naturgemäß

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Kommentar

„Naturgemäß“ gilt als „Signalwort“ für die Literatur Thomas Bernhards (vgl. u.a. Piechotta 1982).

Textausschnitte

Herbst, Freiheit, S. 54

[...] Die Spur führt übrigens in den Süden, nein, nicht übrigens, naturgemäß, naturgemäß in den Süden, über Tarvisio, ja Udine hinaus, tief in den Süden [...]

Üble Nachrede, S. 105

[...] Es ginge auch: Die Kunst und ihre Lehre sind frei, es ginge: Die Lehre, Verzeihung, die Ehre ist kein notwehrfähiges Gut, es ginge sogar: Kunst hat mit Können und Schönheit zu tun, ein selbst unter Freiheitlichen verworfener Vorschlag, obwohl: Können und Schönheit, warum denn nicht, wenn einer, wie ich, es kann, Können ist gut, Schönheit ebenso, aber was hätte das mit den Freiheitlichen zu tun, die Freiheitlichen sind naturgemäß das Gegenteil der Schönheit, die Freiheitlichenkunst ist der Kunst kunstgemäß entgegengesetzt, die WernerLösslKunst der Kunst entgegengesetzt, die Freiheitlichenund WernerLösslKunst ist die Kunstgewerbe [...]

Üble Nachrede, S. 110

[...] Wie? Vorzüglich, vorzüglich, muß sofort verboten werden, sagen Sie? Verbieten natürlich, aber wieso vorzüglich? Natürlich muß verboten werden, naturgemäß, aber warum vorzüglich, das wäre interessant zu erfahren [...]

Manker, Invention, S. 174

[...] Die Pause, Manker, wo ist sie? Pause? Keine Pause? Keine Pause, warum denn auch, wozu denn auch? Wie denn auch! Pause? Natürlich nicht, naturgemäß [...]

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 331

[...] Kein RAUCH DES SOMMERS mehr durch Tabak aus dem TIEFLAND, nein? Kein RAUCH DER WOHNWAGEN, kein Rauch aus den Wohnwagen, keine Rauchzeichen mehr aus Salzburg-Maxglan, aus dem Zigeunerlager Leopoldskron, auch Marienbad, letzte Jahre in Marienbad, keine Rauchzeichen mehr, nur noch Rauch aus dem Schornstein, einige Jahre später und etwas weiter östlich, durch TIEFLAND, trotz TIEFLAND Rauch aus dem Schornstein? Ah, Perfido, ah, Verismo! – Nein, natürlich haben Sie niemand vergasen lassen, Frau Riefenstahl, nicht vergasen oder sonstwie zu Tode kommen lassen aber auch nicht die Lieblinge am Filmset, im Kulissendorf Roccabruna im Karwendelgebirge, Sinti und Roma, Erwachsene und Kinder, südländisches Kolorit in einem Schwarzweißfilm, nicht vergasen lassen auch nicht, obwohl es doch nur einer Vorstellung bei Reichsleiter Bormann bedurft hätte, BORMANN – BE- SCHNITTEN!, dieser, schon wieder Bormann – nein? Nein, und ebensowenig haben Sie persönlich die künftigen Komparsen im Lager – nun, selektiert, sondern, wie von Ihrem meineidigen Mitarbeiterstab später vor Gericht versichert, andere; unter diesen nichtsnutzigen Meineidbauern von Mitarbeitern auch Harald Reinl, natürlich, naturgemäß Dr [...]

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 332

[...] Harald, mit Rabenalt, Arthur Maria, am Set von T I E F L A N D , welches Glück; und 1954, nach der Uraufführung vonTIEFLAND inStuttgart,sogar,postmortem,nachCannes eingeladen, zu den Filmfestspielen, die kleine Blach Josefine, die noch kleineren Kugler Kreszentia und Amberger Willi, die Herzenberger und Lichtenberger, Reinhardt und Winter und weitere Lagerinsassen als Kleindarsteller in TIEFLAND, Bauern, Knechte und Mägde, drapiert um den Dorfbrunnen zwischen Schenke, Kastell und Kornmühle, auf der Piazza von Roccabruna nahe Krün bei Mittenwald im Bayrischen, hier soll es damals passiert sein; nach Cannes eingeladen übrigens von einem Bewunderer Ihres Filmgenies, von Jean Cocteau, dem damaligen Präsidenten der Jury, der auch höchstselbst die französischen Untertitel beigesteuert hat, naturgemäß Jean Cocteau, wie denn nicht, schon wieder ein Jahrhundertgenie, ein Jahrhundertgenie hilft dem anderen, wie Sie ja auch, Riefenstahl, für die Rolle der schönen jungen Zigeunerin Marta, Ihren verführerischen Betteltanz in der Schenke, im dritten Drehjahr von weiteren Zigeunern aus dem Lager Berlin/Marzahn lüstern bestaunt, mit Harald Kreutzberg, dem Zauberer, einstudiert haben – natürlich, naturgemäß mit Harald Kreutzberg, schon wieder Harald, schon wieder Jahrhundertgenie, diesmal des Ausdruckstanzes, einer, nach meinem Dafürhalten, etwas dümmlichen Disziplin, wenngleich – nein, nichts, ich will nichts gesagt haben [...]

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 333

[...] sein, nicht wirklich, nicht einmal filmwirklich in den Pyrenä- en, um noch genauer zu sein, sondern in den Dolomiten; Schafe grasen an einem malerischen See, malerisch ja, wie aufgemalt, wie auf Kulissen gemalt malerisch der Bergsee in den bekanntermaßen sehr wasserreichen Dolomiten; aber, Triumph des Willens über die Natur, das naturgemäß Vorgegebene, warum an einem natürlichen Bergsee drehen, wenn – hier, und nirgendwo anders hat es zu passieren – wenn auch ein künstlicher See ausgehoben, über eine sogenannte Eimerkette mit Wasser aus einer fernen Quelle angefüllt, die Ufer mit Gras bepflanzt und mit Schafen bestückt werden können; die im Auftrag des Führers von seinem Sekretär Bormann, Bormann-beschnitten!, dieser, dieser schon wieder, für die Produktion von TIEFLAND verwalteten Mittel scheinen nachgerade unerschöpflich gewesen zu sein [...]

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 338

[...] Pedro (naturgemäß schwer von Begriff, naturtrüb, aber es wird schon, zu Marta): DU – Ist da ein anderer –? Marta (die Hände vors Gesicht schlagend, zu Pedro): Ja [...]


Zitiervorschlag:
naturgemäß. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.herbst.224, 2019-02.