»Geschichte als Erlebnisraum«

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Kommentar

Kofler bezieht sich hier (und im gesamten „Museumsabschnitt“) auf Fragen der musealen Darstellbarkeit, Instrumentalisierung und Simulation von Geschichte sowie der Erinnerungskultur – Fragen, die im Zusammenhang mit der geplanten Errichtung eines „Deutschen Historischen Museums“ in Berlin während der 80er Jahre intensiv öffentlich diskutiert wurden (vgl. Stölzl 1988), nicht zuletzt auch im Rahmen des sogenannten „Historikerstreits“ um die zeitgeschichtliche Beurteilung des Holocausts. Das Museum wurde schließlich 1991 im Berliner Zeughaus eröffnet.


Bautafel des Projekts „Deutsches Historisches Museum“, Berlin, Spreebogen, um 1987 (Foto im Kofler-Nachlass)
Foto: Robert-Musil-Institut für Literaturforschung/ Kärntner Literaturarchiv

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 116

[...] Geschichte als Erlebnisraum, Geschichte betreten, wie man einen Raum betritt, in einen beliebigen Zeitraum deutscher Geschichte hineingehen wie in ein Haus oder ein Zimmer, das grenzte ja ans Wunderbare, dachte ich; die deutsche Geschichte durchstreifen wie ein Trapper die Prärie, das sollte möglich sein? Ein solches Museum wäre ja so gewaltig wie das Naturtheater von Oklahoma, dachte ich voller Erwartung [...]

Am Schreibtisch, S. 125

[...] Wie Sie sich unschwer vorstellen können, waren Nachbildungen im Maßstab eins zu eins nicht leicht zu bewerkstelligen, aber um die Schrecken der Vergangenheit erlebbar, genauer noch – an dieser Stelle steigere ich mich immer –: um die Faszination des Schreckens begehbar zu machen, war uns keine Schwierigkeit zu groß, Geschichte als Erlebnisraum, wie ich wahrscheinlich gestern schon sagte [...]


Zitiervorschlag:
„Geschichte als Erlebnisraum“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.841, 2019-02.