»Ja, ich liebe den männlich-spekulativen Blick auf den Frauenkörper, das Zirkulieren der Frauen auf dem Markt; nichts ist spannender als die Entfremdung.«

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Kommentar

Anspielung auf die Theorien der französischen Feministin, Psychoanalytikerin und Kulturtheoretikerin Luce Irigaray (* 1930). Sie kritisiert in ihren Schriften den Statuts der Frau als Ware, diese sei „in zwei unversöhnliche Körper geteilt: ihren ,natürlichen‘ Körper und ihren gesellschaftlich wertvollen, austauschbaren Körper: (mimetischer) Ausdruck männlicher Werte“ (Irigaray 1979 , 187). Die Frau habe „Wert nur, sofern sie getauscht werden kann“, so Irigaray – und unter expliziter Bezugnahme auf Marx: „Die Wirtschaft, im engen und allgemeinen Sinn, wie sie in unseren Gesellschaften besteht, erfordert also, daß die Frauen sich zur Entfremdung durch Konsumtion und zu den Tauschhandlungen, an denen sie nicht teilhaben, hergeben, und daß die Männer dem Gebrauch und ihrer Zirkulation als Waren entzogen werden.“ Die Zirkulation der Frauen unter Männern sichere die patriarchale Gesellschaftsordnung (Irigaray 1979, 179).

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 111

[...] Ja, ich liebe den männlich-spekulativen Blick auf den Frauenkörper, das Zirkulieren der Frauen auf dem Markt; nichts ist spannender als die Entfremdung. – Als Frührentner fordere ich für die Nutzung dieser Wohnung – in diesem Haus, in dieser Stadt! – eine Ekelabgeltung, eine Lärmentschädigung; eine Belästigungsabfindung, einen Ersatz für einen durch Jahrzehnte an mir entstandenen Schaden fordere ich von der städtischen Wohnhausverwaltung! Natürlich muß ich auch den Rücktritt des Hochglanzbürgermeisters fordern, er ist so laut und schreit herum und hält so große Stücke auf diese Scheißstadt, er lügt also, wie alle Politiker, alle hiesigen Konsensund Sanierungspolitiker, deren Rücktritt ich ebenso zu fordern habe, wie auch den sofortigen Rücktritt ihrer designierten Nachfolger, sie taugen ja doch nichts und sind alle gleich, alle gleich, lauter Gauner, lauter Gauner! Denken ohnehin nur an das eine, schauen nur aufs Geld und auf die eigene Macht, Hauptsache bei die ist doch, daß sie ihn drin haben [...]


Zitiervorschlag:
„Ja, ich liebe den männlich-spekulativen Blick auf den Frauenkörper, das Zirkulieren der Frauen auf dem Markt; nichts ist spannender als die Entfremdung.“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.801, 2019-02.