Gesinnungsgemeinschaft

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Kommentar

„Gesinnungsgemeinschaft“ war ein feststehender Begriff von FPÖ-Funktionären – auch von Jörg Haider (vgl. u.a. Bailer-Galanda 1995, 90) –, um ihre Partei ideologisch zu fassen bzw. abzugrenzen. Zugleich verweist der Begriff auf die Ursprünge der FPÖ (in der deutschnationalen Studentenschaft 1848), die erst in den 1990er Jahren zu einer Massenpartei wurde (vgl. Gerlich/Müller 1980, 69f.).

Textausschnitte

Kalte Herberge, S. 260

[...] Datum abgelaufen, Ware in Ordnung – Jetzt reisen sie wieder, die anderen, die auch I C H sagen, die Unflatentäußerer, und selbst nichts als Unflat, Unrat, Dreck, Abschaum, Schaumkronen darauf, die anderen Ich-Sager, ich, Hans Achatz, ich, Ernest Windholz, ich, Hilmar Kabas, und aandere Gestalten des Auswurfs, die von der Bewegung, der Gesinnungsgemeinschaft, Ich, Ernest Windholz, Ich, Hans Achatz, klingt das nicht seltsam?; wahrscheinlich reisen sie zu einem SONDERPARTEITAG, zu den SONDERKOMMANDS der Waffen-SS im Osten, zu den SONDERBEHANDLUNGEN können sie ja nicht mehr reisen, bei aller Ehre und Treue, also reisen sie zu einem Sonderparteitag, auf dem sie ihre Meinungen, ihren Unflat absondern werden: ich, Hilmar Kabas, ich, Ernest Windholz, ich, Hans Achatz, wir, sie, deren Existenz vollkommen entbehrlich ist, und nicht nur ihre, denn zum Sonderparteitag reisen ja viele, viele Ich-Sager, denen es bei Androhung des Standrechts, der Sonderbehandlung verboten sein sollte, I C H zu sagen – Wer denn ich? Woher denn ich? Woraufhin denn ich? Wer denn sie, diese bloßen Erscheinungsformen der alltäglichen Niedertracht, der sogenannten freiheitlichen, freiheitlich-nationalsozialistischen Basis, nein? Ja, Kramberg, da ist es wieder, was nach Céline klingt, aber nicht von Céline ist, im Gegenteil, im Gegenteil [...]


Zitiervorschlag:
Gesinnungsgemeinschaft. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w3.herberge.1344, 2019-02.