»Geschichte als Wiederholung des Gleichen«

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Kommentar

Kofler bezieht sich hier wohl auf Friedrich Nietzsches „Lehre von der ewigen Wiederkunft“, einem zyklische Zeitverständnis, das auf der Annahme basiert, dass alles schon einmal existierte, „aber in jedem Moment trotzdem Neues entsteht“ (Skirl 2000, 222). Im Gegensatz zum einfachen Nihilismus, der in seiner Wertnegation noch wertbezogen sei, führe jedoch erst die Umwertung aller Werte in der Wiederkehr bzw. Wiederkunft (Nietzsche gebraucht beide Begriffe) des Gleichen zur „Überwindung des Menschen im Übermenschen“ (Mittelstraß 1996, 691). Trotz unterschiedlichster Interpretationen scheint sich die Forschung darin einig, dass Nietzsche mit diesem Gedanken „eine Synthese aus antiken (kreisenden) herakliteisch-pythagoreischen Lehren und dem neuzeitlichen Zeitpfeil der modernen Physik“ anstrebte – „auf daß diese Versöhnung von Antike und Neuzeit in die Welt- und Wertvorstellung der Menschen gelange“. (Skirl 2000, 222).

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 126

[...] – So weit darf die Verzerrung zur Kenntlichkeit nicht gehen, es gibt Grenzen, hörte ich eine Stimme, die Stimme eines Schmidt, aus mir rufen, das ist Frevel, Geschichtsfrevel! – Was ist Geschichtsfrevel, die Originale oder die Kopien?, gab der Kustos böse zurück, um dann, wieder ruhig und wie zur Versöhnung einzuräumen: Natürlich, genauer noch, naturgemäß hat das Konzentrationslager im Museum nichts verloren, naturgemäß – Natur und Geschichte, Naturgeschichte, das beschäftigt uns, wie? – naturgemäß wäre die einzige Möglichkeit, die jüngere deutsche Geschichte nachzuvollziehen, der Risikourlaub im Konzentrationslager, aber soll deshalb alles von neuem losgehen, Geschichte als Wiederholung des Gleichen? Sie werden ja auch vor Jahrzehnten gelernt haben, daß die Dialektik solches geradezu verbietet, und gestattet sie es, sind es Wiederholungen mit anderen Mitteln; worüber regen Sie sich also auf? Außerdem handle auch ich nur in höherem Auftrag, ich erfülle gewissermaßen – ich wage das Wort mit Absicht – meine Pflicht, meine Pflicht aufzuklären; und ich möchte nun, unbehelligt von weiteren Einwürfen, mit meiner Führung, in meinem Vortrag fortfahren [...]


Zitiervorschlag:
„Geschichte als Wiederholung des Gleichen“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.937, 2019-02.