Knittelfeld

Textausschnitte

Herbst, Freiheit, S. 9

[...] Die Verbrecherfamilie Urbanz aus Lind bei Knittelfeld [...]

Herbst, Freiheit, S. 14

[...] Die Verbrecherfamilie Urbanz aus Lind bei Knittelfeld, die Urbanz, ein seltenes Gruppenbild, wenn nicht das einzige [...]

Herbst, Freiheit, S. 85

[...] Ah, das wird Ihnen gefallen, hier, ich in meine steirischen Verbrechensbilder vertieft, in das seltene, wenn nicht einzige Gruppenbild der Verbrecherfamilie Urbanz aus Lind bei Knittelfeld, geborene Gewaltverbrecher, geborene Motorsportverbrecher, der Sippenälteste erzählt vom Einstellen des Vergasers, von dessen Mühsal, das Einstellen des Vergasers bedürfe erheblicher, wenn nicht lebenslanger Erfahrung, die Kenntnis der Gemischverhältnisse, sie komme einer Säftelehre der Maschine gleich [...]

, S. 147

[...] operndirektor Holender – nein? Wenn dieser Eibisch, oder ein von ihm Gesandter, in diesem Augenblick, in dieser Frühlingsnacht, den Häuserblock umrundete oder gar schon durch das Stiegenhaus nach oben, in den dritten Stock, schliche, ich fühlte mich nicht in Furcht und Unruhe versetzt? Durch notorisches übles Nachreden, den Üblen nachreden, durch fortgesetzten Spott in Furcht und Unruhe versetzt, durch Opfer der Spottlust zum Opfer der Opfer der Spottlust geworden, Üble Nachrede, Furcht, Unruhe? Ist nicht die Haustüre ins Schloß gefallen, ohne daß jemand von innen wieder versperrt hätte? Licht im Stiegenhaus? Kein Licht im Stiegenhaus? Kein Ganglicht, keine Gangbeleuchtung, kein Zischen des Ganglichts, keine Viola im Nebenzimmer? Keine Glühbirne herausgeschraubt, wie beim bis heute nicht aufgeklärten sogenannten Karfreitagsmord, nein? Er wird sich im Dunkel heraufgeschlichen haben? Wer ist es, wird es sein, wer wird es gewesen sein? Einer, dem ich die Frau weggenommen habe? Einer, den ich verspottet habe, ein von mir Beschädigter, und falls, welcher von den Hunderten, wenn nicht Tausenden? Einer, den ich komisch angesehen hätte, irgendwie komisch, und wohl insgeheim belustigt; einer, der mir meine heimlichen Belustigungen schon noch austreiben würde? Einer, mehrere, welche? Welche sind es? Der geheime Postenkommandant? Die Urbanz, die Urbanzverbrecher aus Lind bei Knittelfeld? Der Eibisch aus Lind in Villach? Der Kunstmaler Schreib aus der Leopoldstadt, der Schneider Volpini? Wer wird es sein? Der Verstörungstäter im Hotel Mordschein, oder Mondschein? Das Kunstwerk ist die Totenmaske des Deliktes, würde er, in die Wohnung eingedrungen, ausrufen? Weil ich ihn um sein Delikt, die Ermordung eines Nachtportiers mit einem Küchenmesser, unter Anleitung einer Viola in einem Nebenzimmer, gebracht hätte, deswegen würde er mich aufgesucht haben, irgendwann nach Mitternacht, und nach seiner Entlassung, nach Verbüßung seiner Strafe in einer Sonderanstalt? Weil ich seinen surrealen Akt zu einem Prosakunstwerk umgearbeitet, weil ich ihn entworfen und dadurch vernichtet hätte, deshalb? Wahrscheinlich deshalb [...]

Manker, Invention, S. 185

[...] Veit an der Glan, der Requisiteur – der die Requisiteuse? – und die Komparsen, während alle übrigen im Reiseautobus, in den Autobussen des Reisebüros Springer, Klagenfurt, für die nächtliche Rückfahrt ihre Plätze einnehmen, einzunehmen versuchen, denn das Reiseunternehmen Springer, Springer Reisen, Klagenfurt, nun ja, – ist der Paul im Sportwagen dieses Schweinepriesters längst schon in die steirische Nacht entschwunden, wahrscheinlich schon in Knittelfeld [...]

Manker, Invention, S. 193

[...] ein von mir Beschädigter, einer dem ich die Frau weggenommen habe, oder einer, den ich komisch angesehen hätte, und wohl insgeheim belustigt, und der mir meine heimlichen Belustigungen schon noch austreiben würde, und alles nur, weil Sie so flüstern, Manker, jetzt werden sie ein anderes Mal kommen, außerhalb der Geschäftszeiten, welche auch immer, ob der geheime Postenkommandant, ob die Urbanzverbrecher aus Lind bei Knittelfeld, ob der Eibisch aus Lind in Villach, oder der Kunstmaler Schreib aus der Leopoldstadt, der Schneider Volpini, einer oder mehrere, aber welche? Jetzt sind Sie ansatzlos wieder zu laut, Manker, und nachgerade panisch, WELCHE?!, wie soll der Delinquent sich denn anschleichen, wenn Sie einen solchen Lärm machen, einen derartigen Gedankenlärm, Sie werden ihn noch vertreiben, den Hausfriedensbrecher, und das Hörspiel ruinieren, mein gutes Hörspiel: bald zu leise, bald zu laut, häufiger zu laut als zu leise, Flüstern oder Schreiben, sehe sich einer diese Fehlleistung an, Flüstern oder Schreien hat es natürlich zu heißen, in einem Hörspiel, Flüstern oder Schreien, Schreie und Flüstern, sonst nichts, keine Zwischentöne, kein bitter – nicht bitter, kein Strahlen vor Einsicht, das ist bitter [...]

Kalte Herberge, S. 275

[...] Halblaut vor sich hinreden und langsam davongehen, sich entfernen; nur wohin und wovon? sich davonmachen, nach Böheimkirchen oder Zeiselmauer, oder von Böheimkirchen und Zeiselmauer, von Knittelfeld und Krähwinkel, sich entfernen wovon? Von den Niederungen des Alltags, des Gewöhnlichen, des Politischen? Von der kalten Herberge, aus der Winterreise sich davonstehlen, nicht ohne vorher sich am Schlitten zu schaffen gemacht zu haben, am Schlitten für die Schlittenfahrt, die Petersburger Schlittenfahrt mit Doktor Schüssel, oder Kochtopf, oder wie dieser Kutscher Europas, kling kling, auch heißen mag, dieser notorische Erster – sein, Erster – werden – woher, dieser lippenlose Musterschüler, Punkti Punkti strichi strichi, der auch mit besserer Ausstattung noch nie eine Fut geschleckt haben würde; ihm und seinen Vorgängern sei ein kräftiges FRONT HEIL! ausgebracht [...]


Zitiervorschlag:
Knittelfeld. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.herberge.1456, 2019-02.