»Mütter guten Blutes bei der Besamung«

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Kommentar

Kofler spielt mit diesem Bild auf die bereits in der NS-Zeit aufgekommene (falsche) Vorstellung von „Lebensborn“-Heimen als „Zuchtanstalten“ für reinrassige „Arier“ an. „Lebensborn“ war ein 1935 vom „Reichsführer-SS“ Heinrich Himmler gegründeter Verein, der im Umfeld von Himmlers „Germanisierungsphantastereien“ (Koop 2007, 5) zu sehen ist. Der Verein betrieb in Deutschland und den besetzten Ländern Heime, in denen Frauen uneheliche Geburten ermöglicht wurden. (In Österreich gab es zwei solcher Heime.) Die Frauen mussten strengen Aufnahmekriterien entsprechen, also etwa „guten Blutes“, „erbrein“ sein. Die im Kofler-Nachlass vorhandene Muttertagsausgabe der NS-Frauenwarte_1939 aus dem Jahr 1939 (11/S3) widmet sich dem Thema „Frau und Mutter als Lebensquell des Volkes“: „Denn sie steht als Trägerin des Lebens zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie ist der unerschöpfliche Born des blutmäßigen Lebens unseres Volkes“.

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 129

[...] Etwa hier, Deutsche Meisterschaften im Schachfigurenwerfen 1935, eine heute vergessene Disziplin, oder jene sehr naturalistische Performance dort drüben – leider darf man nicht näher hingehen, ein Anstands-Abstand muß eingehalten werden, aber man sieht auch so noch gut genug, sehen Sie? –, diese Vorführung stellt Mütter guten Blutes bei der Besamung [...]


Zitiervorschlag:
„Mütter guten Blutes bei der Besamung“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.969, 2019-02.