von ihnen popularisierten Stereotype wurden“ (Thurn 2015, 141). Im Falle Goebbels’ war seine Gehbehinderung Ausgang von Spekulationen über eine „jüdische Abstammung“, die etwa in folgendem Flüsterwitz Ausdruck fanden: „Lieber Gott, mach mich blind, daß ich Goebbels arisch find“ (Bering 1991, 432).

Textausschnitte

Manker, Invention, S. 203

[...] Was flüstern Sie schon wieder, Manker? Können Sie ein Flöten von einem Flüstern nicht unterscheiden? Hätte ich schreiben sollen: In dubio pro arte, flüsterte er, damit Sie das Mündchen spitzen und flötend dem Hohn, dem befürchteten, freien Lauf lassen, etwas lauernd, etwas spielerisch und durch und durch schwul, die Freiheitlichen sind doch alle auf verquere Art schwul, nur wollen sie es nicht wissen, können es nicht wissen, allein das Flöten überfuhrte zumindest den freiheitlichen Einzeltäter, die Vorgängerorganisationen der Bewegung haben es ja auch nicht gewußt, nicht wissen wollen, da hat den einen der angebliche Jude Goebbels so wenig geholfen, wie den anderen der Jude Sichrovsky hilft, SADIEREN, Manker, mit dem Opfer herumspielen, bevor man zur Sache kommt, und deshalb FLÖTEN, und deshalb FLÜSTERN nicht [...]


Zitiervorschlag:
Jude Goebbels. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.manker.1012, 2019-02.