Heinar Kipphardt

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Kommentar

Heinar Kipphardt (1922–1982), deutscher Schriftsteller, Vertreter des Dokumentartheaters; posthum wird sein Stück Bruder Eichmann (s. Eintrag ›Bruder Eichmann‹) uraufgeführt

Textausschnitte

Herbst, Freiheit, S. 69

[...] de vergewaltigt, indem irgendein dumpfer Kerl seine Schweiß- und Schweinsfüße hineinzupressen trachtet; werden sie auf dem Schwarzmarkt, auf dem Flohmarkt feilgeboten werden, oder wird ein gnädiges Schicksal sie, achtlos, und aus Unverständnis, weggeworfen, wenigstens auf der Müllkippe landen lassen, landen ist gut, auf dem Müllhaufen der Literaturgeschichte, die Schuhe, mit denen ich, zwei Wochen vor dem Unglück, tagelang in Neapel herumgegangen war, ohne daß ein Straßenräuber sie mir abgenommen hätte – wie auch, Neapel ist nicht Magdeburg, nicht Deutschland –; dahin – jetzt fällt es mir ein – ferner mein Telefonregister, mit Namen, die den Dieben nichts sagen werden, große Namen, Ingrid van Bergen oder Heinar Kipphardt, Brigitte Heinrich oder Christian Schulz-Gerstein, Namen und Adressen von Genossen also, Untergrundkämpfern, Bräuten; verloren auch – jäh fahre ich hoch im Bett, im kalten Herbergsbett – die Wohnungsschlüssel, auch sie haben sich in der Unglückstasche befunden [...]


Zitiervorschlag:
Heinar Kipphardt. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.herbst.282, 2019-02.