»Gewerkschaftsbund mit seinen Streikbrecher- und Schlägergewerkschaften«

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Kommentar

Anspielung auf zwei zentrale Ereignisse der jüngeren Geschichte Österreichs, in denen der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) eine Rolle spielte. 1) Ende September (1950): kam es zu Streiks mit Ausschreitungen wegen geplanter Preissteigerungen. Da kommunistische Betriebsräte maßgeblich an der Organisation der Streiks beteiligt waren, wurde der „Oktoberstreik“ – in einer Hochphase des Kalten Kriegs – auch als kommunistischer Putschversuch interpretiert. (vgl. Rathkolb 1991) Der Chef der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft, Franz Olah, mobilisierte „Schlägertrupps“, um gegen die kommunistischen Anführer der Streiks vorzugehen und den Streik zu beenden. 2) Als es vor Baubeginn eines Donaukraftwerks bei Hainburg (1984): zu Protesten von Umweltschützern kam, trat ÖGB-Chef Anton Benya vehement für den Bau ein. Als Kraftwerksgegner im Dezember 1984 den Baubeginn durch die Besetzung der Stopfenreuther Au verhinderten, kündigte Benya die Bereitschaft der Gewerkschaft zu einer gewaltsamen Räumung des Baugeländes an. Eine angekündigte Großdemonstration der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft vor Ort, die wahrscheinlich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt hätte, wurde auf Betreiben von Bundeskanzler Sinowatz abgesagt. Benya erreichte aber eine Räumung des Geländes am 19. Dezember durch die Polizei. Die Besetzung konnte dadurch allerdings nicht längerfristig verhindert werden, Regierung und ÖGB mussten schlussendlich einlenken. (vgl. Kriechbaumer 2008, 308–310)


Zitiervorschlag:
„Gewerkschaftsbund mit seinen Streikbrecher- und Schlägergewerkschaften“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.793, 2019-02.