Bolero

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Kommentar

Boléro , Orchesterstück des franz. Komponisten Maurice Ravel, Uraufführung 1928

Textausschnitte

Herbst, Freiheit, S. 29

[...] Eine junge, dunkle, verruchte Frauenstimme, die zu dem, was sie gehört haben will, einen seltsamen Gegensatz bildet, will wissen, ob ich es auch gehört hätte, gerade eben, das Schubert-Quartett Ruhe, schönstes Glück, das berührende, mit dem Osttiroler Viergesang? Nein, gebe ich zur Antwort, ich habe den Bolero gehört, unter der Stabführung von Daniel Barenboim, und es gleichzeitig mit meiner Frau getrieben, haben Sie uns denn nicht gehört? Aber mit wem habe ich das Vergnügen zu so später Stunde, mit dem Fräulein Kistenberger etwa? Das tut nichts zur Sache, kommt es aus der Muschel, fest steht, ein Zahnarzt ist so gut wie der andere [...]

Herbst, Freiheit, S. 30

[...] Haben Sie ihn nicht gehört vorhin, den Bolero von Ravel, in einer historischen Aufnahme von 1934, unter Knappertsbusch, meine Frau und ich, wir haben einander sogar beigewohnt, seit dreißig Jahren wieder [...]

Herbst, Freiheit, S. 63

[...] fahren, nur er nicht? Wohin mit dem Rat zu Kerzenlicht und Stimmungsmusik, dem Rat zu einem Finger und später gar einem zweiten, zur Lockerung einzuführen in den After, wohin mit der totalen Entspannung, dem Beratungsabfall, dem Therapiemüll, der Gesprächstherapie nach Doktor Schmutzer? Pfui, pfui, fort!, aber wohin? Wohin mit der Empfehlung, es am zweiten Tag der Mensis zu versuchen, und ähnliche Ausscheidungen, wohin damit, wohin mit den nächtlichen Verkehrszeichen, mit Tricks und Tips? – Oder das landesweit übertragene nächtliche Gespräch von Mann zu Mann, vorausschicken möchte ich, alles prima, nichts tabu, wir arbeiten mit indirekter Beleuchtung, und Musik, Klassik, Bolero [...]


Zitiervorschlag:
Bolero. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.herbst.118, 2019-02.