Vogel Bülow

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Kommentar

Vogel Bülow hat sich als Bezeichnung für den Singvogel Pirol in Anleihen an den Namen des deutschen Adelsgeschlechts Bülow in deren mecklenburgischer Heimat etabliert. Der Künstlername des Humoristen Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, Loriot, ist die französische Bezeichnung für diesen Vogel.

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 114

[...] Alles gesehen, alles gehört; die Stimmen nachmittags im Postautobus, die den Fremden schläfrig machen, Dämmerlicht verschiedener Lebensgeschichten, monotone Schilderungen von Autounglücken und Krankenanstalten, Unfällen beim Heueinbringen, Hier hat jämmerlich sein Leben beendet der wohlgeachtete Rupert Sabernig; Erzählungen von nächtlichen Benachrichtigungen, ergeben den Sachverhalten, ein jeder hat sein Kreuz zu tragen; alles gehört, wo es passiert ist, daß hereintelephoniert ist vom Gendarmen, in diesen Tälern wird immer hereintelephoniert; vom Regen gehört, der bitter not wäre, und von einem Tögele Wein, so bitter gut, alles gehört und gedacht: An die Kindheit denken wie an ein früheres Leben, den Satz im eigenen Kopf gehört, alles gehört, die Stimmen im Postautobus und die Vogelstimmen, den Schrei des Bussards, den zornigen Tannenhäher, die Drossel, den Vogel Bülow, alles gehört, alles gesehen; alles gesehen, Bergahorn, Schwarzerle, Eberesche, wilde Kirschbäume im Wald, Brunnenkresse und Nelkenwurz am Bach, Zinnkraut, Schachtelhalm im Feuchten, im Schatticht, alles gesehen ich, Lenz, im Gebirg, auf dem Weg zu meiner Mühle, zu meiner Goldgrube, zum Kohlenmeiler; Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt der Pflüger; strahlende Tage im Juni, im Juli, Abendlicht, bläulicher Dunst, Rauch aus den Hütten, Dem Genügsamen raucht sein Herd; alles gesehen, Lärche und Zirbe, Wacholder, den blauen Speik und den roten Steinbrech, Türkenbund und Eisenhut, die wie Blasmusikanten zusammenstehenden Enziane, den Himmelsherold und die Spuren der Hirschkuh; gesehen das Aufleuchten des Saturn am Abendhimmel, den blaßblauen Vorschein des Mondes hinter dem schwarzen Wald, über dem Bergrücken; alles gesehen, und doch, Wie verscheucht von törichter Bitte, und dennoch: unsichtbare Schatten über allem [...]

Am Schreibtisch, S. 115

[...] Den Regen gehört, ja, nicht aber den Schrei des Bussards, nicht den zornigen Tannenhäher, nicht die Drossel, den Vogel Bülow, schon gar nicht den Wachtelkönig [...]


Zitiervorschlag:
Vogel Bülow. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.825, 2019-02.