Johannes Trojer

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Kommentar

Johannes Trojer (1935–1991), österr. Schriftsteller, ab 1964 Leiter der Volksschule Innervillgraten in Osttirol, bekannt als profunder Kenner der Regionalgeschichte und Volkskunde, Verfasser gesellschaftskritischer Aufsätze und Glossen, Herausgeber der Kulturzeitschrift Thurntaler (1977–1987)

Textausschnitte

Herbst, Freiheit, S. 85

[...] Hier, ich über einem traurigen Bild, einem Krankenhausbild, ich in Trauer, Freude, Zuversicht, ich im Krankenhaus, im Krankenhaus Lienz, nein, nicht als Kranker, nicht als Todgeweihter, das Buch DER HIRT AUF DEM FELSEN neben sich, auf dem Nachttisch, und nicht mehr in der Lage, darin zu lesen; nein, als Besucher, ein Krankenbesuch, ein letzter Besuch, um genau zu sein, ich besuche den armen Hansl, meinen Freund, Johannes Trojer, Dorfschullehrer in Innervillgraten, den Adressaten des letzten Briefes des bis zu seinem frühen Tode geringgeachteten, dann aber, nachher, post mortem, maßlos und unangebracht und unanständig gefeierten, freilich auch von Rotzbuben verspotteten Dichters Norbert Conrad Kaser; diese grauenvolle Nachmittagsund Krankenzimmermelancholie, in der ich eine Stunde ausharre, am Krankenbett, am Sterbebett, in still schweigendem Entsetzen [...]


Zitiervorschlag:
Johannes Trojer. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.herbst.390, 2019-02.