Krähwinkel

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Kommentar

Krähwinkel bezeichnet keinen realen Ort, sondern steht metaphorisch für Kleinstädtisch-Spießbürgerliches; in der Literatur erstmals bei Jean Paul in Das heimliche Klagelied der jetzigen Männe r (1801), das bekannteste literarische Vorkommen wohl bei Johann Nestroy: Freiheit in Krähwinkel (1848).

Textausschnitte

Kalte Herberge, S. 275

[...] Halblaut vor sich hinreden und langsam davongehen, sich entfernen; nur wohin und wovon? sich davonmachen, nach Böheimkirchen oder Zeiselmauer, oder von Böheimkirchen und Zeiselmauer, von Knittelfeld und Krähwinkel, sich entfernen wovon? Von den Niederungen des Alltags, des Gewöhnlichen, des Politischen? Von der kalten Herberge, aus der Winterreise sich davonstehlen, nicht ohne vorher sich am Schlitten zu schaffen gemacht zu haben, am Schlitten für die Schlittenfahrt, die Petersburger Schlittenfahrt mit Doktor Schüssel, oder Kochtopf, oder wie dieser Kutscher Europas, kling kling, auch heißen mag, dieser notorische Erster – sein, Erster – werden – woher, dieser lippenlose Musterschüler, Punkti Punkti strichi strichi, der auch mit besserer Ausstattung noch nie eine Fut geschleckt haben würde; ihm und seinen Vorgängern sei ein kräftiges FRONT HEIL! ausgebracht [...]


Zitiervorschlag:
Krähwinkel. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.herberge.1458, 2019-02.