Landskron

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Kommentar

Ortsteil von Villach mit gleichnamiger Burg

Textausschnitte

Manker, Invention, S. 196

[...] Und doch muß das Kickboxen mit der Kwon-Kämpferei irgendwie Zusammenhängen, für beides braucht man eine bestimmte Ausstattung, Kampfartikel, eine fernöstliche Kampfausrüstung, alles nicht leicht zu bekommen, im Inland beispielsweise gibt es eine einzige Firma, die damit Handel treibt, eine Art Generalrepräsentanz für Kwon-Kampfartikel, und diese Firma, begründet von einem Staatsmeister im Kickboxen, befindet sich, wer hat mir das bloß erzählt, befindet sich, befindet sich in – Villach, genau, in der – Aber wer hat, ach ja, mein Vater hat mir das erzählt, daß er nämlich in seinem leerstehenden Haus in Landskron das ebenerdige Geschäftslokal, nach manchen Vormietern, mit denen er sich nichts als herumärgern habe müssen, zwielichtigen Gewerbetreibenden, die alles ruinieren und die Miete nicht bezahlen, endlich gut vermietet habe an einen Kickboxstaatsmeister, der dort ein Sportartikelgeschäft betreibe, ein gewisser Felsberger, Sport Felsberger, Letzte Grüße, Sport Felsberger [...]

Kalte Herberge, S. 251

[...] len wollen, oder vorstellen müssen, auf daß eine Bronchoskopie veranstaltet, Gewebe entnommen würde, und vielleicht auch mehr – – Große Unruhe; seit meiner Geburt nicht mehr im Krankenhaus gelegen, in seltenen Fällen von Knochenbrüchen oder Prellungen umgehend in sogenannte häusliche Pflege entlassen worden, Pflege, nun, Haus, nun ja, jedes Aufenthaltsstipendium in New York von vornherein abgelehnt, um nur ja nicht, wie alle übrigen, plötzlich über New York und Amerika zu schreiben, dort Geschichten anzusiedeln, und, jeden Spitalsaufenthalt hoffend ausgeschlossen, oder aufgeschoben zumindest bis zum Jahr 2028, meinem Todesjahr, um nur ja nicht, wie viele andere, plötzlich, wie denn auch nicht, Spitalsprosa, postoperative moribunde Texte zu schreiben, Geschichten in Spitälern und Krankenzimmern anzusiedeln, ansiedeln zu müssen, und jetzt – – Große Unruhe; ach, hätte ich doch kein Telefon, wüßte doch niemand, wo ich wohne, ach daß überhaupt niemand von mir wüßte, dann – ja was dann? Dann keine Unruhe, keine große, keine kleine, dann Ruhe, nicht gerade Friedhofsruhe, aber Ruhe, Ruhe wie vor meiner Geburt, die Ruhe der Dreißigerund frühen Vierzigerjahre etwa, aber dann schon wieder nicht meine geliebte Schubert-Ruhe, RUHE, SCHÖNSTES GLÜCK auf Erden, Ruhe hin, Unruhe her, man wird geboren und ist im Rennen, so mein Freund Hotschnig, der Alois, betont kaltschnäuzig vor seinem Haus in Landskron, im Fernsehen, – auf der Welt und im Rennen, auf der Strecke, die Strecke freilich versuche ich, jetzt ich wieder, nicht mehr Hotschnig, ich, von dem am besten keiner wüsste, die Strecke versuche ich selbst auszusuchen, möglichst so, daß sie Krankenhäusern großräumig ausweicht [...]

Kalte Herberge, S. 252

[...] Selbst am Morgen, selbst wenn ich in aller Frühe aufgebrochen wäre, die Heimwerkergeräusche hätten mich ereilt und mir den Tag verdorben, die Geräusche, wie sie entstehen, wenn alte Bäume gestutzt, gemaßregelt, zu bloßen Torpfosten zurechtgestutzt werden – – In der Nacht, vielleicht, in der Nacht hätte ich Weggehen sollen, aufbrechen, da ruhen die Rasenmäher und Bohrmaschinen, die Elektrosägen und Heckenscheren, und mit ihnen die Landskron [...]

Kalte Herberge, S. 258

[...] Jetzt reisen sie wieder, werde ich schreiben, jetzt reisen sie wieder, im tiefen Winter, aber nicht, wie ich, von Bern, aus der DAMPFZENTRALE BERN, wo ich ein vielumjubeltes Konzert gespielt –, nein, falsch, wo ich mir einen ungeheuren Dampf angetrunken hatte, einen solchen Dampf, in der Dampfzentrale, daß ich nicht mehr in der Lage –, auch nicht, keine Ahnung, was mich nach Bern verschlagen hatte, und verschlagen, wie ich bin; jedenfalls, sie reisen, die anderen, jetzt reisen sie wieder, werde ich schreiben, aber nicht, wie ich, von Bern über Zürich nach Wien und weiter nach Villach und Landskron [...]

Kalte Herberge, S. 265

[...] Ach, daß ich – E I N - ATMEN, NICHT ATMEN, WEITERATMEN –, daß ich mich nicht, daß ich mich nie nach Landskron [...]

Kalte Herberge, S. 266

[...] weiß, Katzen sind zäh, und wäre ich –, hätte ich –, wäre in Wien ich –, so aber in Landskron ich gewesen, und der Kater plötzlich zum Tode hinfällig in einer Ecke kauernd, wie mir am Telefon nach Landskron berichtet wurde, und der Rollbalken der Tierarztpraxis geschlossen, herabgelassen der Rollbalken, verwehrt der Zutritt zur Praxis, der rettende Zutritt, an einem Dienstag Mitte September, ohne daß ich hätte eingreifen können; ach, es ist ein Elend, oder: ach es ist zum Scheißen, zum Scheißen ist das, um zum Küchenfenster hereingewehte Flüche und Zornesausbrüche aus dem Lichthof des Hetzgassenhauses zu bemühen [...]

Kalte Herberge, S. 269

[...] Wie ich sie hasse, die mich auch in Landskron [...]

Kalte Herberge, S. 282

[...] Wo bleibt dein ULYSSES, dein Finnegans Wake, die Momentaufnahmen, Mitschriften wenigstens aus den Villacher Stadtautobussen oder aus den Speisewagen nach Wien, wo bleiben sie, wo bleibt er, der große, aber wahrscheinlich nur groß angekündigte Haßkatalog, der, nach dem Standort der Schreibmaschine so genannte Landskroner Haßkatalog? Wie? Ach, erzähl mir nichts, ich glaube dir ohnehin nicht, du wirst mir gar nichts erzählen, nichts als Ausreden, erzählen kannst du auf dem Papier, wenn du es könntest, aber du kannst es ja nicht, weil du eben ein Trottel bist, oder, ich will ja nicht ungnädig sein, ein Trottel geworden bist [...]

Zu spät – Tiefland, Obsession, S. 302

[...] Ich werde Landskron verkaufen [...]


Zitiervorschlag:
Landskron. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.herberge.1386, 2019-02.