Menocil

TEI version< zurück

Kommentar

Seit Mitte der 1960er Jahre in Deutschland und der Schweiz verkaufte Appetitzügler

Textausschnitte

Kalte Herberge, S. 276

[...] – Sich entfernen, falsch, mich entfernen von allem, was einem, nicht einem, was mir lieb und teuer gewesen ist, was mir einmal etwas bedeutet hat – Ehrlosigkeit und Untreue, Zeitungsund Ladendiebstahl, zustimmend in Kauf genommene Verwahrlosung, unhaltbare Zustände, Unzucht und Unordnung, Störung der Nachtruhe, Aufruhr, entfernen mich von der unheiligen Dreifaltigkeit Alkohol, Cannabis, Geschlechtsverkehr, von der nächtlichen Farbenpracht, roter Liban, grüner Türke, schwarzer Afghan, yellow sunshine und purple haze, von Mescalin und Menocil, von Auszehrung, Zerrüttung und Tuberkulose, von allem, was einem, einem wie mir einmal Heimat gewesen ist; langsam davongehen und aus der Ferne zurückblicken auf ein erfülltes Leben, ein Leben für Österreich, ein Leben mit Zither, Cello, Blockflöte, Gesang, Gebet, Gebetbuch, Gesangsbuch, Geschirrtuch, mit Frau, Mutter, Großmutter, und was man sonst noch verkaufen würde, was verkauft einer nicht, um Kanzler zu sein, den Staat zu tragen, Staat tragen zu dürfen wie einen Anzug, und auf ein erfülltes Leben zurückzublicken, – REFORM, REFORM!, Reformhaus Volkl, Landstraße – ein Leben für Österreich, für das niedere, niederste Österreich, für Niederösterreich, wo die niedersten und dümmsten, aber auch die ehrgeizigsten und umtriebigsten Österreicher herkommen, dahergelaufen kommen, wie dieser Doktor Kochtopf, oder Schüssel, oder wie immer, etwas mit Küche jedenfalls, niederösterreichischer Küche (niederösterreichische Küche!, Prost Mahlzeit!), Doktor Schüssel und sein Mentor, der Schafskopf, dieser Dr [...]


Zitiervorschlag:
Menocil. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.herberge.1480, 2019-02.